Berliner Tageblatt - Kalabrien verschenkt leerstehende Häuser zur Bekämpfung der Abwanderung

Kalabrien verschenkt leerstehende Häuser zur Bekämpfung der Abwanderung
Kalabrien verschenkt leerstehende Häuser zur Bekämpfung der Abwanderung

Kalabrien verschenkt leerstehende Häuser zur Bekämpfung der Abwanderung

Im Kampf gegen die anhaltende Abwanderung und den demografischen Wandel startet die italienische Region Kalabrien ein Pilotprojekt: Fünfzig leerstehende Häuser werden potenziellen Bewohnern zur kostenlosen Nutzung überlassen. Die Regionalregierung übernimmt dabei die gesamten Kosten für die notwendigen Renovierungsarbeiten, um die Dörfer wieder zu beleben.

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Die italienische Region Kalabrien hat ein ungewöhnliches Pilotprojekt zur Bekämpfung der Landflucht gestartet. Fünfzig leerstehende Immobilien in sieben Gemeinden werden potenziellen Bewohnern zur kostenlosen Nutzung angeboten. Im Rahmen der Initiative „Ripopola Calabria“ („Kalabrien wieder besiedeln“) übernimmt die Regionalregierung nicht nur die Miete, sondern finanziert auch die vollständige Sanierung der Objekte aus Geldern des Entwicklungs- und Kohäsionsplans.

Regionalpräsident Roberto Occhiuto wirbt mit dem Slogan: „Kommt nach Kalabrien und lebt in unseren Dörfern für null Euro.“ Die Häuser werden jedoch nicht verschenkt. Den ausgewählten Bewerbern wird das Recht eingeräumt, zehn Jahre lang kostenlos in den Objekten zu wohnen. Zentrale Voraussetzung ist, dass die neuen Bewohner ihren dauerhaften Wohnsitz tatsächlich in die Region verlegen und dort leben.

Die angebotenen Immobilien befinden sich im Besitz der teilnehmenden Gemeinden. Viele dieser Gebäude sind ungenutzt und bedürfen zunächst umfassender Renovierungsarbeiten. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die Häuser modernen Anforderungen an Sicherheit, Wohnkomfort und Energieeffizienz entsprechen. Die verfügbaren Wohnflächen können bis zu 140 Quadratmeter betragen.

Das Angebot richtet sich ausdrücklich an Menschen, die bislang nicht in Kalabrien leben; auch Ausländer können sich bewerben. Besonders berücksichtigt werden sollen junge Paare, Familien und Berufstätige. Die Vergabe der Häuser erfolgt über öffentliche Auswahlverfahren mit Ranglisten für die einzelnen Immobilien. Auf der Website ripopola.regione.calabria.it sind die genauen Orte und die Eigenschaften der angebotenen Häuser detailliert beschrieben.

Die Initiative zielt darauf ab, Schulen, Geschäfte und lokale Dienstleistungen in den Gemeinden am Leben zu erhalten und die wirtschaftliche Aktivität wieder anzukurbeln. Kalabrien kämpft seit Jahrzehnten mit Abwanderung und Überalterung. Vor allem junge Menschen und gut ausgebildete Akademiker verlassen die Region, um im wirtschaftlich stärkeren Norden Italiens oder in Mittel- und Nordeuropa bessere berufliche Perspektiven zu finden.

Gleichzeitig sinken die Geburtenzahlen. Immer mehr kleine Gemeinden verlieren Einwohner, Geschäfte schließen, Schulen geraten in Gefahr und historische Ortskerne drohen zu verwaisen. Dabei hat Kalabrien als südlichste Festlandregion Italiens viel zu bieten. Sie liegt an der Spitze des Stiefels und wird von zwei Meeren umgeben: dem Tyrrhenischen im Westen und dem Ionischen im Osten.

Türkisblaues Wasser, spektakuläre Steilküsten und lange Sandstrände wechseln sich mit bewaldeten Bergen, Olivenhainen und malerischen Dörfern ab. An der Küste locken bekannte Urlaubsorte wie Tropea, Scilla und Capo Vaticano. Im Landesinneren prägen historische Ortskerne, enge Gassen, alte Steinhäuser und lebendige Dorfplätze das Bild. Viele Gemeinden haben ihren ursprünglichen Charakter bewahrt.

Hinzu kommen das mediterrane Klima, eine traditionsreiche Küche und zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern und Schwimmen. Wer dem hektischen Großstadtleben entkommen möchte, findet hier vielerorts Ruhe, Natur und ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl. Gerade für Familien oder Menschen, die ortsunabhängig arbeiten können, könnte das Angebot der Region deshalb attraktiv sein.

D.Schneider--BTB