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Zweite Nacht in Folge: USA greifen Iran an - Teheran attackiert US-Stützpunkte
Nach der Aufkündigung des Waffenruhe-Abkommens mit Teheran durch Präsident Donald Trump haben die USA erneut heftige Angriffe geflogen: Es seien 90 militärische Ziele im Iran ins Visier genommen worden, teilte am Donnerstagmorgen das zuständige US-Regionalkommando Centcom mit. Die Revolutionsgarden griffen daraufhin nach eigenen Angaben US-Stützpunkte in Bahrain und Kuwait an. Beide Seiten drohten zudem mit einer Verstärkung der Angriffe.
Mit der zweiten Angriffswelle innerhalb von 24 Stunden wollten die USA die Fähigkeit des Iran, "die Handelsschifffahrt und unschuldige zivile Seeleute in der Straße von Hormus anzugreifen, weiter schwächen", erklärte Centcom. Es verwies dabei auf die jüngsten Angriffe auf Schiffe in der für den Welthandel enorm wichtigen Meerenge, für die Washington die Führung in Teheran verantwortlich macht.
Präsident Donald Trump erklärte, die US-Angriffe seien Vergeltung für vorangegangene iranische Attacken auf Schiffe. "Wenn das noch einmal passiert, wird es noch viel schlimmer werden!", drohte er in Online-Netzwerken. Zugleich veröffentlichte Trump ein Foto, das offenbar die Bombardierung eines Ziels im Iran zeigen soll.
Die neuen US-Angriffe trafen laut iranischen Medien unter anderem eine Eisenbahnbrücke im Nordosten des Landes. Explosionen wurden auch aus Hafenstädten wie Bandar Abbas und Konarak gemeldet. Die offizielle Nachrichtenagentur Irna berichtete zudem von Angriffen auf einen Militärstützpunkt an der Küste von Buschehr, wo das einzige zivile Atomkraftwerk des Landes steht.
Trump hatte zuvor am Rande des Nato-Gipfels in Ankara die mit dem Iran vereinbarte Feuerpause für beendet erklärt und neue Angriffe angeordnet. "Wir werden sie heute Nacht richtig hart treffen." Mit Blick auf die geltende Waffenruhe erklärte er: "Was mich betrifft, ist sie vorbei." Zugleich ließ er die Tür für weitere Verhandlungen aber offen.
Auf dem Rückflug vom Nato-Gipfel in die USA sagte der Präsident dann vor Journalisten, die iranische Seite habe "vor Kurzem angerufen" und wolle "unbedingt einen Deal machen". Details zu dem Gespräch nannte Trump nicht - auch ließ er offen, mit wem er telefoniert habe. Zugleich äußerte er aber erneut Zweifel am Wert eines möglichen Abkommens und bezeichnete die Iraner als "ziemlich verrückt".
Die Führung in Teheran reagierte auf die neuen US-Angriffe mit Attacken auf Bahrain und Kuwait - und drohte wie Trump mit deren Ausweitung. In den beiden Golfstaaten seien "wichtige Infrastruktur und Einrichtungen" der US-Armee mit Raketen und Drohnen ins Visier genommen worden, hieß es in einer vom iranischen Staatsfernsehen verbreiteten Erklärung der Revolutionsgarden.
Die kuwaitische Armee erklärte im Onlinedienst X, dass sie "feindliche Raketen- und Drohnen-Attacken" abwehre. Möglicherweise zu hörende Explosionen seien "Folge der Abwehr feindlicher Angriffe durch Luftverteidigungssysteme". In Bahrain waren derweil nach Angaben eines AFP-Korrespondenten mehrere Explosionen zu hören.
Die Revolutionsgarden warnten zugleich, dass sie bei weiteren US-Attacken ihre Angriffe auf andere Stützpunkte in der Region ausweiten würden. Auch Teherans Chefunterhändler Mohammed Bagher Ghalibaf drohte Washington: "Die Vereinigten Staaten haben immer noch nicht begriffen, dass Einschüchterung und Wortbruch nicht mehr ohne Folgen bleiben", schrieb er im Onlinedienst X. "Lassen Sie mich eines klarstellen: Wer angreift, wird selbst angegriffen."
Zugleich betonte Ghalibaf, dass die Straße von Hormus nur unter "iranischen Bedingungen" geöffnet werde. Die Meerenge und der Zugang zu ihr sind einer der Hauptstreitpunkte zwischen Washington und Teheran. Sie steht auch im Mittelpunkt der derzeitigen Eskalation, die durch Angriffe auf Schiffe nahe der Straße von Hormus in der Nacht zum Dienstag ausgelöst wurde, die Washington der Führung in Teheran zuschreibt.
Die USA griffen daraufhin in der Nacht zum Mittwoch nach Militärangaben mehr als 80 iranische Ziele rund um die Straße von Hormus an. Der Iran reagierte nach eigenen Angaben mit dutzenden Angriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain. Nun erfolgten in der Nacht zum Donnerstag erneut gegenseitige Attacken.
Die neue Eskalation ließ die Ölpreise weiter steigen. In Asien machten sie am Donnerstag einen Sprung von rund acht Prozent. Damit stiegen sie erstmals seit zwei Wochen über die Marke von 80 Dollar (70 Euro) für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent.
O.Lorenz--BTB