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Verteter von 30 Ländern zu Atomenergie-Gipfel in Paris erwartet
Frankreich will sich auf einem Gipfeltreffen zur Atomenergie am Dienstag in Paris für bessere Finanzierungsmöglichkeiten für neue Reaktoren einsetzen. "Es ist eine der zentralen Herausforderungen sowohl von Entwicklungsbanken als auch von privaten Geldgebern Finanzierungen zu erhalten, um die Entwicklung von Reaktoren und der gesamten Wertschöpfungskette zu ermöglichen", hieß es am Donnerstagabend im französischen Präsidialamt.
Zu dem zweiten Gipfel zur Atomenergie, den Frankreich zusammen mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA organisiert, werden Vertreter von 30 Staaten erwartet. Von den 27 EU-Mitgliedern seien inzwischen 16 Teil eines europäischen Atom-Bündnisses. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen soll die Eröffnungsrede halten, in der es auch um die sogenannten kleinen, modularen Atomreaktoren (SMR) gehen soll, die in mehreren Ländern entwickelt werden. Aus Deutschland wird kein Regierungsvertreter erwartet. Der erste Gipfel dieser Art hatte 2024 am Rande eines EU-Gipfels in Brüssel stattgefunden.
Der Atomenergie-Gipfel solle als dauerhaftes, unumgängliches Treffen zur zivilen Nutzung der Atomkraft etabliert werden, betonte der Elysée. Im vergangenen Jahr habe Frankreich mehr als 70 Prozent seines Stroms aus Atomkraft gewonnen. Im gesamten Energiemix mache Atomkraft in Frankreich fast ein Viertel aus, betonte der Elysée.
Frankreich bekräftigte seine Forderung, "Atomenergie als zentralen Bestandteil der Energiewende anzuerkennen, der zur Dekarbonisierung des gesamten Energiesystems beiträgt und die Energie-Unabhängigkeit stärkt". Es sei außerdem eine Gelegenheit, "die Stärke der französischen Atombranche zu feiern und den Export anzukurbeln".
Der Elysée verwies auf Pläne der EU-Kommission, das Euratom-Rahmenprogramm für den Zeitraum 2028-2034 auf etwa zehn Milliarden Euro aufzustocken. Derzeit gebe es Diskussionen darüber, inwiefern auch der Bau neuer Atomkraftwerke finanziert werden könne, hieß es im Elysée. Dies könnte auch Frankreich betreffen, denn die Regierung hat bereits den Bau von sechs neuen Atomreaktoren angekündigt.
Auf dem Pariser Treffen solle es auch um das auf der Klimakonferenz COP28 in Dubai von etwa 30 Ländern formulierte Ziel gehen, die Atomkapazitäten bis 2050 zu verdreifachen.
Weitere Themen seien die Versorgungssicherheit mit Brennmaterial sowie die "sichere und verantwortungsvolle Handhabung abgebrannter Brennstäbe". Dabei könnte die Frage der anhaltenden französischen Urantransporte durch Russland eine Rolle spielen, die bislang von internationalen Sanktionen ausgenommen sind. Die Umweltorganisation Greenpeace forderte kürzlich deren Einstellung.
Zwei Tage nach dem Gipfeltreffen will Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einen nationalen Rat zur Atompolitik einberufen, der am Atomkraftwerk Penly am Ärmelkanal stattfinden soll. Dort sollen die ersten beiden neuen Reaktoren gebaut werden.
Einen Tag nach dem Atomgipfel jährt sich der katastrophale Reaktorunfall von Fukushima zum 15. Mal. Es war das schlimmste Atomunglück seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986.
T.Bondarenko--BTB