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Israel setzt Angriffe auf Stadt Gaza fort und ruft zu Evakuierung auf
Die israelische Armee hat ihre Angriffe im Gazastreifen am Wochenende unvermindert fortgesetzt und die Einwohner der Stadt Gaza ultimativ zur Flucht aufgefordert. Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte am Sonntag zu Beginn einer Kabinettssitzung, die Soldaten intensivierten "das Vorgehen am Stadtrand und in Gaza selbst". Am Samstag hatte die Armee alle Bewohner von Gaza aufgefordert, sich "unverzüglich" in ein zur "humanitären Zone" erklärtes Gebiet im Süden des Gazastreifens zu begeben.
Israel sei dabei, "terroristische Infrastruktur zu zerstören und identifizierte Terrortürme niederzureißen", sagte Netanjahu am Sonntag vor seinen Ministern offenbar mit Blick auf mehrere angegriffene Hochhäuser in Gaza. Israel kontrolliert nach eigenen Angaben bereits rund 40 Prozent des Gebietes der Stadt.
Am Samstag hatte die israelische Armee mit einem Luftangriff ein 15-stöckiges Hochhaus in Gaza zerstört. Zuvor hatte der für die Kommunikation auf Arabisch zuständige Militärsprecher Avichay Adraee den Luftangriff in mehreren Onlinediensten angekündigt und die Bewohner des Stadtteils Al-Rimal im Südwesten der Stadt zur Evakuierung aufgefordert. Die israelische Armee erklärte, "Hamas-Terroristen" hätten in dem Gebäude Technik und Beobachtungsposten installiert, "um die israelischen Truppen zu überwachen".
Die israelische Armee hatte bereits am Freitag ein Hochhaus in Gaza zerstört. Vor dem Angriff hatte die Armee erklärt, dass "bedeutende terroristische Aktivitäten der Hamas" in der Stadt und "insbesondere in Hochhäusern identifiziert" worden seien.
In einer getrennten Evakuierungsaufforderung für die gesamte Stadt Gaza schrieb Armeesprecher Adraee auf arabisch, diese richte sich "an die Bewohner der Stadt Gaza und alle, die sich dort aufhalten". Sie sollten sich in die "humanitären Zone" Al-Mawasi im Süden des Gazastreifens begeben.
In einer englischsprachigen Mitteilung erklärte die Armee zudem, in Al-Mawasi sei "grundlegende humanitäre Infrastruktur" vorhanden, darunter "Feldlazarette, Wasserleitungen und Entsalzungsanlagen sowie die kontinuierliche Versorgung mit Nahrungsmitteln, Zelten, Medikamenten und medizinischer Ausrüstung". Der humanitäre Einsatz in der Zone werde zusammen mit der UNO und internationalen Organisationen "permanent fortgesetzt", parallel zur Ausweitung des Militäreinsatzes am Boden.
Israel hatte Al-Mawasi bereits zu Beginn des Krieges, der durch den Großangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden war, zur sicheren Zone erklärt. Ungeachtet dessen führte die Armee seitdem zahlreiche Luftangriffe in dem Gebiet aus. Die Armee erklärte zur Begründung, sie ziele auf Hamas-Kämpfer, die sich zwischen den Zivilisten versteckten.
Nach UN-Schätzungen halten sich in Gaza und Umgebung noch rund eine Million Menschen auf. Dutzende Palästinenser, die AFP in den vergangenen Wochen in der Stadt Gaza interviewte, sagten, es gebe im Gazastreifen "keinen sicheren Platz". Viele erklärten, sie würden lieber sterben, als ein weiteres Mal vertrieben zu werden.
Die Hamas und ihre Verbündeten hatten mit ihrem Überfall auf Israel den Krieg ausgelöst. Bei dem Großangriff wurden nach israelischen Angaben mehr als 1200 Menschen getötet. 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Noch immer werden 47 Menschen von der Hamas festgehalten, 25 von ihnen sind nach israelischen Angaben bereits tot.
Als Reaktion auf den Hamas-Überfall geht Israel massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden, die nicht unabhängig überprüft werden können, bislang mehr als 64.300 Menschen getötet.
Unterdessen wurde das israelische Staatsgebiet erneut aus dem Gazastreifen und aus dem Jemen unter Beschuss genommen. Die islamistische Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad, die mit der im Gazastreifen herrschenden Hamas verbündet ist, reklamierte einen der Angriffe für sich.
Infolge eines Angriffs mit mehreren Drohnen aus dem Jemen wurde im Süden Israels ein Mann verletzt. Der 63-Jährige sei am Flughafen Ramon nahe der am Roten Meer gelegenen Hafenstadt Eilat durch Trümmerteile "leicht verletzt worden", erklärte der israelische Rettungsdienst Magen David Adom.
Die in weiten Teilen Jemens regierende pro-iranische Huthi-Miliz hatte zuvor Vergeltung für die Ende August erfolgte Tötung des von ihr ernannten Regierungschefs angekündigt. Danach hatten die Islamisten Israel bereits mit mehreren ballistischen Raketen und Drohnen angegriffen.
Die israelische Regierung äußerte am Wochenende erneut scharfe Kritik an der geplanten Anerkennung eines Palästinenserstaats durch mehrere westliche Staaten während der am 23. September beginnenden UN-Generaldebatte. Außenminister Gideon Saar bezeichnete den unter anderem von Frankreich und Kanada angekündigten Schritt als "enormen Fehler". Eine Anerkennung "würde das Erreichen von Frieden weiter erschweren", sagte Saar am Sonntag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem dänischen Amtskollegen Lars Lökke Rasmussen und fügte an, diese würde "Israel dazu drängen, ebenfalls unilaterale Schritte zu unternehmen".
L.Janezki--BTB