Berliner Tageblatt - Acht israelische Soldaten im Gazastreifen getötet - Neue Proteste gegen Netanjahu

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Acht israelische Soldaten im Gazastreifen getötet - Neue Proteste gegen Netanjahu
Acht israelische Soldaten im Gazastreifen getötet - Neue Proteste gegen Netanjahu / Foto: © Israeli Army/AFP

Acht israelische Soldaten im Gazastreifen getötet - Neue Proteste gegen Netanjahu

Bei einem Einsatz im Gazastreifen sind nach Angaben der israelischen Armee acht Soldaten getötet worden. Der Vorfall habe sich im Süden des Palästinensergebiets in der Region Rafah ereignet, teilte die Armee am Samstag mit. Der Tod der Soldaten überschattete auch eine Demonstration in Tel Aviv, bei der tausende Menschen erneut gegen Regierungschef Benjamin Netanjahu und seine Gaza-Politik protestierten.

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Die acht Soldaten starben laut Armeeangaben, als ihr gepanzertes Fahrzeug in der Nähe von Rafah explodierte, wo heftig gekämpft wird. Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur AFP aus der Stadt, es gebe regelrechte Straßenkämpfe zwischen israelischen Soldaten und radikalen Palästinensern. Israels massives Vorgehen in Rafah, in die unzählige Palästinenser aus anderen Regionen des Gazastreifens geflüchtet waren, wird international stark kritisiert.

Zu der Tötung der acht Soldaten sagte Militärsprecher Daniel Hagari in einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz, dass die Explosion "offenbar von einem in der Gegend platzierten Sprengsatz oder von einer Panzerabwehrrakete" verursacht worden sei. Die Familien der acht Getöteten seien informiert worden.

Es ist eine der höchsten Opferzahlen an einem einzigen Tag für die israelischen Truppen seit Beginn des Krieges gegen die radikalislamische Hamas. Seit dem Einmarsch israelischer Bodentruppen in den Gazastreifen am 27. Oktober wurden offiziellen Angaben zufolge 306 israelische Soldaten getötet.

"Unsere Herzen sind angesichts dieses schrecklichen Verlustes zerrissen", erklärte Regierungschef Netanjahu zum Tod der acht Soldaten. "Trotz des schweren und beunruhigenden Preises müssen wir aber an den Zielen des Krieges festhalten." Netanjahu will die israelischen Truppen erst aus dem Gazastreifen zurückziehen, wenn die Hamas komplett zerstört ist.

Dieses Vorgehen zweifeln in Israel aber immer mehr Menschen an. Am Samstag demonstrierten erneut tausende Menschen gegen Netanjahu und seine Gaza-Politik. Sie forderten in Tel Aviv Neuwahlen, stärkere Anstrengungen für die Freilassung der von der Hamas entführten Geiseln sowie ein Ende des Militäreinsatzes im Gazastreifen.

"Jeder Soldat, der stirbt, ist wie ein Familienmitglied, das stirbt. Wir empfinden es als einen kollektiven Verlust", sagte Graciela Barchilon der Nachrichtenagentur AFP mit Blick auf den Tod der acht Soldaten. "Ich fühle eine Menge Wut und Enttäuschung. Ich glaube, dass diese Regierung nicht funktioniert und wir jetzt Neuwahlen haben müssen", fügte die 68-jährige Demonstrantin hinzu.

Die israelische Armee lieferte sich am Samstag zudem neue Gefechte mit der libanesischen Hisbollah-Miliz. Dabei griff die Hisbollah über die Grenze hinweg nach eigenen Angaben unter anderem den israelischen Militärstützpunkt Meron mit "Lenkraketen" an und feuerte "Angriffsdrohnen" auf einen weiteren israelischen Stützpunkt ab. Die israelische Armee bestätigte den Abschuss von "zwei Projektilen" auf die Militäranlage in Meron, die weder Opfer noch Schäden verursacht habe.

Seit dem Beginn des Krieges im Gazastreifen vor mehr als acht Monaten liefert sich die Hisbollah regelmäßig Feuergefechte mit der israelischen Armee, um die mit ihr verbündete islamistische Hamas zu unterstützen. Die Hisbollah hat ihre Angriffe seit der Tötung eines hochrangigen Hisbollah-Kommandeurs am Dienstag nochmals verstärkt.

Der Gaza-Krieg war durch den Großangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober ausgelöst worden, bei dem islamistische Kämpfer laut israelischen Angaben 1194 Menschen getötet und 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt hatten.

Als Reaktion geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die nicht unabhängig überprüft werden können, wurden dabei bislang mehr als 37.290 Menschen getötet.

M.Furrer--BTB