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Papst Leo XIV. ruft vor spanischem Parlament zu Frieden und Flüchtlingshilfe auf
Papst Leo XIV. hat bei seiner Spanien-Reise inmitten des neu entflammten Iran-Kriegs ein Ende kriegerischer Konflikte und mehr Flüchtlingshilfe gefordert. Waffen könnten "niemals einen echten und dauerhaften Frieden schaffen", sagte der Papst am Montag in einer Rede vor dem Parlament in Madrid. Bei einem anschließenden Treffen mit spanischen Bischöfen bezeichnete er Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche als "Plage".
Leo XIV. sprach am dritten Tag seines einwöchigen Spanien-Besuchs als erster Papst der Geschichte vor dem spanischen Parlament. Vor den im Abgeordnetenhaus versammelten Abgeordneten und Senatoren forderte er, Staaten müssten Differenzen auf "friedlichen Wegen" beilegen, "die das Völkerrecht bereitstellt".
Frieden sei ein "wahrhaftes moralisches Gebot", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche weiter. "Jeder Krieg stellt letztlich eine schmerzhafte Niederlage der Fähigkeit zu Verhandeln und des gemeinsamen Gewissens der Menschheit dar." Der Papst zeigte sich auch besorgt über die Aufrüstung in vielen Regionen einschließlich Europa. Echte Sicherheit könne nur durch Gerechtigkeit, "geduldigen Dialog" und eine Achtung des Völkerrechts entstehen.
Leo XIV. hat sich immer wieder für eine friedliche Beilegung von Konflikten stark gemacht. Für seine Kritik am Iran-Krieg wurde der in Chicago geborene Papst wiederholt von US-Präsident Donald Trump attackiert.
In seiner Rede vor dem spanischen Parlament ging der Papst am Montag auch auf ein weiteres Thema ein, bei dem er mit Trump über Kreuz liegt: Er forderte internationale Anstrengungen zur Unterstützung von Flüchtlingen und sprach vom "tragischen Migrationsdrama".
"Keine Nation kann eine Herausforderung dieser Größenordnung alleine bewältigen", sagte der Pontifex. "Deswegen ist eine koordinierte, solidarische und wirksame Antwort notwendig." Für Flüchtlinge müssten "Schutz, Aufnahme und echte Integrationsmöglichkeiten" geschaffen werden.
Das Thema Flüchtlinge und Migration ist in Spanien - wie in vielen anderen Ländern auch - umstritten. Die Linksregierung von Regierungschef Pedro Sánchez macht sich für eine Unterstützung von Migranten stark, die konservative Opposition fordert einen strikteren Kurs. Die radikal rechte Partei Vox spricht gar von einer "Invasion".
Leo XIV. wird am Donnerstag und Freitag auf der letzten Etappe seiner Spanien-Reise die Kanarischen Inseln besuchen. Die Inselgruppe im Atlantik ist ein Anziehungspunkt für Flüchtlinge aus Afrika. Bei der gefährlichen Überfahrt gibt es immer wieder viele Todesopfer. Allein für das vergangene Jahr meldete die Internationale Organisation für Migration auf dieser Flüchtlingsroute mehr als 1170 Tote oder Vermisste.
Der Papst will auf den Kanaren Flüchtlinge treffen. Begleitet wird er dabei von Regierungschef Sánchez, den er bereits am Montagmorgen in der diplomatischen Vertretung des Vatikan in Madrid traf.
In seiner Rede vor dem Parlament bekräftigte der Papst auch seine Ablehnung von Schwangerschaftsabbrüchen und Sterbehilfe. Jedes Leben müsse geschützt werden, und zwar "von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende", sagte er. Die Linksregierung hatte 2021 die Sterbehilfe legalisiert. Sie will zudem das bereits seit Jahrzehnten geltende Recht auf Abtreibungen in der Verfassung verankern.
Nach seinem Auftritt im Parlament traf Leo XIV. spanische Bischöfe - und kam dabei auch auf die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche zu sprechen. Es handle sich um eine "Plage", auf welche die Kirche mit "Zuhören, Wahrheit, Gerechtigkeit und Entschädigung" reagieren müsse.
Für den Nachmittag war ein Treffen des Papstes mit Missbrauchsopfern geplant. Allerdings beklagten mehrere wichtige Opfervereinigungen, keine Einladung erhalten zu haben.
Im März hatten die Regierung und die Kirche in Spanien nach jahrelangen Verhandlungen ein Abkommen zur Entschädigung von Opfern sexueller Übergriffe geschlossen. Ein Untersuchungsbericht hat die Zahl der Opfer seit dem Jahr 1940 mit mehr als 200.000 angegeben.
Spanien ist eine historische Bastion des Katholizismus in Europa, auch wenn die Zahl der Katholiken in den vergangenen Jahrzehnten stark geschrumpft ist. Am Dienstag wird der Papst nach Barcelona reisen. Dort wird er am Mittwoch in der weltberühmten Basilika Sagrada Família eine Messe feiern. Außerdem wird der Papst den kürzlich vollendeten 172,5 Meter hohen Jesus-Christus-Turm weihen, der die Sagrada Família zur höchsten Kirche der Welt macht.
N.Fournier--BTB