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Hoffnung auf Kriegsende hellt Konjunkturerwartungen deutlich auf
Die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Iran-Kriegs hat die Konjunkturerwartungen von Finanzexperten in Deutschland deutlich aufgehellt. Der ZEW-Index stieg im Juni "stark" an, wie das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mitteilte. Nach Angaben des Forschungsinstituts RWI zeigt sich überraschenderweise auch die deutsche Industrie zuletzt robust - zugleich greift allerdings die Inflation auf immer mehr Branchen über.
Die Preissteigerungen sind eine Folge des Iran-Krieges, der Ende Februar begonnen hatte. Am Sonntag verkündeten die USA und der Iran eine Einigung auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges. Sie sorgten damit für Optimismus an den Börsen; die Preise für Rohöl sanken spürbar.
Das ZEW befragte Finanzexpertinnen und -Experten bereits von Anfang bis Mitte Juni zu ihren Einschätzungen. Sie setzten laut Institut darauf, "dass sich der Iran-Konflikt dem Ende nähert". Der Index des ZEW stieg um 20,7 Zähler auf plus 10,5 Punkte.
Im Frühjahr war der Index wegen des Kriegs deutlich eingebrochen. Im Mai hatte sich dann wieder ein Aufwärtstrend abgezeichnet, jedoch war der Wert weiterhin negativ. Nun kehrte der Index in den positiven Bereich zurück. Mit einem Ende des Kriegs dürfte sich der massive Druck auf die Energiepreise und Inflation abschwächen, erläuterte ZEW-Präsident Achim Wambach. "Dies käme der energieintensiven Industrie und den privaten Haushalten zugute, was die Binnennachfrage stärken würde."
Nach Einschätzung des Essener RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung ist gleichwohl damit zu rechnen, dass die Preise vieler Waren und Dienstleistungen in den kommenden Monaten "verstärkt steigen werden" und die Inflationsrate im Gesamtjahr bei 3,1 Prozent liegen wird. "Besonders bemerkenswert ist, dass die Kerninflation – also die Preisentwicklung ohne Energie und Nahrungsmittel – hoch bleibt." Dies deute darauf hin, dass sich der Preisdruck zunehmend von den Energiemärkten auf die Breite der Wirtschaft verlagere.
"Der aktuelle Inflationsschub beschränkt sich nicht auf Kraftstoffe und Energie", erklärte RWI-Konjunkturchef Torsten Schmidt. "Die höheren Kosten arbeiten sich zunehmend durch die Wertschöpfungsketten und werden bei immer mehr Waren und Dienstleistungen sichtbar werden." Viele Unternehmen hätten ihre gestiegenen Kosten bislang nur teilweise weitergegeben. "Deshalb ist davon auszugehen, dass weitere Preissteigerungen noch bevorstehen."
Als "überraschend widerstandsfähig" erweist sich laut RWI indes die Industrie: Trotz der "schwierigen Rahmenbedingungen" entwickle sich das Verarbeitende Gewerbe robuster als erwartet, erklärte das Forschungsinstitut und verwies auf jüngst gestiegene Auftragseingänge und Exporte. "Damit trägt die Industrie wesentlich dazu bei, dass die deutsche Wirtschaft auf dem leichten Wachstumskurs bleibt", erklärte das RWI. Für 2026 erwarten die Wirtschaftsforscher einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 0,8 Prozent.
M.Odermatt--BTB