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USA und Iran greifen trotz Waffenruhe erneut an - Golfstaaten unter Beschuss
Die USA und der Iran haben trotz der geltenden Waffenruhe am Wochenende erneut Angriffe gegeneinander geführt. Das US-Militär erklärte, es habe am in der Nacht zum Sonntag zum zweiten Mal binnen zwei Tagen Ziele im Iran angegriffen. Anschließen wurden die Golfstaaten Kuwait und Bahrain attackiert, die iranischen Revolutionsgarden reklamierten die Angriffe für sich. US-Präsident Donald Trump drohte der iranischen Führung mit der Vernichtung der Islamischen Republik, die Revolutionsgarden kündigten ihrerseits eine "vernichtende Antwort" auf jede weitere "Aggression" an.
Das für die Region zuständige US-Regionalkommando Centcom erklärte, US-Kampfjets der Marine und der Luftwaffe hätten am Samstagabend zehn iranische Militärziele "an mehreren Orten in und nahe der Straße von Hormus" angegriffen. Getroffen worden seien militärische Überwachungseinrichtungen, Kommunikationssysteme, Luftabwehrstellungen, Drohnenlager und Mittel zur Minenverlegung. Centcom veröffentlichte dazu ein kurzes Video, das Explosionen zeigen soll.
Die Angriffe seien eine direkte Reaktion auf einen iranischen Drohnenangriff auf den unter der Flagge Panamas fahrenden Öltanker "Kiku" gewesen, erklärte Centcom weiter. Der Tanker habe mehr als zwei Millionen Barrel Rohöl durch die Straße von Hormus transportiert. Iranische Medien berichteten von mehreren Explosionen in den Regionen Sirik und Keschm im Süden des Landes.
Die Revolutionsgarden erklärten daraufhin, sie hätten als Vergeltung für die US-Angriffe Ziele in Kuwait und Bahrain attackiert. Sie hätten "acht wichtige Einrichtungen der US-Armee" auf dem Stützpunkt Ali al-Salem in Kuwait und auf dem Stützpunkt der Fünften US-Flotte in Port Salman in Bahrain zerstört, hieß es in einer Mitteilung. Unabhängig überprüfen ließ sich diese Darstellung zunächst nicht.
Die kuwaitische Armee bestätigte, sie wehre "feindliche Raketen- und Drohnenangriffe" ab. In Bahrain, wo sich ein wichtiger Stützpunkt der US-Marine befindet, wurde nach Angaben der Behörden zwei Mal in der Nacht zum Sonntag Luftalarm ausgelöst. Das Innenministerium rief die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren und Schutzräume aufzusuchen.
Trump warf dem Iran in seinem Onlinedienst Truth Social vor, "wieder" gegen die Waffenruhe verstoßen zu haben. Es könne ein Zeitpunkt kommen, an dem die USA "nicht mehr in der Lage" seien, vernünftig zu handeln, schrieb er. Dann könnten sie gezwungen sein, "das Werk, das wir sehr erfolgreich begonnen haben, mit militärischen Mitteln zu vollenden". In diesem Fall werde "die Islamische Republik Iran nicht länger existieren".
Die Revolutionsgarden erklärten ihrerseits, im Falle weiterer Angriffe werde es eine "vernichtende Antwort" geben. Zugleich kündigten sie ein härteres Vorgehen in der Straße von Hormus an. Es seien Vorkehrungen getroffen worden, um den Schiffsverkehr durch die Meerenge "mit der Islamischen Republik" zu kontrollieren. Schiffe, die gegen die Vorgaben verstießen, würden künftig "mit noch größerer Härte" behandelt.
Bereits am Freitag hatten die USA erstmals seit dem Rahmenabkommen vom 17. Juni Angriffe auf iranischem Gebiet gemeldet. Diese seien eine Reaktion auf einen iranischen Angriff auf ein Frachtschiff in der Straße von Hormus gewesen, erklärte Centcom. Teheran warf Washington daraufhin einen "eklatanten Verstoß" gegen das Abkommen zur Beendigung des Krieges vor und meldete Angriffe auf US-Einrichtungen in der Golfregion.
Die neuen Angriffe stehen im Zusammenhang mit dem Streit um die Kontrolle der Straße von Hormus. Die Meerenge war von Teheran während des am 28. Februar begonnenen US-israelischen Kriegs gegen den Iran weitgehend blockiert worden. Nach dem am 17. Juni vereinbarten Rahmenabkommen zwischen Washington und Teheran wurde die Straße von Hormus wieder geöffnet - allerdings lässt der Iran nach eigenen Angaben derzeit nur eine Route entlang seiner Küste zu.
Das Rahmenabkommen vom 17. Juni war unter Vermittlung Pakistans zustande gekommen und soll binnen 60 Tagen in eine endgültige Vereinbarung zur Beendigung des Krieges münden. Darin verpflichteten sich die USA und der Iran, nicht militärisch gegeneinander vorzugehen. Zudem sagte der Iran zu, Handelsschiffen für 60 Tage eine sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu ermöglichen.
Vor dem Krieg passierte rund ein Fünftel des weltweiten Handels mit Öl und Flüssigerdgas die etwa 30 Kilometer breite Meerenge zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel. Centcom erklärte, der Handelsschiffsverkehr durch die Straße von Hormus gehe trotz der neuen Angriffe weiter.
R.Adler--BTB