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Goldene Palme für "Fjord" - Deutsche Filmemacherin erhält Jurypreis
Der Film "Fjord" des rumänischen Regisseurs Cristian Mungiu ist beim Filmfestival von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden. Die deutsche Filmemacherin Valeska Grisebach wurde bei der Abschlussfeier am Samstagabend für ihren Film "Das geträumte Abenteuer" mit dem Preis der Jury geehrt. Der Film "Vaterland" mit Sandra Hüller erhielt den Preis für die Beste Regie.
Mungius Film erzählt die Geschichte einer rumänischen Familie, die sich in Norwegen niederlässt und dort in den Verdacht der Kindesmisshandlung gerät. Der Rumäne war 2007 bereits für den Film "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage" mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden.
Grisebachs Film spielt im Grenzgebiet zwischen Bulgarien, der Türkei und Griechenland. "Europa steht für mich für die Zusammenarbeit zwischen den Ländern", sagte die Regisseurin in ihrer Dankesrede und dankte ihrem multinationalen Team, zu dem mehrere Laiendarsteller zählten. Manche Kritiker lobten den feministischen Ansatz des Films, andere bemängelten Längen in dem mehr als zweieinhalb Stunden dauernden Werk.
Der Film "Vaterland" über den Schriftsteller Thomas Mann mit Sandra Hüller als dessen Tochter wurde für die Beste Regie ausgezeichnet. Der in Schwarz-Weiß gedrehte Film des polnischen Filmemachers Pawel Pawlikowski erzählt die Rückkehr von Mann und seiner Tochter Erika 1949 aus den USA nach Deutschland. Die männlichen Hauptrollen spielen Hanns Zischler und August Diehl.
Der Film "Minotaur" des in Paris im Exil lebenden russischen Regisseurs Andrei Petrowitsch Swjaginzew wurde mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Er ist eine moderne Version des französischen Filmklassikers "Die untreue Frau" von Claude Chabrol und zugleich eine bittere Kritik an den Verhältnissen in Russland. "Millionen Menschen auf beiden Seiten der Kontaktlinie hoffen darauf, dass das Morden endlich aufhört. Und die einzige Person, die diesem Blutvergießen ein Ende setzen kann, ist der Präsident der Russischen Föderation. Die ganze Welt wartet darauf", sagte Swjaginzew in seiner Dankesrede.
Die US-Schauspielerin und Sängerin Barbra Streisand wurde in Abwesenheit mit einer Ehrenpalme für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. "Sie hat sich immer dagegen gewehrt, dass andere für sie entscheiden. Sie hat oft Nein gesagt - deshalb lieben wir sie so sehr", sagte die Schauspielerin Isabelle Huppert in ihrer Hommage. Die 84 Jahre alte Streisand hatte ihre Reise nach Cannes wegen Knieproblemen absagen müssen.
Streisand bedankte sich in einer Videoansprache. "Das Kino besitzt diese magische Fähigkeit, uns miteinander zu verbinden, unsere Herzen und unseren Geist zu öffnen", sagte die Künstlerin.
Zu Beginn des Festivals waren der "Herr der Ringe"-Regisseur Peter Jackson und Hollywood-Star John Travolta mit Ehrenpalmen ausgezeichnet worden. Auf dem roten Teppich hatten sich auch in diesem Jahr zahlreiche Stars gezeigt, unter ihnen Catherine Deneuve, Adam Driver, Demi Moore, John Travolta und Kristen Stewart. Allerdings waren die großen Hollywood-Studios nicht beim Festival vertreten - möglicherweise auch, weil sie das Risiko schlechter Kritiken vermeiden wollen.
Das Festival war überschattet von einer Debatte um den zunehmenden Einfluss des rechtsaußen stehenden Geschäftsmann Vincent Bolloré in Frankreich. Der Chef des Fernsehsenders Canal+, Maxime Saada, hatte Filmschaffenden, die gegen Bolloré protestiert hatten, mit einem Ende der Zusammenarbeit gedroht.
C.Meier--BTB