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Vor Ablauf von Trumps Ultimatum: Weitere heftige Angriffe im Iran-Krieg
Im Iran-Krieg haben die Konfliktparteien vor dem Ablauf des Ultimatums von US-Präsident Donald Trump für die Öffnung der Straße von Hormus weitere heftige Angriffe ausgeführt. In Teheran waren am Dienstag laute Explosionen zu hören, iranische Staatsmedien schrieben von 18 Toten nahe der Hauptstadt. Die israelische Armee fing nach eigenen Angaben erneut Raketen aus dem Iran ab. In Saudi-Arabien löste ein nächtlicher Angriff einen Brand in einer bedeutenden Erdöl-Industrieanlage aus.
Aus Teheran berichtete ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP von mehreren Explosionen im Norden der Hauptstadt. Iranischen Medien zufolge waren Detonationen in mehreren Hauptstadtvierteln und in der Nachbarstadt Karadsch zu hören. Iranische Staatsmedien berichteten von 18 Toten in der an Teheran angrenzenden Provinz Albors. AFP kann Behördenangaben zu Opferzahlen aufgrund der Einschränkungen journalistischer Arbeit vor Ort nicht unabhängig prüfen.
Iranische Medien berichteten zudem, in Teheran sei bei US-israelischen Angriffen eine Synagoge "komplett zerstört" worden. Die Zeitung "Schargh" schrieb von "einem der wichtigsten Versammlungsorte" für die Juden der Region. Im Iran leben nach der massenhaften Flucht jüdischer Bürger infolge der islamischen Revolution von 1979 nur noch wenige Tausend Juden. In Teheran und weiteren Städten gibt es noch mehrere Synagogen.
US-Präsident Donald Trump hatte der Führung in Teheran am Montag bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus mit massiven Angriffen auf die Infrastruktur des Landes gedroht. Die israelische Armee hatte zudem in der Nacht zum Dienstag eine erneute Angriffswelle auf Teheran bekanntgegeben. Diese richte sich gegen "Infrastruktur des iranischen Terror-Regimes in Teheran und in zusätzlichen Gebieten im Iran", erklärten die Streitkräfte.
Ins Visier genommen wurde offenbar verstärkt die Infrastruktur. Laut iranischen Staatsmedien wurde die Insel Charg angegriffen. Sie liegt vor der Westküste des Iran und ist ein bedeutender Terminal für Ölexporte aus dem Land.
Nahe der Provinzhauptstadt Ghom südlich von Teheran wurde laut dem stellvertretenden Gouverneur Mortesa Hejdari eine Brücke bei einem Angriff zerstört. Bei einem Angriff auf eine Eisenbahnbrücke im zentraliranischen Kaschan wurden nach Angaben eines Mitarbeiters der Regionalregierung zwei Menschen getötet und drei weitere verletzt.
Im Norden des Iran wurde laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Irna eine Autobahn rund 90 Kilometer von der Großstadt Täbris entfernt getroffen, den iranischen Revolutionsgarden zufolge traf ein Geschoss eine Brücke.
Die israelische Armee hatte die Bürger des Iran davor gewarnt, am Dienstag mit dem Zug zu reisen. Bis 21 Uhr seien Zugfahrten sowie der Aufenthalt in der Nähe von Gleisanlagen lebensgefährlich, erklärten die Streitkräfte im Onlinedienst X. In Isfahan, der zweitgrößten Stadt des Landes, setzten die Behörden daraufhin den Zugverkehr aus.
Aus Israel wurden unterdessen erneut iranische Angriffe gemeldet. Die Luftabwehr fing nach Armeeangaben am Dienstag Raketenangriffe aus dem Iran ab.
Auch die Kurdenregion im Nordirak wurde erneut aus dem Iran attackiert. Bei einem Drohnenangriff auf ein Wohnhaus wurde nach Behördenangaben ein Paar getötet. Ein AFP-Journalist berichtete zudem von Explosionen am Flughafen in Erbil, der Hauptstadt der Autonomieregion. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen fing die Luftabwehr vier Raketen ab, die gegen das US-Konsulat in Erbil gerichtet gewesen seien.
In Saudi-Arabien wurde derweil eines der größten Industriegebiete der Welt attackiert. In den Industrieanlagen des Konzerns Saudi Basic Industries Corporation (Sabic) im ostsaudiarabischen Dschubail brach laut Augenzeugenberichten nach "sehr starken Detonationen" ein Brand aus. Im Industriegebiet von Dschubail befinden sich neben Stahlwerken und Erdölraffinerien auch Fabriken für weitere Erdölprodukte, Schmieröl und Kunstdünger. Das saudiarabische Verteidigungsministerium hatte zuvor erklärt, die Armee habe sieben ballistische Raketen abgefangen, die sich gegen den Osten des Landes gerichtet hätten.
In der Nacht zum Mittwoch sollte ein Ultimatum von US-Präsident Trump für die Öffnung der seit Wochen vom Iran weitgehend blockierten Straße von Hormus auslaufen. Trump hatte die Frist mehrfach verschoben, derzeit ist sie offenbar auf Mittwochnacht 02.00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit festgelegt. Trump hatte der iranischen Führung am Montag mit massiven Angriffen auf die Infrastruktur gedroht, sollte sie die Meerenge bis dahin nicht für den Schiffsverkehr freigeben.
Der Iran-Krieg hatte am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf die Islamische Republik begonnen. Bei den Angriffen wurde unter anderem der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei getötet. Teheran reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region.
Das Golfemirat Katar, das bis Kriegsbeginn enge Beziehungen sowohl zum Iran als auch zu den USA unterhielt, warnte vor einer "unkontrollierbaren Lage", sollte der Konflikt weiter eskalieren.
Am Dienstagnachmittag mitteleuropäischer Zeit sollte nach Angaben aus Diplomatenkreisen der UN-Sicherheitsrat über einen Antrag der Golfstaaten beraten, mit dem der Einsatz von "defensiver Gewalt" zur Freigabe der Straße von Hormus genehmigt werden soll.
M.Ouellet--BTB