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Koalition im freien Umfrage-Fall - Kanzler Merz historisch schlecht bewertet
Historisch schlechte Werte für den Kanzler, neue Tiefstände bei der Zufriedenheit mit der Bundesregierung und eine AfD im Aufwind: Ein Jahr nach ihrem Amtsantritt bekommt die schwarz-rote Koalition in Umfragen ein katastrophales Zeugnis ausgestellt. In neuen Erhebungen für ARD und ZDF stehen die Regierung und ihr Kanzler jeweils deutlich schlechter da als die vorherige Ampel-Koalition nach ihrem ersten Jahr im Amt. In der Sonntagsfrage des ARD-"Deutschlandtrends" liegt die AfD erstmals vorn.
Vor einem Jahr mit 40 Prozent Zufriedenheit gestartet, kommt die schwarz-rote Koalition in dem am Donnerstag veröffentlichten ARD-"Deutschlandtrend" nur noch auf 13 Prozent Zustimmung. Das ist der schlechteste Wert einer Regierung zwölf Monate nach Amtsantritt in der seit 1997 erhobenen Umfrage von Infratest dimap. 86 Prozent sind demnach aktuell weniger oder gar nicht zufrieden.
Auch im neuen ZDF-"Politbarometer" wird die Arbeit der Regierung sehr überwiegend negativ bewertet. In der am Freitag veröffentlichten Umfrage gaben 69 Prozent der Befragten an, die Regierung leiste eher eine schlechte Arbeit. Nur 26 Prozent bewerteten ihre Arbeit als gut. Kurz nach Amtsantritt der Regierung vor einem Jahr war diese noch von insgesamt 51 Prozent der Befragten als eher gut bewertet worden.
Die Zustimmung zu Regierungschef Merz ist im ARD-"Deutschlandtrend" auf ein historisch niedriges Niveau abgestürzt. Mit seiner politischen Arbeit sind nur noch 16 Prozent der Befragten zufrieden, 83 Prozent (+7) sind unzufrieden. Das ist der schlechteste Wert, der im "Deutschlandtrend" jemals für einen Bundeskanzler gemessen wurde.
Der bislang niedrigste Wert des damaligen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) lag im September 2024 bei 18 Prozent. Einen Monat nach Merz' Amtsantritt waren noch 39 Prozent mit der Arbeit des amtierenden Regierungschefs zufrieden.
Auch im ZDF-"Politbarometer" stehen die Regierung und ihr Kanzler jeweils deutlich schlechter da als die "Ampel" nach einem Jahr. Über Merz äußerten sich nur noch 28 Prozent der Befragten zufrieden, für 68 Prozent macht er einen eher schlechten Job. Vor einem Jahr hatten sich noch 47 Prozent positiv und 35 Prozent negativ geäußert.
ARD-Wahlexperte Jörg Schönenborn sieht für das schlechte Image von Merz auch dessen öffentliches Auftreten als Grund. Es gebe derzeit insbesondere in den Ländern sehr gut bewertete Politiker wie den designierten baden-württembergischen Ministerpräsidenten Cem Özdemir (Grüne), "die Vertrauensanker sind, die gewählt werden, weil sie das Gefühl vermitteln, ich kann was lösen, ohne allzu laut zu sein und zu poltern". Da sei "Friedrich Merz leider nicht das Role-Model für".
Die Bundesbürger sind nach Schönenborns Einschätzung vor allem aus zwei Gründen unzufrieden mit der Regierung: "Zum einen hat sie objektiv ganz viel versprochen, was sie nicht einhält." Und zum anderen seien da mit Union und SPD zwei Parteien, die "so weit auseinander" lägen, "dass Kompromisse schwer möglich" seien. "Und wenn man dann öffentlich darüber streitet, ob man sich angebrüllt hat oder nicht, dann ist das einfach etwas, wo man als Wählerin und Wähler einfach den Daumen senken muss."
Große Profiteurin ist die AfD: Die in Teilen rechtsextreme Partei liegt in der Sonntagsfrage des ARD-"Deutschlandtrends" erstmals vorn. Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die AfD auf 27 Prozent, vor der Union mit 24 Prozent. Die SPD läge unverändert bei zwölf Prozent. Die Grünen kommen auf 15 Prozent, die Linke auf zehn.
Auch im "Politbarometer" liegt die AfD in der Sonntagsfrage mit 27 Prozent vorn. Die CDU/CSU bleibt bei 25 Prozent. Die SPD verharrt auf ihrem bisherigen Tiefstwert von zwölf Prozent. Mit diesen Ergebnissen hätte die schwarz-rote Koalition wie bei den vorherigen Umfragen keine Mehrheit im Bundestag.
Für ARD-Experte Schönenborn hat die AfD ohne eigenes Zutun so hohe Zustimmungswerte: "Sie sitzt auf der Tribüne, sie schaut zu, wie die Regierung sich streitet, und staunt."
Für den ARD-"Deutschlandtrend" befragte Infratest dimap insgesamt 1303 Wahlberechtigte von Montag bis Mittwoch dieser Woche. Für das "Politbarometer" befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen vom 5. bis 7. Mai 1240 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte. Die statistische Fehlerquote wurde jeweils mit plus/minus zwei bis drei Prozentpunkten angegeben.
K.Thomson--BTB