Berliner Tageblatt - Opfer von tödlichem Angriff auf Hilfskonvoi aus Gazastreifen gebracht

Börse
Euro STOXX 50 -1.29% 4921.02
TecDAX -1.18% 3295.36
MDAX -1.54% 26046.15
SDAX -1.5% 14047.9
DAX -1.34% 17788.08
Goldpreis 0% 2383 $
EUR/USD -0.04% 1.0622 $
Opfer von tödlichem Angriff auf Hilfskonvoi aus Gazastreifen gebracht
Opfer von tödlichem Angriff auf Hilfskonvoi aus Gazastreifen gebracht / Foto: © AFP

Opfer von tödlichem Angriff auf Hilfskonvoi aus Gazastreifen gebracht

Nach dem tödlichen Angriff der israelischen Armee auf einen Hilfskonvoi im Gazastreifen sind die Leichen von sechs Opfern aus dem Palästinensergebiet herausgebracht worden. Die sterblichen Überreste der getöteten Mitarbeiter der US-Hilfsorganisation World Central Kitchen (WCK) seien über den Grenzübergang Rafah nach Ägypten überführt und an Vertreter ihrer jeweiligen Heimatländer übergeben worden, hieß es am Mittwoch aus Sicherheitskreisen. Derweil wurde weiterhin scharfe internationale Kritik an Israels Regierung wegen des Vorfalls laut.

Textgröße:

Wie aus Sicherheitskreisen weiter verlautete, wurden die Leichen der sechs WCK-Mitarbeiter aus Australien, Großbritannien, Polen und Kanada nach dem Eintreffen in Ägypten mit Krankenwagen in die Hauptstadt Kairo gebracht. Ein Palästinenser, der als Fahrer und Übersetzer für die Hilfsorganisation gearbeitet hatte, wurde in Rafah beerdigt.

Die sieben humanitären Helfer waren am Montag bei einem israelischen Luftangriff auf ihren Konvoi getötet worden. Israels Armeechef Herzi Halevi räumte in einer am Mittwoch verbreiteten Videobotschaft einen "schweren Fehler" als Grund des Angriffs ein und sagte eine unabhängige Untersuchung des Vorfalls zu.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte am Dienstag von einem "tragischen Zwischenfall" gesprochen, bei dem das israelische Militär "unbeabsichtigt" unschuldige Menschen im Gazastreifen getroffen habe. Eine Entschuldigung für den Vorfall sprach er jedoch nicht aus.

Der Angriff und insbesondere Netanjahus Reaktion sorgten am Mittwoch weiter für internationale Kritik. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez sagte während eines Besuchs in Doha, seine Regierung warte "auf eine viel detailliertere Klärung der Ursachen". Netanjahus Äußerung nach dem tragischen Vorfall sei "absolut inakzeptabel" und "unzureichend" gewesen. Der Gründer der Hilfsorganisation WCK hat spanische Wurzeln.

Polen bestellte vor dem Hintergrund der Tötung eines polnischen Bürgers bei dem Luftangriff den israelischen Botschafter ein. Er wolle "über die neue Situation der polnisch-israelischen Beziehungen und über die moralische, politische und finanzielle Verantwortung des Vorfalls" sprechen, sagte Polens Vize-Außenminister Andrzej Szejna der staatlichen polnischen Nachrichtenagentur PAP. Zuvor hatte Polens Regierungschef Tusk erklärte, der "tragische Angriff" sowie die öffentliche Reaktion der israelischen Regierung stellten die Solidarität mit Israel "auf eine harte Probe".

US-Präsident Biden warf Israel vor, nicht genug für den Schutz humanitärer Helfer zu tun, die dringend benötigte Hilfe für die Bewohner des Gazastreifens leisteten. Es handele sich nicht um einen Einzelfall, rügte Biden.

Die getroffene Organisation WCK selbst hatte den Angriff auf seine Mitarbeiter als "gezielt" bezeichnet. Die Organisation habe die Fahrten ihrer Konvois stets im Voraus mit der israelischen Armee abgestimmt.

World Food Kitchen hatte seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen im Oktober Nahrungsmittelhilfe an die Bewohner des Palästinensergebiets verteilt und war maßgeblich an der Organisation von Hilfslieferungen auf dem Seeweg beteiligt. Nach dem Angriff vom Montag kündigte die Organisation die Einstellung ihrer Arbeit im Gazastreifen an.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin warnte am Mittwoch, der Vorfall berge die Gefahr, dass nun auch andere Hilfsorganisationen ihre Arbeit im Gazastreifen auf den Prüfstein stellen oder gar stoppen.

Am Freitag soll sich der UN-Menschenrechtsrat mit einem Resolutionsentwurf befassen, der ein Waffenembargo für Israel fordert. Der am Mittwoch von Pakistan im Namen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIZ) eingebrachte Text wird auch von Bolivien, Kuba und der palästinensischen Autonomiebehörde unterstützt.

Für eine absolute Mehrheit im UN-Menschenrechtsrat sind 24 Stimmen erforderlich, Beschlüsse können jedoch aufgrund von Enthaltungen auch mit weniger Stimmen angenommen werden. Israel wirft dem Rat seit Jahren vor, einseitig gegen das Land Partei zu ergreifen.

Der Krieg im Gazastreifen war durch den beispiellosen Großangriff der radikalislamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober ausgelöst worden. Dabei wurden nach israelischen Angaben rund 1160 Menschen getötet und rund 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.

Als Reaktion geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, bislang mindestens 32.975 Menschen getötet.

Laut Hamas-Angaben wurden in der Nacht zum Mittwoch mindestens 60 weitere Menschen bei israelischen Angriffen getötet. Die israelische Armee erklärte, sie habe bei Kämpfen und Luftangriffen nahe dem Al-Amal-Krankenhaus in Chan Junis im Süden des Gazastreifens "eine Anzahl von Terroristen gestellt und getötet". Zudem sei ein umfangreiches Waffenlager ausgehoben worden.

F.Müller--BTB