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Regierung in Venezuela meldet landesweiten Stromausfall und spricht von "Sabotage"
In Venezuela ist am Freitag nach Angaben der Regierung nahezu flächendeckend der Strom ausgefallen. "Alle 24 Bundesstaaten melden einen vollständigen oder teilweisen Ausfall der Stromversorgung", sagte Kommunikationsminister Freddy Ñáñez dem Sender VTV. Er machte einen "Sabotageakt gegen das nationale Stromnetz" dafür verantwortlich. Rund einen Monat nach der Präsidentschaftswahl drohte die Justiz dem untergetauchten Oppositionskandidaten Edmundo González Urrutia derweil mit einem Haftbefehl.
Der Stromausfall weckte Erinnerungen an einen tagelangen Zusammenbruch der Stromversorgung im Jahr 2019 und ereignete sich inmitten der Proteste gegen die Wiederwahl von Staatschef Nicolás Maduro, dessen Sieg bei der Wahl am 28. Juli von den Behörden trotz fehlender Wahlunterlagen bestätigt wurde.
Kommunikationsminister Ñáñez sprach von einer "neuen Sabotage" der Elektrizität. Die Regierung wisse, was es sie seit 2019 gekostet habe, das nationale Stromnetz wiederherzustellen. Später gab Innenminister Diosdado Cabello im Fernsehen bekannt, dass die Stromversorgung langsam wieder anlaufe. Einige Bezirke der Hauptstadt Caracas würden allmählich wieder mit Elektrizität versorgt. Die Regierung tue "alles in ihrer Macht Stehende, um die Stromversorgung so schnell wie möglich wieder herzustellen".
In einem Wohngebiet im Osten von Caracas wurde der Strom wieder eingeschaltet, nicht aber im Stadtzentrum, wie AFP-Journalisten berichteten. Auch in den Bundesstaaten Táchira im Südwesten und Mérida im Westen des Landes kehrte die Stromversorgung am Freitag teilweise zurück, wie AFP-Journalisten feststellten.
Innenminister Cabello machte erneut Sabotage durch die Opposition für den Stromausfall verantwortlich. Die Oppositionsanhänger hätten "ihre Ziele nicht erreicht", sagte der Minister, der als einer der mächtigsten Politiker des Landes gilt. Einen Monat nach der Präsidentschaftswahl stehe das Land nicht "in Flammen". "Im Gegenteil, das Land befindet sich in einem (Zustand der) völligen Ruhe."
"Alles ist unter Kontrolle", versicherte auch Verteidigungsminister Vladimir Padrino López. Er fügte hinzu, dass die Streitkräfte "auf dem gesamten Staatsgebiet stationiert" seien.
Die Menschen in dem südamerikanischen Land leiden regelmäßig unter Stromausfällen. Im März 2019 hatte ein gigantischer Ausfall Venezuela fünf Tage lang lahmgelegt. Die Regierung von Präsident Nicolás Maduro macht immer wieder ihre innenpolitischen Gegner und die USA, denen sie Umsturzversuche vorwirft, für die Störungen verantwortlich.
Die Opposition und Experten hingegen führen die Stromausfälle auf Korruption, mangelnde Investitionen und schlechte Verwaltung zurück. Der heruntergekommene Zustand der Infrastruktur hat sich wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise weiter verschärft.
Venezuelas Wirtschaft ist innerhalb eines Jahrzehnts um 80 Prozent geschrumpft. Rund sieben Millionen Venezolaner sind aus ihrem Land geflüchtet.
Die Präsidentschaftswahl vor einem Monat hatte die Spannungen in dem südamerikanischen Land weiter verschärft. Maduro wurde trotz fehlender Wahlunterlagen vom weitgehend regierungstreuen Obersten Gericht zum Sieger erklärt. Die Opposition spricht von Wahlbetrug und organisierte Massenproteste gegen den Staatschef.
Bei den Demonstrationen wurden nach Angaben der venezolanischen Generalstaatsanwaltschaft mindestens 27 Menschen getötet und fast 200 weitere verletzt. Die Behörden nahmen offiziellen Angaben zufolge 2400 Demonstranten fest.
Die Opposition ist vom haushohen Sieg ihres Kandidaten González Urrutia überzeugt. Der 74-Jährige sollte am Freitag zu einer Anhörung vor Gericht erscheinen. Die Staatsanwaltschaft drohte dem mittlerweile untergetauchten Oppositionspolitiker am Donnerstag mit einem Haftbefehl, sollte er auch seine dritte Vorladung ignorieren. Die Behörde hatte die Vorladungen mit der Veröffentlichung angeblich falscher Ergebnisse der Präsidentschaftswahl begründet. Es war unklar, ob das Verfahren nach dem Stromausfall fortgesetzt wird.
L.Dubois--BTB