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Hantavirus auf der "Hondius": WHO-Chef gibt nach Evakuierung noch keine Entwarnung
Nach der Evakuierung der letzten Passagiere vom Kreuzfahrtschiff "Hondius" kann von Entwarnung vorerst keine Rede sein. Während die in ihren Heimatregionen unter Quarantäne gestellten betroffenen vier Deutschen am Dienstag symptomfrei waren, litt ein nach seiner Heimkehr positiv auf das Hantavirus getesteter Spanier unter Fieber und Atemwegsproblemen. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte in Madrid, der Kampf gegen den Virus-Ausbruch sei "noch nicht vorbei". Er mahnte die mehr als 20 betroffenen Länder, die WHO-Empfehlungen zur Eindämmung des potenziell tödlichen Virus umzusetzen.
"Unsere Arbeit ist noch nicht vorbei", sagte Tedros bei einer Pressekonferenz mit dem spanischen Regierungschef Pedro Sánchez. Zwar gebe es kein Anzeichen für den Beginn eines größeren Ausbruchs, betonte der WHO-Chef, der zuvor die Evakuierungsaktion auf Teneriffa beaufsichtigt hatte. "Aber natürlich kann sich die Lage ändern, und angesichts der langen Inkubationszeit des Virus ist es möglich, dass in den kommenden Wochen weitere Fälle auftreten."
Einen Vergleich mit der Corona-Pandemie hatten Tedros und andere Gesundheitsexperten wiederholt zurückgewiesen. Der WHO-Chef ermahnte allerdings alle beteiligten Länder, die Empfehlungen seiner Organisation zur Eindämmung des Hantavirus ernst zu nehmen. "Wir können die Länder nicht verpflichten, unsere Protokolle anzuwenden", sagte er. Er hoffe aber, "dass sie den Ratschlägen und Empfehlungen folgen, die wir machen".
Die WHO empfiehlt bei Hantavirus-Verdacht angesichts der bis zu sechs Wochen dauernden Inkubationszeit eine 42-tägige Isolation in einer Quarantäne-Einrichtung oder zu Hause. Das bedeutet, dass die Betroffenen bis zum 21. Juni jeden Kontakt zu anderen Menschen meiden sollen.
Die meisten betroffenen Länder wollen dieser Empfehlung offenbar folgen. Der derzeitige Chef der US-Gesundheitsbehörde CDC, Jay Bhattacharya, hatte allerdings erklärt, die heimgekehrten US-Passagiere würden nicht zwangsläufig unter Quarantäne gestellt. Angesichts unterschiedlicher nationaler Vorgaben forderte der französische Gesundheitsminister Sébastien Lecornu eine "direktere Koordination" innerhalb der EU und des Schengenraums, um "eventuelle Übertragungsketten zu durchbrechen".
An Bord der "Hondius" war es während einer Kreuzfahrt von Argentinien zu den Kapverden zu einem Hantavirus-Ausbruch gekommen, drei Passagiere starben. Bei zwei von ihnen wurde das Virus nachgewiesen, bei dem dritten Todesopfer gilt eine Hantavirus-Infektion nach Angaben der WHO als wahrscheinlich. Bei insgesamt sieben weiteren inzwischen evakuierten Insassen der "Hondius" wurde das Virus laut WHO bestätigt, bei einem weiteren Fall gilt eine Infektion als "wahrscheinlich".
Das Bundesgesundheitsministerium hatte am Montag erklärt, alle vier von Bord des Kreuzfahrtschiffs geholten deutschen Passagiere seien "vollständig ohne Symptome". Sie trafen mittlerweile in ihren Heimatregionen ein. Die Betroffenen aus Baden-Württemberg, Berlin und Sachsen wurden in häusliche Quarantäne gebracht, wie die jeweiligen Behörden am Dienstag mitteilten. Ein Mensch aus Bayern wurde den Angaben zufolge zunächst in eine Münchner Klinik eingeliefert. Die Versorgung und weitere Beobachtung erfolge in einem isolierten Schleusenzimmer mit Unterdruck. Der Betroffene zeige "keine Hinweise auf eine aktive Hantavirusinfektion" und sei in einer stabilen klinischen Verfassung, hieß es vom bayerischen Landesgesundheitsamt in Erlangen.
Ein Spanier, der kurz nach seiner Evakuierung positiv auf das Hantavirus getestet wurde, hat mittlerweile Atemwegsbeschwerden und leichtes Fieber entwickelt, wie das spanische Gesundheitsministerium erklärte. Ein zweiter Test fiel ebenfalls positiv aus. Bei den übrigen 13 spanischen "Hondius"-Passagieren, die mit dem mittlerweile Erkrankten zur Isolation in ein Militärkrankenhaus in Madrid gebracht worden waren, wurde das Virus dagegen nicht nachgewiesen.
Bei dem Virusstamm im Fall der "Hondius" handelt es sich um das Andesvirus, den einzigen Hantavirusstamm, der nachweisbar von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Gegen das Hantavirus gibt es keine Impfung, bei einer Infektion können nur die Symptome und nicht die Ursache behandelt werden.
Spanien hatte die Evakuierung der "Hondius" ermöglicht, indem das Schiff am Sonntag vor der Kanareninsel Teneriffa ankern durfte. Alle Passagiere sowie ein Großteil der Besatzung, insgesamt gut 120 Menschen, wurden von Bord geholt. Die letzten Evakuierungsflüge fanden am Montag statt.
Spaniens Regierungschef Sánchez lobte die gelungene Evakuierungsaktion als Beweis der internationalen Solidarität seines Landes. "Die Welt braucht nicht noch mehr Egoismus oder noch mehr Angst", sagte er bei der Pressekonferenz mit Tedros.
Die "Hondius" hat ihre Fahrt mit 25 Besatzungsmitgliedern sowie einem Arzt und einer Krankenschwester an Bord mittlerweile fortgesetzt. Nach Angaben des Kreuzfahrtunternehmens Oceanwide Expeditions wird das Schiff am Sonntagabend in Rotterdam erwartet. An Bord ist auch die Leiche einer Deutschen, die am 2. Mai an den Folgen einer Hantavirus-Infektion gestorben war.
A.Gasser--BTB