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Organisierte Kriminalität: "Verbrechen als Dienstleistung" und junge "Wegwerftäter"
"Verbrechen als Dienstleistung", die Rekrutierung Minderjähriger als "Wegwerftäter" und Rauschgift als Hauptgeschäftsfeld: Bundesregierung und Bundeskriminalamt (BKA) sehen eine wachsende Bedrohung durch Organisierte Kriminalität: Die Zahl der Ermittlungsverfahren stieg im vergangenen Jahr um 5,6 Prozent auf 683, wie aus einem am Dienstag veröffentlichten Lagebild hervorgeht. Auch Staaten nutzen laut BKA-Chef Holger Münch kriminelle Strukturen, um auf Bestellung Sabotage und Spionage zu betreiben.
"Organisierte Kriminalität ist eine wachsende Gefahr für unsere innere Sicherheit", erklärte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) in Berlin zur Vorstellung der Lagebilder Organisierte Kriminalität und Rauschgiftkriminalität. "Kriminelle Banden werden professioneller, brutaler und skrupelloser."
Im vergangenen Jahr wurden bei der Organisierten Kriminalität fast 8000 Tatverdächtige erfasst, wie das BKA mitteilte. Dies war demnach der höchste Wert der vergangenen fünf Jahre.
BKA-Chef Münch verwies auf einen tiefgreifenden Wandel in der Organisierten Kriminalität: "Organisierte Kriminalität verändert ihr Gesicht: Kriminelle Netzwerke agieren heute viel stärker digital vernetzt, international und arbeitsteilig." Dem Lagebild zufolge wiesen 69 Prozent der Ermittlungsverfahren einen transnationalen Bezug auf.
"Das klassische Bild" Organisierter Kriminalität, das von Abschottung und geschlossenen Strukturen geprägt gewesen sei, gehöre der Vergangenheit an, sagte Münch. Auch in Deutschland trete eine "neue Tätergeneration" auf, "die ihre Macht und Gewalttaten offensiv in Social Media inszeniert". Hierzu gehöre die türkischstämmige "Generation-Z-Mafia".
"Besonders perfide" sei, "dass auch Minderjährige zunehmend für Verbrechen missbraucht werden", sagte Dobrindt bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Sie würden als "Wegwerftäter (...) rekrutiert, verheizt, fallen gelassen".
Rauschgiftkriminalität blieb im vergangenen Jahr mit rund 36,9 Prozent der Verfahren das Hauptbetätigungsfeld der Organisierten Kriminalität. Die Zahl der Delikte im Rauschgiftbereich ging aber um 4,6 Prozent auf 122.082 zurück. Dabei sind Daten zu Cannabis wegen der Teilliberalisierung bereits herausgerechnet.
Die Zahl der Rauschgifttoten lag mit 2150 weiter auf einem hohen Niveau. Im Vergleich zu 2024 war dies ein Anstieg um 0,6 Prozent. Ein Höchststand war im Jahr 2023 mit 2227 erreicht worden.
J.Bergmann--BTB