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US-Behörde räumt erstmals Munitionsknappheit wegen des Iran-Krieges ein
Erstmals seit dem Beginn des Iran-Krieges hat eine Behörde des US-Verteidigungsministeriums näher über die Folgen des Konfliktes für die US-Armee informiert und dabei auch einen Munitionsmangel eingeräumt. In dem am Montag (Ortszeit) veröffentlichten Pflichtbericht an den US-Kongress verwies die Generalinspektion des Pentagon darauf, dass Munition infolge des kostspieligen Waffengangs knapp geworden sei. Bestätigt wurde zudem der Tod von sieben Soldaten im Einsatz sowie sieben weiteren bei nicht-feindlichen Ereignissen. Am Dienstag wurde Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in Washington erwartet, wo er seinen US-Kollegen Pete Hegseth treffen wollte.
Zwischen dem Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar und dem 30. Juni seien durch den Einsatz Kosten in Höhe von 33,4 Milliarden US-Dollar (28,95 Milliarden Euro) entstanden, davon allein 22,3 Milliarden Dollar (19,33 Milliarden Euro) für Munition, hieß es in dem Bericht der Generalinspektion. Dies habe zu "strategischen Bestandslücken und Engpässen bei der Industrie in der Nachschubversorgung mit Munition" geführt.
Um mit Engpässen umzugehen, arbeite das Pentagon daran, "Beschaffungsprozesse und Produktionsvorläufe zu straffen sowie kritische Materialien, Komponenten und ausgewählte Munition zu bevorraten", hieß es weiter in dem Bericht. Der Ausbau der Produktionskapazitäten erfordere jedoch "erhebliche Vorlaufzeiten".
US-Präsident Donald Trump hatte wiederholt Bedenken hinsichtlich einer Munitionsknappheit in dem seit sechs Monaten andauernden Krieg zur Seite gewischt und unlängst von "praktisch unbegrenzten" Munitionsvorräten der US-Armee gesprochen. Erst am Montag schrieb er in seinem Online-Netzwerk Truth Social, die USA produzierten "mehr exquisite" Waffen als jemals zuvor in der Geschichte.
Der Sender CNN hatte berichtet, ein Mangel an Langstrecken-Lenkflugkörpern und Luftabwehr-Abfangraketen habe Trumps Strategie im Konflikt mit dem Iran geschwächt, fast 80 Prozent des Bestandes der THAAD-Abfangraketen seien aufgebraucht.
Die Munitionsknappheit der US-Armee dürfte die Regierungen der Ukraine und Taiwans beunruhigen, die auf Waffenlieferungen aus den USA angewiesen sind. Die Ukraine benötigt in ihrem Krieg gegen Russland dringend zusätzliche Abfangraketen für US-Patriot-Luftabwehrsysteme, während Taiwan von Waffenabkommen mit Washington abhängig ist, um China abzuschrecken, das die demokratisch regierte Insel für sich beansprucht.
Die insgesamt 14 Todesfälle in den Reihen der US-Armee seien bis zum 30. Juni zu verzeichnen gewesen, heißt es in dem Bericht der Behörde. Weitere 417 Soldaten seien im Einsatz verletzt worden. Der Bericht listet auch die Verluste der US-Luftflotte auf, darunter vier zerstörte F-15-Kampfflugzeuge, eine beschädigte F-35-Maschine, sieben beschädigte KC-135-Tankflugzeuge und bis zu 30 zerstörte MQ-9-Reaper-Drohnen.
Der Bericht der Generalinspektion der US-Streitkräfte erwähnt auch, dass durch iranische Angriffe "hunderte Gebäude und Strukturen" auf US-Militärstützpunkten in der Region beschädigt oder zerstört worden seien. Dies sei bei der Berechnung der Kosten des Krieges aber nicht mit eingeflossen, da nicht klar sei, ob alle diese Basen wieder aufgebaut würden, oder wer die Kosten dafür trage.
Bundesverteidigungsminister Pistorius brach derweil zu einer mehrtägigen Reise in die USA auf. Zum Auftakt war am Dienstag ein Treffen mit US-Verteidigungsminister Hegseth in Washington geplant. Im weiteren Verlauf der Reise wird Pistorius den ersten von insgesamt 35 neuen Kampfjets vom Typ F-35 für die Bundeswehr in Empfang nehmen.
Die Reise findet vor dem Hintergrund der Überprüfung der US-Truppenpräsenz in Europa statt, die Hegseth im Juni angekündigt hatte. Zudem dürfte es bei dem Treffen im Pentagon um US-Waffenlieferungen an die europäischen Verbündeten und die Ukraine gehen. Die US-Regierung hat Deutschland den Verkauf von Tomahawk-Marschflugkörpern zugesagt. Unklar ist, inwieweit die Munitionsknappheit der US-Armee sich auf die US-Waffenlieferungen auswirken wird.
Die USA und Israel hatten ihre Angriffe auf den Iran am 28. Februar begonnen. Der Iran schlug zurück, indem er US-Einrichtungen und US-Verbündete in der Golfregion angriff.
J.Bergmann--BTB