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Studie: Wegen hoher Wohnkosten leben mehr Menschen in Armut
Deutlich mehr Menschen als angenommen fallen in Deutschland unter die Armutsgrenze - sobald ihre Ausgaben fürs Wohnen berücksichtigt werden. Insgesamt 17,5 Millionen Menschen und damit mehr als jeder Fünfte in Deutschland leben in Armut, wie eine am Freitag veröffentlichte Studie des Paritätischen Gesamtverbands zeigt. In Deutschland seien damit 5,4 Millionen mehr Menschen von Armut betroffen als aus den üblichen Statistiken hervorgehe, erklärte der Verband.
Als arm gilt üblicherweise, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Unter diese Grenze fallen den Studienautoren zufolge knapp 12 Millionen Menschen oder 14,4 Prozent der Bevölkerung. Dabei werde aber nicht berücksichtigt, wie viel Geld tatsächlich für das Bestreiten des Lebensalltags übrig bleibt. Viele Haushalte geben demnach bereits mehr als ein Drittel ihres Einkommens für Wohnkosten aus - manche sogar mehr als die Hälfte.
Die sogenannte Wohnarmut berücksichtige erstmals die tatsächlich verfügbaren Einkommen nach Abzug der Warmmiete und der Stromkosten. Von Wohnarmut sind demzufolge 21,2 Prozent der Bevölkerung betroffen. Denn die Mieten sind den Autoren der Studie zufolge gestiegen, Gehälter und Renten aber nicht im gleichen Maße.
In Bremen, Sachsen-Anhalt und Hamburg lebt demnach mehr als jeder Vierte in Wohnarmut. Überproportional sind auch junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 25 Jahren (Armutsquote: 31 Prozent) und ältere Menschen im Alter von über 65 Jahren (27,1 Prozent) betroffen. Ein Drittel der Alleinerziehenden (36 Prozent) und Alleinlebenden (37,6 Prozent) sowie mehr als die Hälfte der Erwerbslosen (61,3 Prozent) leide unter Wohnarmut.
"Wohnen entwickelt sich mehr und mehr zum Armutstreiber", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen, Joachim Rock, zu der Studie. Um Armut zu bekämpfen, brauche es "gute Löhne, bessere soziale Absicherung und eine Wohnungspolitik, die Mieten bezahlbar hält", forderte er.
Die Studie des Verbands berücksichtigt nur Menschen, die in einem eigenen Haushalt leben. Somit tauchen einige Gruppen, die den Forschenden zufolge wahrscheinlich stark von Armut betroffen sind, nicht in der Statistik zu Wohnarmut auf: darunter wohnungslose Menschen, Menschen in Pflegeeinrichtungen oder Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften. Die Studie des Paritätischen Gesamtverbands wertete die Daten des Mikrozensus 2023 des Statistischen Bundesamts aus, für den rund 810.000 Menschen befragt wurden.
F.Müller--BTB