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Präsidentenamt in Ungarn: Regierungschef Magyar bedauert Ablehnung von Schach-Großmeisterin Polgar
Ungarns Regierungschef Peter Magyar hat die Ablehnung des Präsidentenamtes der Schach-Großmeisterin Judit Polgar bedauert. Er respektiere aber die Entscheidung der 49-Jährigen, erklärte Magyar am späten Montagabend in Onlinediensten. Wen Ungarns Ministerpräsident als nächstes für das Präsidentenamt vorschlagen wollte, war zunächst unklar.
Sie könne die Einladung "nicht annehmen", hatte Polgar am Montagabend in Onlinediensten geschrieben. "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich die Kraft habe, die historische Verantwortung für die Vereinigung einer gespaltenen Nation zu übernehmen." Sie wolle aber alles in ihrer Macht Stehende tun, "um einen neuen, unabhängigen und angesehenen Präsidenten der Republik bei der Verwirklichung dieser Ziele zu unterstützen", fügte sie hinzu.
Magyar hatte Polgar am späten Sonntagabend für das Amt der Staatschefin vorgeschlagen. "Unser Land braucht Einheit, Frieden und einen Präsidenten, auf den alle Ungarn stolz sein können", erklärte er.
Der ungarische Regierungschef sah sich jedoch mit Kritik konfrontiert, weil er Polgars Nominierung am Sonntag vorangetrieben hatte - nur einen Tag, nachdem sie eine öffentliche Konsultation zu diesem Thema zugesagt hatte. Nachdem ihre Ablehnung bekannt geworden war, entschuldigte sich der Ministerpräsident für mögliche "Kommunikationsfehler". Allerdings bestand er darauf, dass seine Tisza-Partei "das ungarische Volk um Empfehlungen gebeten" habe.
"Es scheint, als habe Peter Magyar seinen ersten Kommunikationsfehler als Ministerpräsident begangen, indem er im Nominierungsprozess einen Schritt übersehen hat", sagte der Analyst Szabolcs Pek vom Thinktank Iranytu Institute der Nachrichtenagentur AFP. Letztlich habe Polgar Magyar mit ihrer Ablehnung des Angebots "einen Gefallen getan". Er gehe davon aus, dass Tisza versuchen werde, Magyars Anhänger "stärker einzubeziehen, bevor er seine nächste Entscheidung trifft".
Die 49-jährige Polgar gilt als die größte Schachspielerin aller Zeiten. Sie war rund ein Vierteljahrhundert lang die Nummer eins der Frauen im Schach und ist bis heute die einzige Frau, die es unter die besten Zehn aller Kategorien weltweit geschafft hat.
Der bisherige Präsident Tamas Sulyok, ein Vertrauter von Ex-Regierungschef Viktor Orban, hatte aufgrund einer Verfassungsänderung sein Amt verloren. Das ungarische Parlament hatte in der vergangenen Woche eine Verfassungsänderung zu seiner Absetzung verabschiedet. Sulyok kritisierte die Verfassungsänderung am Samstag zwar, sagte jedoch, er habe keine Möglichkeit, dagegen vorzugehen. Sein letzter Tag als Staatsoberhaupt war am Sonntag.
C.Meier--BTB