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Russische Behörden melden massive Drohnenangriffe am letzten Tag der Parlamentswahl
Inmitten des Ukraine-Kriegs haben die Menschen in Russland am Sonntag am dritten und letzten Tag der Parlamentswahl ihre Stimmen abgegeben. Die russischen Behörden meldeten massive ukrainische Drohnenangriffe auf die Region Moskau, bei denen zwei Menschen getötet wurden. Bei der Wahl gilt ein Sieg der Partei Geeintes Russland von Präsident Wladimir Putin als sicher. Neben ihr sind nur andere Kreml-treue Parteien zugelassen. In Berlin protestierten Anhänger der Opposition gegen den Kreml und die Offensive in der Ukraine.
Die Parlamentswahl hatte bereits am Freitag im Fernen Osten Russland begonnen. Die Abstimmung über die 450 Sitze in der Staatsduma wird bis Sonntagabend in elf Zeitzonen abgehalten. Neben der Parlamentswahl finden auch Regional- und Kommunalwahlen statt. Auch in den von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine wird der Urnengang abgehalten.
Erste Ergebnisse wurden nach Schließung der Wahllokale (20.00 Uhr MESZ) erwartet. Am Sonntagmittag lag die Wahlbeteiligung bei über 50 Prozent.
Es ist die erste Parlamentswahl in Russland seit der russischen Offensive gegen die Ukraine im Februar 2022. Die Anti-Kriegspartei Jabloko war im August von der Wahl ausgeschlossen worden. Am Samstag wurde nach Parteiangaben einer ihrer Wahlbeobachter festgenommen. Putins Partei Geeintes Russland hat seit 2003 alle Parlamentswahlen gewonnen.
Führende Vertreter der russischen Opposition wurden in den vergangenen Jahren größtenteils ins Exil getrieben. Putins Widersacher Alexej Nawalny starb Anfang 2024 in einem sibirischen Straflager.
In Moskau äußerte sich eine Wählerin gegenüber der Nachrichtenagentur AFP frustriert über die wirtschaftliche Lage in Russland. "Viele Menschen haben ihren Arbeitsplatz verloren. Die Löhne sinken derzeit, anstatt zu steigen", sagte die 30-jährige Diana.
Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin warf der Ukraine eine versuchte Störung der Wahl vor. Nach seinen Angaben fing die russische Luftabwehr mehr als 1600 Drohnen ab, von denen sich 450 direkt auf die Hauptstadt zubewegt hätten.
Der Gouverneur der Hauptstadtregion, Andrej Worobjow, teilte am Sonntag mit, eine 44-jährige Frau und ein älterer Mann seien bei Angriffen an zwei verschiedenen Orten im Großraum Moskau getötet worden. Eine Drohne habe zudem ein Feuer in einem 21-stöckigen Gebäude ausgelöst, 400 Menschen seien evakuiert worden. Nach Behördenangaben wurde außerdem eine große Raffinerie bei Moskau getroffen und in Brand gesetzt.
Die Behörden meldeten zudem einen ukrainischen Drohnenangriff auf einen Bus in einem von Russland kontrollierten Teil der südukrainischen Region Cherson. Dabei wurden demnach zwei Menschen getötet, darunter ein Mitglied der Wahlkommission.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb im Onlinedienst X: "Unsere Langstrecken-Reaktionen hatten vergangene Nacht sehr bedeutende Auswirkungen in der Region Moskau." Eine der wichtigsten Einrichtungen der russischen Öl-Industrie sowie Logistik-Einrichtungen seien getroffen worden. Es gehe um Milliardensummen, mit denen die russische Kriegsmaschinerie finanziert werde, erklärte Selenskyj.
Die russischen Behörden meldeten zudem massive Cyberattacken auf elektronische Wahlinfrastruktur. Die Leiterin der zentralen Wahlkommission, Ella Pamfilowa, sprach laut Berichten staatlicher Nachrichtenagenturen am Sonntag von mehr als 1000 Wellen sogenannter DDoS-Überlastungsangriffe in den vergangenen Tagen. Wer für die Angriffe verantwortlich war, sagte sie nicht.
Bei DDoS-Angriffen wird ein IT-System mit Anfragen überhäuft, so dass es überlastet ist und schlimmstenfalls nicht mehr funktioniert. Bereits am Samstag hatte Pamfilowa einen "massiven Cyberangriff" gemeldet. Der Angriff dauerte demnach den gesamten Tag an, ohne dass die Systeme ausfielen.
Die russische Opposition im Exil hatte dazu aufgerufen, die Wahl nicht zu boykottieren, sondern "gegen Putins Partei" abzustimmen. Dazu veröffentlichte sie Empfehlungen, wer in welchen Regionen Stimmen erhalten sollte.
Vor der russischen Botschaft in Berlin versammelten sich am Sonntag dutzende Anhänger der Opposition, um gegen den Kreml und den Ukraine-Krieg zu protestieren. Sie riefen Parolen wie "Nein zum Krieg" oder "Russland wird frei sein".
In Russland gibt es Befürchtungen, dass nach der Wahl eine neue militärische Mobilisierung erfolgen könnte, ähnlich wie im Jahr 2022, als 300.000 Reservisten eingezogen wurden. Daraufhin hatten viele Männer im wehrpflichtigen Alter Russland verlassen. Selenskyj hatte dem Kreml vorgeworfen, "in diesem Herbst" eine neue Mobilisierung zu beginnen. Putin wies dies zurück.
T.Bondarenko--BTB