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Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen gestartet
Erkrankungen im Nachgang von Infektionen sollen besser erforscht werden. Dies ist das Ziel der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen, die Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) am Freitag gemeinsam mit Institutionen der Gesundheitsforschung startete. Dabei geht es auch, aber bei weitem nicht nur um längerfristige Folgen von Corona-Erkrankungen.
"Wir starten ein neues Kapitel in der Erforschung postinfektiöser Erkrankungen", erklärte Bär. In den kommenden zehn Jahren sollen demnach deren Ursachen und Grundmechanismen erforscht sowie neue Diagnose- und Therapieoptionen für Betroffene entwickelt werden. Dafür stellt die Bundesregierung 500 Millionen Euro bereit.
"Aus vielen Gesprächen weiß ich, welch große Belastung diese Erkrankungen für die Betroffenen und ihre Angehörigen darstellen", erklärte Bär. Erarbeitet werden solle eine Strategie, "um die Versorgung der Betroffenen nachhaltig zu verbessern". Die Ministerin verwies auf Erkrankungen wie beispielsweise das Chronische Fatigue-Syndrom (CFS), für das es nach wie vor keine einfachen Lösungen oder Therapien gebe. CFS tritt häufig bei Long-Covid-Erkrankten auf, aber auch in anderen Zusammenhängen.
Die Erforschung der Auswirkungen von Infektionen auf die Gesundheit ist ein Gegenstand der Nako-Gesundheitsstudie eines Netzwerks deutscher Forschungsinstitute. Dies solle dazu beitragen, "neue Wege für Prävention und Versorgung zu eröffnen", erklärte die Vorstandsvorsitzende des Nako-Netzwerks, Annette Peters. An der Nationalen Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen beteiligt sind auch das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM), das als Reaktion auf die Corona-Pandemie gebildet wurde, weitere Forschungseinrichtungen sowie das Bundesgesundheitsministerium.
Der forschungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Florian Müller, warnte allerdings vor überzogenen Erwartungen an das Projekt. "Grundlagenforschung braucht Zeit und Ausdauer. Wir können nicht fest davon ausgehen, dass schon in ein oder zwei Jahren konkrete Ergebnisse vorliegen, die den Betroffenen sofort helfen können", gab er im Redaktionsnetzwerk Deutschland zu bedenken. Wichtig sei aber bereits das Signal, "dass wir das Leid der Betroffenen ernst nehmen" und "uns auf den Weg machen".
Die Betroffenen-Initiative "Long Covid Deutschland" verlangte mehr Akzeptanz und öffentliches Bewusstsein für Erkrankungen wie Long Covid und ME/CFS. "Das würde schon ganz vielen Menschen helfen, denn es handelt sich keineswegs um seltene Erkrankungen, wie vielfach angenommen wir", sagte eine Sprecherin der "Rheinischen Post". Sie verwies auf Schätzungen, wonach in Deutschland rund 650.000 Menschen als Folge einer Virusinfektion an ME/CFS erkrankt sind. Die Sprecherin äußerte die Hoffnung auf "kausale Therapien für möglichst viele Betroffene" und damit "auf soziale, kulturelle und berufliche Teilhabe".
H.Seidel--BTB