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Parlamentswahl in Schweden: Enges Rennen erwartet - Rechtspopulisten wollen in die Regierung
Wahl-Krimi in Schweden: Die Menschen in dem skandinavischen Land haben bei der Parlamentswahl am Sonntag darüber abgestimmt, ob das Mitte-rechts-Bündnis von Regierungschef Ulf Kristersson an der Macht bleibt oder ob die von den Sozialdemokraten angeführte Opposition das Ruder übernimmt. Beide Lager lagen in Umfragen zuletzt nahezu gleichauf. Im Falle eines Wahlsiegs des rechten Blocks könnten erstmals die rechtspopulistischen Schwedendemokraten mitregieren.
Rund acht Millionen Wahlberechtigte waren zur Stimmabgabe aufgerufen. Etwa jeder Zweite hatte bereits vorab gewählt. Kurz nach Öffnung der Wahllokale gab am Morgen Oppositionsführerin Magdalena Andersson von den Sozialdemokraten ihre Stimme in Nacka südlich der Hauptstadt Stockholm ab. Begleitet wurde die frühere Ministerpräsidentin von ihrem Mann.
"Jetzt liegt es am schwedischen Volk zu entscheiden, in welche Richtung unser Land gehen soll", sagte die 59-Jährige nach ihrer Stimmabgabe. Es gehe um die Wahl zwischen einer Regierung, die erstmals "vollständig von den Schwedendemokraten dominiert" werde oder einer Regierung, "die von mir geführt wird und die Schweden in einem neuen Geist der Zusammenarbeit führen wird", sagte Andersson.
Die Linke setzt sich für höhere Steuern für Banken und Spitzenverdiener ein, um so in Gesundheit und Bildung investieren zu können und ärmere Haushalte angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten zu entlasten. Die Sozialdemokraten sind Schwedens größte Partei und haben das Land in den vergangenen Jahrzehnten zum überwiegenden Teil regiert. Der klare Umfrage-Vorsprung des Oppositionsbündnisses war zuletzt geschrumpft.
Der konservative Regierungschef Kristersson gab seine Stimme in Strängnäs westlich von Stockholm ab. Begleitet wurde er von seiner Frau und einer ihrer gemeinsamen Adoptivtöchter. Vor der Wahl hatte Kristersson in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP gesagt, seine Partei wolle "das Leben der normalen Leute verbessern". Es gehe darum, "Schweden wieder großartig zu machen", sagte er in Anlehnung an die Parole von US-Präsident Donald Trump.
Kristersson führt derzeit eine Minderheitsregierung an, die im Parlament auf die Stimmen der Schwedendemokraten angewiesen ist. Die Rechtspopulisten, die in Umfragen auf rund 20 Prozent der Stimmen kamen, wollen nach der Wahl zum ersten Mal mitregieren. Kristersson stellte den Rechtspopulisten Schlüsselposten in Aussicht, sollte er erneut regieren, darunter das Ressort für Einwanderung.
Der rechte Block kündigte vor der Wahl an, das rigorose Vorgehen gegen illegale Zuwanderung und Kriminalität fortzusetzen. Schweden kämpft seit Jahren gegen Gewalt im Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität. Die Zahl der damit verbundenen tödlichen Schießereien ging in den vergangenen Jahren deutlich zurück. Die Zahl der Asylanträge ist auf einem Rekordtief.
Schwedendemokraten-Chef Jimmie Akesson zeigte sich beim Wahlkampfabschluss siegesgewiss: "Schweden wird sicherer, besser und schwedischer", sagte der 47-Jährige am Samstag vor jubelnden Anhängern in Stockholm. Dort waren Wahlplakate mit dem Spruch "Wir machen Schweden wieder zu Schweden" zu sehen.
"Wie Jimmie möchte ich, dass es wieder so ist wie in meiner Jugend, im alten Schweden", sagte die 78-jährige Agneta Andersson, die die Kundgebung besuchte. "Ich komme mit der ganzen Gewalt im Land nicht mehr klar."
Die Wählerin Linda Eriksson sprach bei ihrer Stimmabgabe von einer "sehr wichtigen Wahl". Ein Richtungswechsel hin zu mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt sei nötig, sagte die 48-Jährige. Die 64-jährige Ingrid Rudien sagte, sie hoffe, dass Schweden "als Land zusammenhalten kann, auch wenn es ein knappes Wahlergebnis gibt".
Bei einem Wahlsieg des rechten Blocks wird eine vergleichsweise unkomplizierte Regierungsbildung erwartet. Sollte die von den Sozialdemokraten angeführte Opposition die Mehrheit erlangen, erwarten Beobachter wegen teils sehr unterschiedlicher Positionen der vier Parteien längere Verhandlungen.
Erste Prognosen wurden nach dem Schließen der Wahllokale um 20.00 Uhr erwartet, Hochrechnungen in der Nacht zum Montag.
K.Thomson--BTB