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Angriff mit ballistischen Raketen: Heftige Explosionen während Luftalarm in Kiew
Kurz nach der Warnung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor einem schweren russischen Luftangriff ist die Hauptstadt Kiew von heftigem Beschuss erschüttert worden. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, ereigneten sich in der Nacht zu Sonntag nach der Ausrufung eines Luftalarms durch die Behörden heftige Explosionen.
Die ukrainische Hauptstadt sei "das Ziel eines massiven Angriffs mit ballistischen Raketen", erklärte der Chef der Kiewer Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, im Onlinedienst Telegram. "Weitere Angriffe sind möglich. Bleiben Sie in den Schutzräumen", rief er die Bevölkerung auf.
Nach vorläufigen Angaben seien von dem Beschuss mindestens vier Orte betroffen, erklärte Tkatschenko. Er nannte die Bezirke Schewtschenkiwsky, Dniprowsky und Podilsky. Es gebe erste Berichte über Brände und Schäden an Wohngebäuden.
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, Rettungskräfte seien nach Podilsky im Nordwesten der Stadt gerufen worden, weil dort Trümmerteile in einem Gebiet außerhalb von Wohnvierteln hinabgestürzt seien. In dem nahegelegenen Stadtbezirk Schewtschenkiwsky sei in der Nähe eines Wohngebäudes ein Feuer ausgebrochen.
AFP-Reporter sahen, wie die Angriffe ein Wohnhaus in der Nähe des Regierungsviertels erschütterten. Dutzende Menschen suchten in einer Metro-Station im Zentrum von Kiew Schutz.
Staatschef Selenskyj hatte am Samstagabend erklärt, den ukrainischen Geheimdiensten lägen Daten unter anderem von Partnern in Europa und den USA vor, wonach Russland einen Angriff mit seiner neuartigen Oreschnik-Rakete vorbereite. Auch die US-Botschaft in Kiew warnte, ihr vorliegenden Informationen zufolge könne "jederzeit innerhalb der kommenden 24 Stunden" ein "möglicherweise bedeutsamer Luftangriff erfolgen".
Die russische Oreschnik-Rakete ist eine atomwaffenfähige Mittelstreckenrakete, die nach Angaben des Kreml eine Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde und Ziele in 3000 bis 5500 Kilometer Entfernung erreichen kann. Laut Russlands Präsident Wladimir Putin ist es selbst für moderne Luftabwehrsysteme "unmöglich", die Rakete abzufangen.
Nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russisch besetzte ukrainische Region Luhansk in der Nacht zum Freitag hatte Putin Kiew mit Vergeltung gedroht. Bei dem Angriff wurde nach russischen Angaben eine Fachhochschule samt Studentenwohnheim in der Stadt Starobilsk getroffen, 18 Menschen kamen demnach ums Leben. Kiew bestreitet einen gezielten Angriff auf Zivilisten und erklärte, Ziel sei eine Drohneneinheit der russischen Armee in der Region Starobilsk gewesen.
L.Janezki--BTB