Berliner Tageblatt - Streit um Aus für "Rente mit 63": Frei sieht keinen Verhandlungsspielraum

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Streit um Aus für "Rente mit 63": Frei sieht keinen Verhandlungsspielraum
Streit um Aus für "Rente mit 63": Frei sieht keinen Verhandlungsspielraum / Foto: © AFP

Streit um Aus für "Rente mit 63": Frei sieht keinen Verhandlungsspielraum

Im Streit um die "Rente mit 63" hat Unionsfraktionschef Thorsten Frei Forderungen nach Änderungen an den Reformplänen zurückgewiesen. Bei der geplanten Abschaffung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte sehe er keinen Verhandlungsspielraum, sagte er dem Fernsehsender Welt. Sonst könne die gesamte Rentenreform scheitern. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) betonte am Dienstag, dass es bei den Änderungsforderungen aus Ostdeutschland nicht darum gehe, "die Rentenreform insgesamt infrage zu stellen".

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Frei verwies auf die Vorarbeit der Rentenkommission. Er sehe nicht, "dass wir klüger sein sollten als die Wissenschaftler und Politiker, die in der Alterssicherungskommission mitgearbeitet haben", sagte er. Die Kommission hatte im Juni insgesamt 33 Vorschläge einschließlich der Abschaffung der abschlagsfreien Rente für besonders langjährig Versicherte vorgelegt.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und die SPD-Führung hatten nach Übergabe der Vorschläge erklärt, sie wollten das Paket möglichst eins zu eins umsetzen. Dagegen sprachen sich inzwischen aber mehrere Ministerpräsidenten von CDU und SPD aus. Vor allem aus Ostdeutschland kam heftige Kritik.

Frei zeigte sich im Sender Welt "schon ein bisschen" überrascht, dass sich ostdeutsche CDU-Ministerpräsidenten gegen das Aus der "Rente mit 63" stellten. Der Unionsfraktionschef hofft, die kritischen Länderchefs noch umstimmen zu können, sobald der Referentenentwurf aus dem Bundessozialministerium vorliege.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) präzisierte derweil die Forderungen aus Ostdeutschland nach Änderungen an den Vorschlägen der Rentenkommission. "Es geht nicht darum, die Rentenreform insgesamt infrage zu stellen", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Uns ist wichtig, dass die unterschiedlichen Erwerbsbiografien und Lebensrealitäten in Ostdeutschland in den weiteren Beratungen berücksichtigt werden."

Schulze und die beiden anderen CDU-Ministerpräsidenten in Ostdeutschland - Michael Kretschmer (Sachsen) und Mario Voigt (Thüringen) - hatten gemeinsam gefordert, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren zu erhalten. Sie begründeten dies damit, dass viele Menschen in Ostdeutschland im Alter ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen sind. Auch die SPD-Regierungschefinnen des Saarlands und Mecklenburg-Vorpommerns, Anke Rehlinger und Manuela Schwesig, erteilten inzwischen der Abschaffung der "Rente mit 63" eine Absage.

Der stellvertretende Vorsitzende der Rentenkommission, Pascal Reddig (CDU), warnte allerdings davor, einzelne Bausteine aus der Gesamtreform herauszulösen. "Die abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren kostet die Solidargemeinschaft jährlich einen zweistelligen Milliardenbeitrag und erreicht ihr ursprüngliches Ziel nicht, Menschen in körperlich harten Berufen einen früheren Renteneintritt zu ermöglichen", sagte er den Funke-Zeitungen vom Dienstag. Deshalb habe die Kommission empfohlen, sie durch eine zielgenaue Schutzrente für gesundheitlich belastete Personen zu ersetzen.

"Wenn wir hingegen jetzt die Abschaffung der 'Rente mit 63' aus dem Gesamtpaket herauslösen, kann das ganze Haus der Rentenreform zusammenstürzen", warnte Reddig. Die von der Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen stünden "in Wechselwirkung zueinander und sind nur im ausgewogenen Gesamtpaket langfristig finanzierbar".

Aber auch der CDU-Arbeitnehmerflügel hält Nachbesserungen an den Reformplänen für nötig. Im Gesetzgebungsverfahren müssten "verlässliche Übergangsregeln für besonders langjährig Versicherte" gefunden werden, sagte der Chef der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Dennis Radtke, dem "Kölner Stadt-Anzeiger" vom Dienstag. Notwendig sei auch eine "praktikable Antwort für Menschen in besonders belastenden Berufen".

Zugleich rief Radtke dazu auf, die dritte Stufe der Mütterrente zu stoppen. Es sei "nicht erklärbar, wie wir bei dem Einspardruck jedes Jahr zusätzlich fünf Milliarden ausgeben wollen", sagte der CDA-Vorsitzende. Die CSU hatte durchgesetzt, dass zum 1. Januar 2027 auch für Mütter von Kindern, die vor 1992 geboren sind, drei Jahre Erziehungszeit anerkannt werden.

Die Präsidentin des Verbands der Familienunternehmer, Marie-Christine Ostermann, warnte vor einem Aufweichen der Rentenreform. "Ein Stopp der Abschaffung oder abgemildertes Beibehalten" der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren wäre "gegen jegliche ökonomische Vernunft“, sagte sie den Funke-Zeitungen. "Die Finanzierung unseres Rentensystems ist anders erst recht nicht in den Griff zu bekommen."

K.Brown--BTB