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Mihambo fordert Differenzierung: "Leistung mehr als Gold"
Tokio-Olympiasiegerin Malaika Mihambo hat vor der WM in der japanischen Metropole zu mehr Differenzierung in der Bewertung von Leistungen in der deutschen Leichtathletik aufgerufen. "Medaillen sind wichtig, aber man muss auch das aktuelle Leistungsniveau sehen. Paris hat gezeigt, dass viele Athleten sehr viel Potenzial haben. Aber die Perspektive von außen muss sich ändern", sagte die 31 Jahre alte Weitspringerin im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Wir sollten auch die stillen Erfolge wertschätzen – etwa, wenn jemand von Listenplatz 30 auf Listenplatz 15 springt. Leistung ist mehr als nur Gold."
Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte vor zwei Jahren bei den Weltmeisterschaften in Budapest keine einzige Medaille geholt, es war ein historischer Tiefpunkt. Bei Olympia in Paris zeigte das deutsche Team mit insgesamt vier Podestplätzen im Vorjahr einen Aufwärtstrend.
Mihambo, die die Titelkämpfe in Ungarn 2023 verpasst hatte, warb jedoch im Vorfeld des Saisonhöhepunkts in Japan (ab Samstag) dafür, das Abschneiden von Athletinnen und Athleten nicht ausschließlich an Medaillen zu messen. "Es geht aber auch darum, was wir in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern tun, um Erfolge zu fördern. Und da sieht man: Es ist gar nicht einfach. Viele müssen nebenher arbeiten – und die stehen dennoch bei Weltmeisterschaften auf der Bahn. Schon das ist eine enorme Leistung", sagte die zweimalige Weltmeisterin.
Die Debatte über die Förderung werde "an manchen Stellen immer noch sehr plakativ geführt", führte Mihambo aus: "Es fehlt oft der Blick in die Tiefe, und es werden einfache Antworten gegeben. Wenn es keine Medaillen gibt, heißt es sofort, alles ist schlecht – und wenn es mehrere Medaillen gibt, dann ist angeblich alles gut. Ich glaube nicht, dass man das so einfach sagen kann."
Mit Blick auf die kommenden Jahre bleibt die Olympia-Zweite von Paris optimistisch. "Es gab in den vergangenen Jahren vielleicht ein paar schwächere Jahrgänge. Damit meine ich nicht, dass es weniger Talente gab, sondern dass es nicht gelungen ist, Kinder und Jugendliche erfolgreich in die Erwachsenenklasse mitzunehmen", sagte Mihambo. Die jüngste U23-EM etwa mache "auf jeden Fall Hoffnung, dass wir bis zu den nächsten Olympischen Spielen weiter vorankommen können. Aber auch da gilt: Es ist kein Selbstläufer. Es muss weiterhin an allen Ecken und Enden gearbeitet werden."
W.Lapointe--BTB