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Reisekonzern FTI ist insolvent - Reisen ab Dienstag abgesagt
Der drittgrößte Reisekonzern Europas, FTI, ist insolvent. Die Obergesellschaft des Unternehmens, die FTI Touristik GmbH, stellte am Montag in München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Gebuchte Reisen können voraussichtlich nicht mehr angetreten werden. Für Kunden bereits angetretener Pauschalreisen springt der Deutsche Reisesicherungsfonds ein, wer nur Einzelleistungen wie eine Hotelübernachtung oder einen Mietwagen gebucht hat, fällt allerdings nicht darunter.
Es werde "mit Hochdruck" daran gearbeitet, dass Kunden bereits angetretene Reisen planmäßig beenden können, erklärte FTI. Dies habe "jetzt oberste Priorität". Es sei eine Hotline für Kunden eingerichtet worden, auf der Website ist zudem eine Liste der häufigsten Fragen sowie Informationen zu Ansprechpartnern zu finden. Die Telefonerreichbarkeit war am frühen Montagnachmittag allerdings wegen der vielen Anrufe einschränkt.
Von der Insolvenz und deren Folgen betroffen sind zunächst die Kunden, die Leistungen von FTI Touristik gebucht haben. Dazu gehören die Marke FTI in Deutschland, Österreich und den Niederlanden sowie Angebote wie 5vorFlug oder die Mietfahrzeugmarken DriveFTI und Cars and Camper. Auch wer die FTI-Leistungen über eine Buchungsplattform wie Check24 oder Ab-In-den-Urlaub gebucht hat, ist betroffen. FTI kündigte zudem an, dass weitere Konzerngesellschaften in den kommenden Tagen ebenfalls Insolvenzanträge stellen werden.
Pauschalreisende fallen unter den Schutz des staatlich verwalteten Reisesicherungsfonds (DRSF). Reiseunternehmen sind verpflichtet, in den Fonds einzuzahlen. Dieser soll dann im Insolvenzfall des Reiseanbieters die Erstattung von Vorauszahlungen oder den Rücktransport von Reisenden übernehmen.
FTI war in der Corona-Pandemie in Schieflage geraten und hatte rund 600 Millionen Euro Unterstützung vom Staat erhalten. Die Probleme halten aber offenbar weiterhin an. Laut einem Bericht des "Handelsblatt" tat sich "kurzfristig eine Deckungslücke in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages auf". "Business Insider" zufolge fehlen 75 Millionen Euro - der vor zwei Monaten bei FTI eingestiegene US-Investor Certares habe die Zahlung nicht geleistet, weil FTI keine verlässliche Liquiditätsplanung vorlegen konnte.
Der Reisekonzern erklärte, dass die Buchungszahlen "deutlich" hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien. "Hinzu kam, dass zahlreiche Lieferanten auf Vorkasse bestanden haben." Die Insolvenz sei daher "aus rechtlichen Gründen erforderlich geworden". FTI hat nach eigenen Angaben rund 11.000 Mitarbeiter.
Am Wochenende war noch einmal mit der Bundesregierung verhandelt worden. Diese lehnte die Zahlung weiterer Hilfen jedoch ab. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums nannte "unterschiedliche Gründe - haushalterische, rechtliche, wirtschaftliche". Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums fügte hinzu, dass aus den noch offenen Forderungen des Bundes wohl "nur geringe Rückflüsse" zu erwarten seien.
A.Gasser--BTB