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Bericht: Zahl der Opfer häuslicher Gewalt hat deutlich zugenommen
Die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt in Deutschland hat laut einem Bericht der "Welt am Sonntag" im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Die Zeitung beruft sich auf Recherchen bei den Innenministerien und Landeskriminalämtern der 16 Bundesländer. Demnach wurden 2024 bundesweit mehr als 266.000 Opfer häuslicher Gewalt von der Polizei registriert, etwa vier Prozent mehr als im Vorjahr.
Als Täter wurden demnach Partner, Ex-Partner und Familienangehörige erfasst. Zwei Drittel der Opfer seien Frauen. Ausgegangen werde zudem von einer hohen Dunkelziffer, weil sich viele Betroffene nicht trauen, Anzeige zu erstatten. Offiziell sollen die Zahlen dem Bericht zufolge voraussichtlich im Sommer im Rahmen des Lagebilds "Häusliche Gewalt 2024" des Bundeskriminalamts (BKA) vorgestellt werden.
Den stärksten Zuwachs im Jahresvergleich verzeichnete demnach Niedersachsen mit einem Anstieg um 12,3 Prozent. Aus Schleswig-Holstein wurden plus 8,8 Prozent gemeldet, aus Baden-Württemberg plus 8,7 Prozent. Rückgänge zwischen 1,6 und 3,7 Prozent gab es demnach in Bremen, im Saarland und in Mecklenburg-Vorpommern.
"Die steigende Zahl der Fälle häuslicher Gewalt treibt mich massiv um", sagte Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens (SPD) dazu der Zeitung. "Gewalt in den eigenen vier Wänden ist keine Privatsache – es sind Straftaten, gegen die der Staat entschieden vorgehen muss", stellte sie klar.
"Wir müssen als Gesellschaft hinschauen und handeln. Denn nur gemeinsam können wir dem Tabu-Thema begegnen und die Stigmatisierung von Opfern beenden", sagte Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) der "WamS". Hessen und Sachsen setzen gegen häusliche Gewalt elektronische Fußfesseln für Täter ein, Niedersachsen und weitere Bundesländer bereiten dafür Regelungen vor.
Vorbild ist dem Bericht zufolge Spanien: Dort müssen Gewalttäter eine Fußfessel tragen. Mithilfe von GPS-Empfängern, die der Täter und auch die bedrohte Person mit sich führen, wird die geografische Distanz überwacht. Kommt der Täter dem möglichen Opfer zu nahe, wird ein Alarm ausgelöst, der die Polizei informiert. In Deutschland wird inzwischen auch auf Bundesebene über eine solche Regelung beraten.
Elke Ronneberger, Vorständin Sozialpolitik bei der Diakonie, bezeichnet den erneuten Anstieg von häuslicher Gewalt als "erschreckend". Zum Einsatz von elektronischen Fußfesseln äußerte sie sich allerdings in der "WamS" skeptisch. Im Einzelfall könne diese zwar "als ergänzende Maßnahme" sinnvoll sein, aber sie wirke erst zu einem "sehr späten Zeitpunkt". Wichtiger sei ein besser ausgebautes Hilfesystem mit Frauenhäusern und Fachberatungsstellen.
"Es braucht neben Frauenhäusern und Beratungsstellen vor allem einen gesellschaftlichen Konsens, dass Gewalt in Paarbeziehungen kein Kavaliersdelikt ist", sagte zudem die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, Eva Maria Welskop-Deffaa, der Zeitung.
C.Meier--BTB