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Gouverneur rechnet mit baldiger Einnahme von Sjewjerodonezk durch russische Truppen
Angesichts des Vormarschs Russlands im Donbass setzt die Ukraine auf weitere Waffenlieferungen aus den USA. Neue Mehrfachraketenwerfer sollen die ukrainische Armee im Kampf gegen die russischen Truppen stärken, die offenbar kurz vor der Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Sjewjerodonezk stehen. "Die Russen kontrollieren 70 Prozent von Sjewjerodonezk", sagte Regionalgouverneur Serhij Gajdaj am Mittwoch. Der Kreml verurteilte die angekündigte US-Militärhilfe und warf Washington vor, "Öl ins Feuer zu gießen".
Während die russischen Truppen nach Angaben Gajdajs ihre Stellungen im Zentrum von Sjewjerodonezk festigten, zogen sich die ukrainischen Soldaten weiter zurück. "Wenn die Russen in zwei bis drei Tagen Sjewjerodonezk unter ihre Kontrolle bringen, werden sie dort Artillerie und Mörser aufstellen und Lyssytschansk stärker bombardieren", schrieb der Gouverneur von Luhansk im Onlinedienst Telegram.
Die durch einen Fluss getrennten Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk sind die letzten in der Region Luhansk, die zumindest teilweise noch von der Ukraine kontrolliert werden. Lyssytschansk ist nach Einschätzung Gajdajs schwerer einzunehmen, da die Stadt auf einer Anhöhe liegt.
Nach Angaben des Gouverneurs war bei einem russischen Angriff am Dienstag auch ein Tank mit Salpetersäure in einer Chemiefabrik von Sjewjerodonezk getroffen worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verurteilte die "blinden" Angriffe der russischen Armee auf die Stadt und insbesondere die Attacke auf die Chemiefabrik als "schlichtweg verrückt".
In der westlich von Sjewjerodonezk gelegenen Stadt Slowjansk sahen AFP-Journalisten mehrere durch Raketen zerstörte Gebäude. Mindestens drei Menschen wurden bei den Angriffen getötet. Ein weiteres Todesopfer gab es bei einem Angriff in der Stadt Soledar, die zwischen Sjewjerodonezk und Slowjansk liegt.
Die ukrainische Armee hofft nun auf eine schnelle Lieferung der neuen Mehrfachraketenwerfer aus den USA. Die Regierung in Washington hatte am Dienstagabend angekündigt, dass die Ukraine das System Himars mit Munition mit einer Reichweite von 80 Kilometern erhalten soll.
Der Kreml verurteilte die angekündigten Waffenlieferungen der USA an die Ukraine. Washington gieße damit "absichtlich Öl ins Feuer", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau. "Solche Lieferungen ermutigen die ukrainische Führung nicht, die Friedensverhandlungen wieder aufnehmen zu wollen."
Russlands Vize-Außenminister Sergej Rjabkow warnte zudem vor einer direkten militärischen Konfrontation zwischen den USA und Russland. Durch jede Waffenlieferung erhöhe sich das "Risiko einer solchen Entwicklung", sagte er der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.
US-Präsident Joe Biden hatte zuvor in einem Gasbeitrag für die "New York Times" geschrieben, die neuen Raketenwerfer würden es der ukrainischen Armee ermöglichen, "wichtige Ziele auf dem Schlachtfeld in der Ukraine präziser zu treffen". Er betonte allerdings: "Wir ermutigen oder ermöglichen der Ukraine nicht, jenseits ihrer Grenzen zuzuschlagen."
"Wir wollen keinen Krieg zwischen der Nato und Russland", schrieb Biden weiter. Die USA strebe auch nicht den Sturz von Kreml-Chef Wladimir Putin an.
Das auf Fahrzeugen montierte Himars-System kann mehrere Lenkraketen gleichzeitig abfeuern. Sowohl die Ukraine als auch Russland verfügen bereits über ähnliche Waffen, aber das US-System hat eine höhere Reichweite und Präzision. Mit der richtigen Munition kann es 300 Kilometer weit feuern. Wie der Regierungsvertreter betonte, wollen die USA der Ukraine jedoch keine Munition mit solch großer Reichweite liefern. Die neuen Raketenwerfer sind Teil eines weiteren militärischen Hilfspakets für die Ukraine im Gesamtwert von 700 Millionen Dollar (650 Millionen Euro).
Auch aus Deutschland erhält die Ukraine in den kommenden Wochen weitere Unterstützung. Die Bundesregierung habe entschieden, dass die Ukraine das Luftverteidigungssystem Iris-T erhalten solle, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Mittwoch im Bundestag. "Damit versetzen wir die Ukraine in die Lage, eine ganze Großstadt vor russischen Luftangriffen zu schützen." Darüber hinaus werde Deutschland der Ukraine "ein hochmodernes Ortungsradar liefern", sagte Scholz.
I.Meyer--BTB