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Kiew dementiert russisches Vorrücken in der Ostukraine
Kiew hat Berichte über ein Vorrücken russischer Truppen nahe der Stadt Wuhledar in der ostukrainischen Donezk-Region dementiert. Der "Feind" sei mit "Schusswaffen und Artillerie" getroffen und zum Rückzug gezwungen worden, sagte der für die Region zuständige Militärsprecher Jewgen Jerin am Montag der Nachrichtenagentur AFP. "Wir haben unsere Stellungen nicht eingebüßt", fügte er hinzu. Bei Angriffen auf Charkiw und Cherson am Sonntag wurden nach ukrainischen Angaben mindestens vier Menschen getötet.
Der pro-russische Separatistenführer Denis Puschilin hatte im russischen Fernsehen verkündet, "unsere Einheiten rücken weiter in Richtung Wuhledar vor". Demnach sollen die russischen Einheiten Stellungen im Osten der Stadt bezogen haben. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, seine Soldaten hätten "vorteilhaftere Stellungen" in Wuhledar eingenommen und den ukrainischen Streitkräften Verluste zugefügt.
Beide Seiten hatten in der vergangenen Woche von erbitterten Kämpfen um Wuhledar berichtet. Die Bergbau-Stadt mit ihren einst rund 15.000 Einwohnern liegt etwa 150 Kilometer südlich von Bachmut, das seit Wochen heftig umkämpft ist. Auch auf die Städte Pokrowsk und Kurachowe in der Region Donezk hatten die russischen Truppen zuletzt den Druck erhöht.
Die komplette Einnahme der Region Donezk ist eines der wesentlichen Kriegsziele Russlands in der Ukraine. Die Regionen Donezk und Luhansk bilden zusammen die Region Donbass, die bereits seit 2014 von pro-russischen Separatisten teilweise besetzt ist. Der Donbass ist wegen seiner Rohstoffe und Industrie von großer wirtschaftlicher Bedeutung.
Bei einem russischen Luftangriff auf ein Wohngebäude in der ostukrainischen Stadt Charkiw wurde am Sonntag nach Behördenangaben eine Frau getötet. In der südukrainischen Stadt Cherson wiederum wurden nach Angaben örtlicher Behörden durch russische Luftangriffe drei Menschen getötet und sechs weitere verletzt.
In der südukrainischen Region Saporischschja wurden zudem vier Menschen bei einem Angriff auf eine Eisenbahnbrücke getötet, wie ein von Russland eingesetzter Vertreter mitteilte. Er machte die Ukraine für den Angriff verantwortlich. An der Front im Süden der Ukraine war es zuletzt deutlich ruhiger gewesen als im Osten, nachdem Moskau im November seine Truppen aus der Stadt Cherson abgezogen hatte.
Russland hatte die Regionen Saporischschja, Donezk und Cherson sowie eine weitere Region in der Ostukraine vor vier Monaten für annektiert erklärt, ohne allerdings diese Gebiete vollständig zu kontrollieren.
Polen kündigte am Montag angesichts des fortdauernden Ukraine-Kriegs an, seinen Verteidigungsetat auf vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erhöhen. Nach Angaben der Nato gab Polen im vergangenen Jahr bereits mehr als 2,4 Prozent seines BIP für die Verteidigung aus.
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg forderte während einer Asienreise Südkorea dazu auf, die Ukraine militärisch stärker zu unterstützen und sein Verbot des Exports von Waffen in Konfliktgebiete zu überdenken. Es bestehe "ein dringender Bedarf an mehr Munition", sagte Stoltenberg in Seoul.
Wegen der möglichen Teilnahme russischer Athleten an den Olympischen Sommerspielen im kommenden Jahr bezeichnete der ukrainische Präsidentenberater Michailo Podoljak unterdessen das Internationale Olympische Komitee (IOC) als "Förderer von Krieg, Mord und Zerstörung".
Das IOC prüft eigenen Angaben zufolge einen "Pfad" für Russen, an den Spielen in Paris teilzunehmen, wahrscheinlich als neutrale Athleten. Poduljak erklärte im Onlinedienst Twitter, eine solche Lösung würde Russland "eine Plattform bieten, für Völkermord zu werben". Dem IOC-Präsidenten Thomas Bach warf er indirekt Bestechlichkeit vor.
J.Fankhauser--BTB