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Kein Aufatmen in Los Angeles: Weitere Stadtviertel von Flammen erfasst
Kein Aufatmen in Los Angeles: Bei den verheerenden Bränden in der US-Millionenmetropole sind nun auch bislang unberührte Viertel von den Flammen erreicht worden. Die Behörden ordneten am Samstag in weiteren Vierteln der US-Millionenmetropole Evakuierungen an. Derweil wuchs angesichts der großen Zerstörungen bei den Feuern mit mindestens elf Todesopfern die Kritik an den Behörden.
Die Evakuierungsanordnungen erfolgten, nachdem sich der größte der Brandherde im Stadtteil Pacific Palisades trotz des massiven Feuerwehreinsatzes weiter in Richtung Osten ausgebreitet hatte. Betroffen war auch das Gebiet, in dem das Kunstmuseum Getty Center liegt. Das berühmte Museum, das teils aus feuerfestem Stein gebaut ist, beherbergt 125.000 Kunstwerke.
Am Freitag hatten sich die kräftigen Winde kurzzeitig abgeschwächt - was Hoffnungen auf ein Nachlassen des Flammeninfernos aufkommen ließ. Doch laut der Katastrophenschutzbehörde Fema sollte der Wind ab Samstag wieder an Fahrt aufnehmen - was angesichts der trockenen Vegetation die Gefahr neuer Brände mit sich bringt.
Ganze Gegenden der zweitgrößten Stadt der USA sind verwüstet: Der jüngsten Bilanz der Brandschutzbehörde zufolge brannten bislang etwa 12.000 Häuser nieder, mehr als 15.000 Hektar Land sind vernichtet.
In Pacific Palisades waren den Behörden-Angaben zufolge am Samstag nur acht Prozent des Feuers - des größten von insgesamt fünf - eingedämmt. Allein in diesem Viertel wurden nach Behördenangaben mehr als 8700 Hektar Fläche zerstört.
Die in Pacific Palisades stehende Villa Aurora, in welcher der deutsche Schriftsteller Lion Feuchtwanger im Exil lebte, schien aber nach wie vor den Flammen standzuhalten. Zum aktuellen Zeitpunkt habe die Villa Aurora durch die Brände "keinen Schaden genommen", teilte der Verein Villa Aurora und Thomas Mann House am Samstag mit. Eine detaillierte Schadensbewertung mit Blick auf die Inneneinrichtung und die Folgen der Rauchentwicklung stehe aber noch aus.
Auch das Thomas Mann House, wo der deutsche Schriftsteller Thomas Mann von 1942 bis 1952 lebte, überstand demnach die Brände bisher unbeschadet. Beide Einrichtungen lägen aber weiterhin in der Gefahrenzone, hieß es.
Seit Dienstag waren rund um die südkalifornische Millionenstadt mehrere große Brände ausgebrochen, die durch starken Wind angefacht wurden und sich explosionsartig ausbreiteten. Mindestens elf Menschen kamen ums Leben, mehr als 180.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, unter ihnen zahlreiche Hollywood-Stars und andere Prominente. Vor den Augen der Helfer und Feuerwehrleute spielten sich apokalyptische Szenen ab.
Angesichts komplett zerstörter Gebäude und Straßenzüge verglich US-Präsident Joe Biden die Stadt mit einem "Kriegsschauplatz". Es gebe eindeutige Beweise für Plünderungen. Wegen der Gefahr durch Plünderer verhängte die Polizei in eine nächtliche Ausgangssperre in den Pacific Palisades sowie Altadena.
Papst Franziskus zeigte sich am Samstag "traurig" über die Verluste an Menschenleben und die Schäden. In einem Telegramm an den Erzbischof von Los Angeles drückte er seine "spirituelle Nähe" zu den von der "Tragödie" Betroffenen aus.
Die Behörden machen vor allem die starken, für den kalifornischen Winter typischen Santa-Ana-Winde sowie die Dürre in der Region für die Brandkatastrophe verantwortlich. Die Winde, welche Geschwindigkeiten von bis zu 160 Stundenkilometern erreichen, fachten die Flammen an und sorgten dafür, dass sich die Feuer rasch ausbreiteten. Diesmal erreichten sie jedoch eine Intensität, wie sie laut Meteorologen seit 2011 nicht mehr vorgekommen war.
Von den Bränden Betroffene machten derweil den Behörden schwere Vorwürfe. "Die Behörden "haben uns völlig im Stich gelassen", sagte Nicole Perri, deren Haus in Pacific Palisades abbrannte, der Nachrichtenagentur AFP. In Altadena auf der anderen Seite der Stadt sagte der Bewohner Nicholas Norman: "Sie haben uns, die einfachen Leute, einfach brennen lassen."
Für Wut sorgten auch Evakuierungsalarme, die fälschlicherweise an Millionen Mobiltelefone geschickt worden waren und Panik bei den Empfängern ausgelöst hatten. Notfallmanager entschuldigten sich daraufhin: "Ich kann gar nicht sagen, wie leid mir das tut", sagte der Direktor des Notfallmanagement-Büros im Bezirk Los Angeles, Kevin McGowan.
Die Feuerwehrchefin der Metropole, Kristin Crowley, verwies auf jüngste Mittelkürzungen. Ihre Abteilung sei chronisch "unterbesetzt" und "unterfinanziert", sagte sie dem Sender KTTV.
Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom ordnete eine "umfassende unabhängige Überprüfung" an, nachdem zu Beginn der Feuer Hydranten trocken geblieben waren. Die anfänglich mangelnde Wasserversorgung nannte er "zutiefst beunruhigend". Der künftige US-Präsident Donald Trump hatte Newsom persönlich für die Katastrophe verantwortlich gemacht. Der Gouverneur lud Trump daraufhin ein, sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen.
O.Bulka--BTB