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Iran: Trump rechnet mit vierwöchigem Militäreinsatz und weiteren US-Opfern
Kein baldiges Ende in Aussicht: US-Präsident Donald Trump geht nach eigenen Worten von einem rund vierwöchigen Militäreinsatz gegen den Iran aus. Der Iran sei ein "großes Land", daher werde der Einsatz "vier Wochen dauern - oder weniger", sagte Trump am Sonntag der britischen Zeitung "Daily Mail". Die pro-iranische Hisbollah-Miliz griff derweil aus dem Libanon Ziele in Israel an. Die israelische Armee reagierte mit Angriffen auf Hisbollah-Ziele im nördlichen Nachbarland.
In einer Videobotschaft forderte Trump die iranischen Streitkräfte und die Polizei erneut auf, die Waffen niederzulegen und sich zu ergeben. Anderenfalls drohe ihnen "der sichere Tod". "Es wird nicht schön", warnte er. Nach dem Tod von drei US-Militärangehörigen drohte Trump zudem mit "Rache" und warnte, es werde "wahrscheinlich" weitere Todesopfer in den Reihen der US-Armee geben.
Die USA und Israel hatten am Samstagmorgen nach wochenlangen Drohungen mit massiven Luftangriffen auf den Iran begonnen. Das iranische Staatsfernsehen bestätigte am Sonntag den Tod des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei. Mit dem 86-Jährigen wurden israelischen Angaben zufolge insgesamt 40 ranghohe Vertreter der iranischen Führung getötet, US-Präsident Trump sprach von 48 getöteten Mitgliedern der iranischen Führungsspitze.
Iranischen Medien zufolge sind unter den Toten der Generalstabschef der iranischen Streitkräfte, Abdolrahim Mussawi, der Anführer der Revolutionsgarden, Mohammed Pakpur, und der Vorsitzende des Nationalen Verteidigungsrates, Ali Schamchani. Ebenfalls getötet wurden demnach Verteidigungsminister Asis Nasirsadeh und Polizeigeheimdienstchef Gholamresa Resaian sowie Chameneis Tochter, deren Ehemann und Tochter.
Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte am Sonntag eine Verstärkung der Angriffe auf den Iran angekündigt. Am Montag erklärte die israelische Armee, die Luftwaffe des Landes habe "eine weitere Welle von Angriffen" in Teheran begonnen. Die israelische Armee kündigte zudem die Mobilisierung von fast 100.000 Reservisten an.
Die US-Armee zerstörte derweil nach eigenen Angaben das Hauptquartier der iranischen Revolutionsgarden. Die israelische Armee meldete einen "schweren Schlag" gegen "dutzende" militärische Kommando- und Kontrollzentren des Iran. Zudem habe es mehr als 30 israelische Angriffe auf iranische Luftverteidigungs- und Raketenstellungen gegeben.
Auch in Israel kam es zu Angriffen. Bei einem iranischen Raketenangriff auf den Großraum Jerusalem wurden nach Angaben des israelischen Rettungsdienstes mindestens drei Menschen verletzt.
Zugleich griff die pro-iranische Hisbollah Israel aus dem Libanon an. Die Miliz erklärte, Raketen und Drohnen auf Israel abgefeuert zu haben. Die israelische Armee erklärte, ein aus dem Libanon abgefeuertes Geschoss abgefangen zu haben. Der libanesische Regierungschef Nawaf Salam bezeichnete die Angriffe aus dem Süden des Landes auf Israel als "unverantwortliche und verdächtige Handlung, die die Sicherheit und Stabilität des Libanon gefährdet".
Die israelische Armee erklärte daraufhin, Ziele der Hisbollah "überall im Libanon" anzugreifen. In Beirut waren laute Explosionen zu hören, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Libanesische Staatsmedien berichteten von Angriffen auf die südlichen Stadtteile der Hauptstadt des Landes.
Wie bereits am Samstag verübte der Iran auch am Sonntag erneut Vergeltungsangriffe auf US-Militärstützpunkte in der Golfregion. In Kuwait starb nach Behördenangaben mindestens ein Mensch, in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden seit Samstag drei Menschen durch iranische Geschosse getötet. Die Golfstaaten kündigten in einer gemeinsamen Erklärung Gegenmaßnahmen an, "einschließlich der Option, auf die Aggression zu antworten". Die Vereinigten Arabischen Emirate schlossen aus Protest gegen die iranischen Angriffe ihre Botschaft in Teheran.
Das US-Außenministerium bezeichnete die Angriffe auf die Golfstaaten in einer gemeinsamen Erklärung mit Bahrain, Jordanien, Kuwait, Katar, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten als "rücksichtsloses und destabilisierendes Verhalten".
Der britische Premierminister Keir Starmer erklärte derweil, Großbritannien erlaube den USA die Nutzung britischer Stützpunkte für "defensive" Angriffe zur Zerstörung iranischer Raketen und Raketen-Abschussrampen. Zuvor hatten Deutschland, Frankreich und Großbritannien in einer gemeinsamen Erklärung das "Ermöglichen verhältnismäßiger militärischer Defensivmaßnahmen" nicht ausgeschlossen, um die Fähigkeiten des Iran zum Abfeuern von Raketen und Drohnen "an der Quelle zu zerstören".
Das britische Verteidigungsministerium meldete einen mutmaßlichen Drohnenangriff auf einen Armeestützpunkt auf Zypern. Zunächst gab es keine Berichte über Verletzte. Zuvor hatte die Bundeswehr bereits den Beschuss von Bundeswehr-Stützpunkten im Irak und in Jordanien gemeldet.
Für die Übergangsphase im Iran wurde ein dreiköpfiges Führungsgremium bestimmt, das laut Staatsmedien noch am Sonntag die Arbeit aufnahm. Ihm gehören neben Präsident Massud Peseschkian auch Ayatollah Aliresa Arafi und Justizchef Gholamhossein Mohseni Edschei an. Präsident Peseschkian bezeichnete die Tötung Chameneis als "offene Kriegserklärung an die Muslime". Der einflussreiche Sicherheitsratschef Ali Laridschani drohte mit beispiellosen Angriffen auf Israel und die US-Armee.
Über fast vier Jahrzehnte hatte Chamenei die Islamische Republik und das schiitische Mullah-System verkörpert. Sein harter, extrem konservativer Kurs zeigte sich zuletzt bei der blutigen Niederschlagung der Massenproteste im Januar. Mehrere tausend Menschen wurden dabei nach Einschätzung von Menschenrechtsorganisationen getötet.
Chameneis Gegner feierten die Nachricht von dessen Tod. In Teheran waren am späten Samstagabend Freudenschreie und Applaus zu hören, wie Zeugen berichteten. Am Sonntag demonstrierten in Teheran aber auch tausende Anhänger der iranischen Führung und riefen "Tod den USA" und "Tod Israel".
Trump bezeichnete Chameneis Tod als "Gerechtigkeit" für alle bezeichnet, "die von Chamenei und seiner Bande blutrünstiger Gangster getötet oder verstümmelt wurden". Später erklärte der US-Präsident, er sei bereit, mit der neuen Führung in Teheran zu sprechen.
Angesichts der Eskalation im Nahen Osten und dem Erliegen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus stiegen die Ölpreise stark an. An den Börsen in Asien schoss der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Sorte Brent um etwa 13 Prozent auf etwas unter 79 Dollar (67 Euro). Am Freitag hatte der Schlusskurs bei 72,8 Dollar gelegen.
R.Adler--BTB