Berliner Tageblatt - Selenskyj dringt angesichts neuer russischer Angriffe auf Luftabwehrsysteme

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Selenskyj dringt angesichts neuer russischer Angriffe auf Luftabwehrsysteme

Selenskyj dringt angesichts neuer russischer Angriffe auf Luftabwehrsysteme

Angesichts der nicht nachlassenden russischen Angriffe auf die Infrastruktur seines Landes hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seine Forderung nach Lieferung von Luftabwehrsystemen bekräftigt. Der Westen müsse gegenüber Russland "den Druck erhöhen", sagte der Staatschef in der Nacht zum Samstag in seiner Videoansprache. Sein Land benötige dringend Luftabwehrraketen. Nach dem massivem Beschuss vom Vortag arbeiteten am Samstag viele Orte daran, die Strom- und Wasserversorgung wiederherzustellen.

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Bei neuen russischen Angriffen wurden nach ukrainischen Angaben mindestens fünf Menschen getötet. In der zentral gelegenen Region Dnipropetrowsk seien vier Menschen getötet und 15 weitere verletzt worden, erklärte der Vizechef des Präsidialamts, Kyrylo Timoschenko. In der Region Cherson im Süden gab es demnach ein Todesopfer sowie drei Verletzte. Nach Angaben des Gouverneurs von Cherson, Jaroslaw Janutschewitsch, wurde auch ein Geriatrie-Zentrum getroffen, Opfer habe es dort jedoch keine gegeben.

Schon am Freitag waren nach Angaben der ukrainischen Armee von den russischen Streitkräften 74 Raketen abgefeuert worden. Laut Selenskyj kam es in der Folge zu Stromausfällen in der Hauptstadt Kiew und 14 weiteren Regionen.

Es werde derzeit an der Wiederherstellung der Versorgung gearbeitet, sagte der Staatschef. "Unsere Ingenieure und Reparaturteams haben schon während des Luftalarms mit der Arbeit begonnen", sagte Selenskyj. Er warb bei seinen Landsleuten zugleich um Geduld: Das Stromnetz werde repariert, aber "das braucht Zeit".

Kiew hat bei den westlichen Verbündeten um die Lieferung des hochentwickelten Patriot-Luftabwehrsystems gebeten. Diesem Wunsch stand die Nato lange sehr zögerlich gegenüber. Inzwischen wollen die USA laut Medienberichten aber doch eines dieser Raketensysteme an die ukrainischen Truppen liefern. Eine offizielle Bestätigung dafür steht aber noch aus.

In eisiger Kälte fanden derweil überall im Land Reparaturarbeiten statt. Der staatliche Energieversorger Ukrenergo erklärte am Samstag, das Energiesystem erhole sich weiter. Infolge des Beschusses hatte Ukrenergo Notabschaltungen des Stroms veranlasst.

Auch hatte der Versorger gewarnt, wegen des Ausmaßes der Schäden im Norden, Süden sowie im Zentrum des Landes könne es länger dauern als bei den vorherigen Angriffen, bis die Versorgung wiederhergestellt sei.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte am Samstag, dass die Wasserversorgung wieder instandgesetzt worden sei. Doch habe ein Drittel der Hauptstadtbewohner weiterhin keinen Strom, sagte er.

Im östlichen Charkiw, der zweitgrößten Stadt der Ukraine, sei die Stromversorgung wieder im Gang, teilte Regionalgouverneur Oleg Sinegubow mit. In der ebenfalls im Osten gelegenen Stadt Kramatorsk hingegen "ist die Versorgung mit Wasser und Heizung zum Erliegen gekommen", erklärte am Samstag der dortige Bürgermeister.

Russland greift seit Wochen regelmäßig die Energie-Infrastruktur der Ukraine an. Millionen Menschen sind deshalb bei Minusgraden ohne Strom und Heizung. "Alle ihre Ziele sind heute zivil", sagte Staatschef Selenskyj nach dem jüngsten Beschuss. "Die russischen Angriffe treffen vor allem Einrichtungen zur Energie- und Wärmeversorgung."

Russland erklärte derweil, am Freitag einen "massiven Angriff mit Hochpräzisionswaffen" gegen "Systeme der Militärführung, den militärischen und industriellen Komplex und die unterstützenden ukrainischen Energieanlagen" ausgeführt zu haben. Es sei "eine Lieferung von Waffen und Munition aus ausländischer Produktion verhindert" sowie ein Vorrücken von "Reserven" der ukrainischen Streitkräfte in die Kampfgebiete blockiert worden, teilte das russische Verteidigungsministerium mit.

Die EU setzte am Freitag neue Sanktionen gegen Russland in Kraft. Fast 200 weitere Institutionen und Verantwortliche wurden mit Vermögens- und Einreisesperren belegt. Auch wurden die Handelsbeschränkungen ausgeweitet und weitere Banken sanktioniert. Das russische Außenministerium erklärte dazu, die "restriktiven, einseitigen und illegitimen Maßnahmen" würden ihr Ziel nicht erreichen.

S.Keller--BTB