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Kolumbiens neuer Präsident Petro bittet um internationale Hilfe bei Regenwald-Schutz
Kolumbiens erster linksgerichteter Präsident Gustavo Petro hat in der ersten Rede nach seiner Vereidigung um internationale Hilfe zum Schutz des Amazonas-Regenwalds gebeten. "Wir können die gesamte Bevölkerung des kolumbianischen Amazonasgebiets zu Waldschützern machen, aber wir brauchen Finanzhilfe aus der ganzen Welt, um das zu tun", sagte Petro am Sonntagabend (Ortszeit) in seiner Antrittsrede in der Hauptstadt Bogotá. Zudem forderte er eine Kehrtwende in der internationalen Drogenpolitik.
Um die "Lunge des Planeten" zu schützen, brachte Petro einen internationalen Fonds zum Schutz des Regenwalds in Spiel. Die internationale Gemeinschaft könne zudem die Auslandsschulden seines Landes verringern, um Aktionen zum Schutz und zur Wiederaufforstung der Regenwälder zu finanzieren, sagte Petro. Wenn der Internationale Währungsfonds helfe, "die Schulden in konkrete Aktionen gegen den Klimawandel umzuwandeln, schaffen wir eine neue blühende Wirtschaft und ein neues Leben für die Menschheit", sagte Petro.
Bewaffnete Gruppen im Land forderte Petro auf, "Frieden zu schließen" und bot ihnen "rechtliche Vorteile" an, wenn sie die Waffen niederlegen. Die Regierung unter Petros Vorgänger Juan Manuel Santos und die linksgerichtete Farc-Guerilla hatten Ende 2016 nach einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg ein Friedensabkommen geschlossen, doch die bewaffneten Konflikte dauern an. Die letzte im Land anerkannte Rebellengruppe ELN hatte sich bereits zu Verhandlungen mit Petro bereit erklärt.
Die internationale Drogenpolitik der vergangenen Jahrzehnte bezeichnete Petro in seiner Rede als gescheitert. In vierzig Jahren Drogenbekämpfung seien "eine Million Lateinamerikaner" getötet worden, 70.000 Nordamerikaner seien "jedes Jahr an einer Überdosis" gestorben. Er forderte eine internationale Konvention, die dieses Scheitern akzeptiert und stattdessen auf Konsumprävention in den Industrieländern setzt.
Petros Reformpläne umfassen zudem höhere Steuern für Vermögende, ein Notprogramm gegen den Hunger sowie die Abkehr von Öl und Gas und die Förderung erneuerbarer Energien. Unterstützt wird er von einer linksgerichteten Mehrheit im Parlament. Zu Petros schwersten Aufgaben wird es gehören, Geschäftsleuten, Großgrundbesitzern und dem Militär die Angst vor einer linken Regierung zu nehmen.
Petro hatte im Juni die Stichwahl um das kolumbianische Präsidentenamt gegen den Millionär Rodolfo Hernández gewonnen und tritt die Nachfolge des unbeliebten Konservativen Iván Duque an.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gratuliert Petro zu seinem Amtsantritt, lobte den "Fortgang des kolumbianischen Friedensprozesses" und bot Deutschlands Unterstützung beim "mühevollen Weg zum Frieden" und im Bereich Naturschutz an.
Petro starte aus einer "beneidenswerten Position" mit einer großen Mehrheit im Kongress und einer Unterstützung im Volk, wie sie keine Regierung in den vergangenen Jahren gehabt habe, sagte der Analyst Jorge Restrepo vom Zentrum für Konfliktanalyse (Cerac) der Nachrichtenagentur AFP. Auch die Ernennung von Petros Vizepräsidentin ist historisch: Die 40-jährige Umweltaktivistin und Feministin Francia Márquez ist die erste schwarze Frau in diesem Amt.
Der 62-jährige Petro selbst hatte sich in jungen Jahren der Rebellengruppe M-19 angeschlossen, später saß er fast zwei Jahre im Gefängnis. Nach seiner Abkehr vom bewaffneten Kampf war er unter anderem Diplomat in Belgien und Bürgermeister von Bogotá.
J.Fankhauser--BTB