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Militärkoalition weist Verantwortung für Tod von 70 Menschen im Jemen zurück
Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition hat die Verantwortung für den Tod von mindestens 70 Menschen bei einem Luftangriff auf ein Gefängnis im Jemen zurückgewiesen. Sie habe den Angriff in der jemenitischen Rebellenhochburg Saada nicht ausgeführt, erklärte die Militärkoalition am Samstag. Eine "gründliche" Prüfung der Informationen Berichte habe ergeben, dass entsprechende Vorwürfe "unbegründet" seien, sagte ein Sprecher der Militärkoalition laut der saudiarabischen Nachrichtenagentur SPA.
Ungeachtet dessen stehe das Gefängnis nicht auf einer Liste verbotener Angriffsziele des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten im Jemen (Ocha), hieß es in der Mitteilung weiter. Es sei auch nicht vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gemeldet worden.
Nach Angaben von acht im Jemen tätigen Hilfsorganisationen wurde das Gefängnis als Sammellager für Flüchtlinge genutzt. Sie seien "entsetzt" über den Tod von mehr als 70 Menschen, erklärten die Organisationen. Unter den Toten seien Migranten, Frauen und Kinder, "die in einer himmelschreienden Missachtung des Lebens von Zivilisten" getötet worden seien.
Bei dem Luftangriff auf das Gefängnis waren nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen mindestens 70 Menschen getötet und fast 140 weitere verletzt worden. Die Huthi-Rebellen machten die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition dafür verantwortlich. Sie veröffentlichten Videoaufnahmen, die mutmaßlich verstümmelte Leichen in den Trümmern der Haftanstalt zeigten. Sie warfen der Militärkoalition vor, in Saada ein "Verbrechen" begangen zu haben.
Wenige Stunden zuvor waren bei einem Angriff der Militärkoalition, die im Jemen gegen die schiitischen Huthi-Rebellen kämpft, auf die Hafenstadt Hodeida drei Kinder getötet worden. "Die Kinder spielten Berichten zufolge auf einem nahe gelegenen Fußballplatz, als die Raketen einschlugen", teilte die Organisation Save the Children mit.
Im Jemen herrscht seit 2015 Krieg zwischen den von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen arabischen Staaten unterstützten Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi und den Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden. Am Montag hatten die Huthis erstmals die Vereinigten Arabischen Emirate angegriffen und drei Menschen getötet. Die Militärkoalition flog daraufhin Vergeltungsangriffe, bei denen mindestens 14 Menschen im Jemen getötet wurden.
Der UN-Sicherheitsrat trat am Freitag auf Antrag der Vereinigten Arabischen Emirate wegen des Angriffs vom Montag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Einstimmig verurteilten die Ratsmitglieder die "abscheulichen Terroranschläge" der Huthis in Abu Dhabi. Die norwegische UN-Botschafterin Mona Juul bezeichnete jedoch auch die jüngsten Angriffe im Jemen als "nicht akzeptabel". Norwegen hat derzeit den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat inne.
US-Außenminister Antony Blinken rief angesichts von "mehr als 100 Opfern in den vergangenen Tagen" alle Konfliktparteien zur "Deeskalation" auf.
UN-Generalsekretär António Guterres forderte ein Ende der "Eskalation" des Jemen-Konflikts. Er verurteilte die Luftangriffe in Saada und Hodeida ebenso wie den Drohnenangriff der Huthi-Rebellen. Er erinnert alle Konfliktparteien daran, "dass Angriffe auf Zivilisten und die zivile Infrastruktur durch das humanitäre Völkerrecht verboten sind".
H.Seidel--BTB