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Nach Fischsterben in der Oder: Vollständige Regeneration dauert noch Jahre
Nach dem großen Fischsterben in der Oder im Jahr 2022 als Folge starken Algenwuchses erholen sich die Fisch- und Muschelbestände langsam. Die vollständige Regeneration wird jedoch noch mehrere Jahre dauern, wie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) und das Bundesumweltministerium am Montag in Schwedt mitteilten. In einem aktuellen Bericht empfehlen Experten mehr Renaturierung und die Senkung des Salzgehalts in der Oder.
Die Umweltkatastrophe in der Oder im August 2022 führte zu einem der größten Fischsterben Europas der vergangenen Jahrzehnte. Geschätzt rund 1000 Tonnen Fische sowie große Mengen Muscheln und Wasserschnecken verendeten. Hauptursache war ein stark erhöhter Salzgehalt infolge von Einleitungen aus dem Kohle- und Kupferbergbau auf polnischer Seite. In Verbindung mit geringem Wasserstand, hoher Sonneneinstrahlung und hoher Nährstoffbelastung begünstigte dies eine Massenvermehrung einer giftigen Brackwasseralge.
Unter Federführung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei legten Experten nun die Ergebnisse einer Sonderuntersuchung zu der Umweltkatstrophe vor. Auch wenn sich die Bestände vieler Fischarten in den vergangenen beiden Jahren positiv entwickelt hätten, "werden die früheren Ertragsniveaus aktuell noch nicht wieder erreicht", heißt es in dem Bericht.
Nach Einschätzung der Experten sollte sich der Fischbestand "bis 2027 wieder vollständig erholt haben". Die Fischereierträge würden sich allerdings erst in einigen Jahren erholen, wenn mehr größere Fische herangewachsen sind.
Der Bestand an Großmuscheln sei hingegen weiterhin "massiv beeinträchtigt". Damit fehlten die effektivsten natürlichen Filtrierer, was ein verstärktes Algenwachstum der verschiedensten Arten in der Oder begünstigen dürfte.
Das Forschungsteam empfiehlt eine deutliche Verringerung des Salzgehalts der Oder, ansonsten könnte sich die Katastrophe wiederholen. Ein erhöhter Salzgehalt hatte die Ausbreitung der toxischen Alge entscheidend begünstigt. Zudem raten die Experten zur Wiederherstellung naturnaher Auen, den Anschluss von Nebengewässern und Deichrückverlegungen. Dies stärke die Widerstandskraft der Fischbestände gegenüber klimabedingten und menschengemachten Belastungen.
"Die Umweltkatastrophe in der Oder im Sommer 2022 hat gezeigt, wie verwundbar unsere Gewässer und Auen sind", erklärte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). "Wir sollten alles daransetzen, dass sich ein solches Ereignis hier und in anderen Flüssen nicht wiederholt."
G.Schulte--BTB