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Türkei: Zahlreiche Festnahmen bei Razzien in Bars und gegen LGBTQ-Organisationen
In der Türkei hat die Polizei am Sonntag Razzien in Kneipen und Wohnungen von LGBTQ-Aktivisten vorgenommen und dabei zahlreiche Menschen festgenommen. Justizminister Akin Gürlek erklärte im Onlinedienst X, in Zusammenarbeit mit den Sicherheitskräften seien "Verfahren gegen 162 Verdächtige, neun Organisationen und 13 Unternehmen in insgesamt 15 Provinzen" eingeleitet worden, darunter die Großstädte Istanbul, Ankara und Izmir. Der LGBTQ-Organisation Kaos GL zufolge wurden "mehr als zehn" ihrer Mitglieder nach Hausdurchsuchungen festgenommen.
Der Justizminister machte keine Angaben zur Zahl der Festgenommenen. Die Razzien seien Teil der Aktion "Meine Familie ist sicher" und im Rahmen des von Präsident Recep Tayyip Erdogan ausgerufenen "Jahrzehnts der Familie" erfolgt, teilte er weiter mit.
In Istanbul nahm die Polizei Razzien in mehreren Schwulenbars und einem Nachtclub vor, der als Zufluchtsort der LGBTQ-Community gilt, wie Videoaufnahmen von regierungsnahen Medien zeigten. Durchsucht wurde auch ein Hammam für Männer, der als Ort der Prostitution gilt.
Nach Angaben der Organisation Kaos GL gab es nicht nur mehr als zehn Festnahmen in ihren Reihen. Es seien auch zahlreiche Websites und Konten in Online-Netzwerken gesperrt worden, teilte sie mit. Die Justizbehörde werfe ihr "Posts mit obszönen Inhalten" auf ihrer Website und in ihren Social-Media-Kanälen vor, die von Kindern eingesehen werden könnten, erklärte Kaos GL.
Insgesamt seien fast 50 LGBTQ-Aktivisten in Gewahrsam genommen worden oder von Gerichtsverfahren betroffen, die Vernehmungen oder Gewahrsam beinhalteten, teilte die Organisation weiter mit.
Auf Antrag der Behörden waren am Samstag die Accounts von Kaos GL und rund ein Dutzend anderer LGBTQ-Organisationen beim Onlinedienst X gesperrt worden. Auch mehrere Websites sowie mehrere Dutzend Konten bei Instagram, Youtube und Facebook wurden blockiert.
Homosexualität ist in der Türkei nicht strafbar, Homophobie jedoch weit verbreitet. Auch Präsident Erdogan schmäht immer wieder Menschen aus der LGBTQ-Gemeinschaft und beschimpft diese als "Perverse". Die Abkürzung LGBTQ steht für Lesben, Schwule, bisexuelle, transgeschlechtliche und queere Menschen.
Die LGBTQ-Gemeinschaft in der Türkei steht häufig im Visier der Behörden. Im Juni sperrten die Behörden rund 40 X-Konten in Verbindung mit feministischen oder LGBTQ-Organisationen. "Die Existenz kann nicht verboten oder begrenzt werden. LGBT+-Rechte sind Menschenrechte!", erklärte Özgul Saki von der prokurdischen, linksgerichteten Partei DEM am Sonntag im Onlinedienst X.
J.Bergmann--BTB