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Kämpfe in Mali: Armee gibt Stellungen in Region Gao auf - Junta-Chef trifft russischen Botschafter
Drei Tage nach Beginn der landesweiten Angriffe von Rebellen und Dschihadisten im westafrikanischen Krisenstaat Mali mit dutzenden Toten hat die Armee weitere Stellungen aufgegeben. In der Region Gao nahe der Grenze zum Nachbarland Niger seien die Truppen von einigen Stellungen abgezogen worden, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Dienstag von einem örtlichen Abgeordneten. Russland, das mit seiner paramilitärischen Einheit Afrikakorps die Militärregierung in Mali unterstützt, bezeichnete die Lage als "schwierig". Junta-Chef Assimi Goita kam derweil nach Angaben seines Büros mit dem russischen Botschafter zusammen.
Die Region Gao gilt als zweitwichtigste Hochburg der regierenden Militärjunta in Mali. Auch deutsche Soldaten der Bundeswehr waren während ihres Mali-Einsatzes im Rahmen der UN-Mission Minusma bis 2023 in Gao stationiert.
Dschihadisten und Tuareg-Rebellen hatten am Wochenende landesweit Angriffe auf Positionen der herrschenden Militärjunta ausgeführt und dabei die Kontrolle über die wichtige Stadt Kidal im Norden des Landes übernommen. Die Garnisonsstadt Kati war ebenfalls zum Schauplatz heftiger Kämpfe geworden. Die Tuareg-Rebellengruppe FLA und die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündete Gruppe zur Unterstützung des Islam und der Muslime (JNIM) bekannten sich zu den Angriffen.
Durch die koordinierten Attacken befindet sich die Militärregierung des Landes in einer beispiellos geschwächten Lage: Nach Angaben der JNIM wurden bei Angriffen in Kati die Wohnhäuser von Junta-Chef Goita und Verteidigungsminister Sadio Camara angegriffen. Camara, der als maßgeblicher Architekt der malischen Annäherung an Russland gilt, wurde bei den Angriffen getötet.
Goita war nach Beginn der Kämpfe zunächst mehrere Tage nicht öffentlich in Erscheinung getreten, was Spekulationen über seinen Verbleib angeheizt hatte. Am Dienstag veröffentlichte Goitas Büro jedoch ein Foto des malischen Junta-Chefs mit dem russischen Botschafter. Laut einer Erklärung des malischen Präsidialamts sprachen beide Seiten die aktuelle Lage im Land.
Bei den Angriffen auf Kati seien am Wochenende mindestens 23 Menschen getötet worden, darunter Soldaten und Zivilisten, erklärte ein örtlicher Krankenhausmitarbeiter der Nachrichtenagentur AFP. Bislang hatte die Militärjunta lediglich von 16 verletzten Zivilisten und Soldaten gesprochen. Eine Bilanz der Opferzahl aller Angriffe lag nicht vor.
Angesichts der anhaltenden Angriffe rief Moskau zu einer schnellen Stabilisierung der Lage auf. "Wir halten es für wichtig, dass das Land so schnell wie möglich zu einem friedlichen, stabilen Kurs zurückkehrt", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow vor Journalisten in Moskau. Zur Rolle der Moskau unterstellten, paramilitärischen Einheit Afrikakorps in dem westafrikanischen Land äußerte sich Peskow nicht.
"Der Feind hat seine aggressiven Absichten nicht aufgegeben und formiert sich neu", erklärte derweil das russische Verteidigungsministerium in Onlinediensten. Die Lage in Mali bleibe "schwierig".
Das direkt dem russischen Verteidigungsministerium unterstellte Afrikakorps hat die Aufgabe der einst als Gruppe Wagner bekannten Söldnertruppe übernommen und unterstützt die malischen Streitkräfte im Kampf gegen Dschihadisten. Die paramilitärische Einheit sei gezwungen gewesen, die Stadt Kidal am Wochenende aufzugeben, bestätigte das Ministerium. Das Afrikakorps habe bei den Angriffen in Mali "Verluste erlitten", erklärte der russische Vize-Außenminister Georgi Borisenko.
Kidal stand mehrere Jahrzehnte lang unter der Kontrolle von Rebellengruppen, bevor es 2023 in einer gemeinsamen Militäroffensive der malischen Armee mit der russischen Gruppe Wagner erobert wurde.
In der Hauptstadt Bamako herrschte laut einem AFP-Korrespondenten am Dienstag angespannte Ruhe, nachdem am Montagabend zwei heftige Detonationen in der Nähe des Flughafens zu hören gewesen waren. Zunächst war unklar, was die Explosionen verursacht hatte. Aus Sicherheitsgründen setzte die malische Fluggesellschaft Sky Mali derweil ihre Inlandsflüge in den Norden und in das Zentrum des Landes aus.
Das Auswärtige Amt aktualisierte unterdessen seine Reisewarnung für das westafrikanische Land und warnte vor Reisen nach Mali. Deutsche Staatsangehörige seien aufgefordert, Mali auf dem Luftweg zu verlassen.
Mali wird seit vielen Jahren von Gewalt erschüttert. Die seit zwei Putschen in den Jahren 2020 und 2021 herrschenden Militärs sehen sich unter anderem mit einer Rebellion islamistischer Extremisten konfrontiert, die immer wieder Anschläge und Angriffe auf Regierungstruppen verüben. Zudem sind kriminelle Banden in dem Land aktiv.
I.Meyer--BTB