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Erneut Luftangriffe im Gazastreifen - Kämpfe vor allem im Norden
Die israelische Armee hat im Kampf gegen die radikalislamische Hamas erneut Luftangriffe auf den Gazastreifen verübt, insbesondere im Norden des Palästinensergebietes. Wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete, gab es in der Nacht zum Sonntag zahlreiche Bombardements in mehreren Gebieten, darunter die Stadt Gaza im Norden des Gazastreifens sowie Rafah und Chan Junis im Süden.
Auch eine Bodenoffensive, welche die israelische Armee am Donnerstag in Schudschaija, einem Viertel von Gaza, begonnen hatte, wurde fortgesetzt, wie Ärzte und Augenzeugen berichteten. Am Vortag hatte die israelische Armee mitgeteilt, dass sie bei dem Einsatz "mehrere Terroristen eliminiert" sowie mit Sprengfallen versehene Kampfgebiete durchsucht und Waffen beschlagnahmt habe. Die Luftwaffe habe "dutzende" Ziele mit Infrastruktur der islamistischen Kämpfer beschossen.
Wegen der Kämpfe flohen bereits zehntausende Menschen aus dem Viertel. Nach Schätzungen des UN-Büros für humanitäre Angelegenheiten (Ocha) wurden seit Donnerstag 60.000 bis 80.000 Menschen aus Schudschaija vertrieben.
Mitarbeiter des Nasser-Krankenhauses in Rafah gaben derweil an, dass bei einem Luftangriff auf das Haus einer Familie sechs Menschen getötet worden seien. Augenzeugen sprachen überdies von Artilleriebeschuss in südlichen Gebieten von Rafah.
Der Krieg im Gazastreifen hält nun seit fast neun Monaten an. Ausgelöst worden war er durch einen beispiellosen Angriff von Kämpfern der Hamas und anderer militanter Palästinensergruppen am 7. Oktober auf Israel. Dabei waren nach israelischen Angaben 1195 Menschen getötet und 251 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt worden. 116 befinden sich nach wie vor in der Gewalt der Hamas, 42 von ihnen sind laut der israelischen Armee bereits tot.
Als Reaktion auf den Überfall geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums vom Sonntag, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden dabei bislang mehr als 37.800 Menschen getötet.
Die israelische Regierung steht wegen des Gaza-Kriegs unter Druck. Am Samstagabend forderten in Tel Aviv erneut tausende Demonstrierende die Regierung auf, mehr für die Freilassung der Geiseln zu tun. Sie forderten zudem vorgezogene Neuwahlen.
Die 26-jährige Noa Argamani, die am 8. Juni von israelischen Spezialkräften aus der Gefangenschaft im Gazastreifen befreit worden war, wandte sich in einer Videobotschaft an die Protestteilnehmer. "Auch wenn ich heimgekehrt bin, dürfen wir die Geiseln, die immer noch in Hamas-Gefangenschaft sind, nicht vergessen und wir müssen alles Menschenmögliche tun, um sie nach Hause zurückzubringen", sagte die frühere Geisel.
S.Keller--BTB