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"Eine der schrecklichsten Attacken" auf Kiew: Zehn Tote und Dutzende Verletzte
Russland hat Kiew in der Nacht zum Dienstag mit massiven Drohnen-Angriffen überzogen. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj handelte es sich um "eine der schrecklichsten Attacken" auf die Hauptstadt. Das Innenministerium korrigierte indes die Zahl der Todesopfer von 16 auf zehn herab. Auf diplomatischer Ebene gab es einen Rückschlag für die Ukraine: Das geplante Treffen Selenskyjs mit US-Präsident Donald Trump am Rande des G7-Gipfels in Kanada platzte, da Trump vorzeitig abreiste.
Laut den Angaben des Innenministeriums von Dienstagabend wurden bei den Drohnen- und Raketenangriffen mindestens zehn Menschen getötet und nicht 16, wie zuvor angegeben. Bei Rettungsarbeiten könnten mehrere Teile einer Leiche zunächst fälschlicherweise als unterschiedliche Todesopfer gezählt werden, erklärte Innenminister Ihor Klymenko die nach unten korrigierte Zahl. Gleichzeitig warnte er, dass sich "noch Menschen unter den Trümmern" befänden und die Rettungsarbeiten andauerten.
Dem Innenministerium zufolge wurden in Kiew insgesamt 27 Ziele in verschiedenen Bezirken getroffen, darunter Wohngebäude, Bildungseinrichtungen und wichtige Infrastruktur. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, von den insgesamt 114 Verletzten seien 68 ins Krankenhaus eingeliefert worden.
Zuvor hatte Klitschko mitgeteilt, in einem Gebäude im Stadtbezirk Solomyanskyj sei durch den Beschuss ein 62-jähriger US-Bürger gestorben. Die russischen Drohnen hätten die Hauptstadt "aus drei Richtungen" angegriffen. In mehreren Vierteln von Kiew seien Feuer ausgebrochen.
"Das war nach meiner Erinnerung wahrscheinlich die höllischste Nacht in unserem Viertel", sagte die 20-jährige Studentin Alina Schtompel der Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben des ukrainischen Energieunternehmens DTEK wurden mehr als tausend Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten.
Selenskyj erklärte, der gesamte Abschnitt eines Häuserblocks sei zerstört worden. Helfer seien im Einsatz, um Verschüttete retten. Es sei noch unklar, wie viele Menschen unter den Trümmern eingeschlossen seien, fügte er hinzu.
Mit "mehr als 440 Drohnen und 32 Raketen" sei es "eine der schrecklichsten Attacken" auf die ukrainische Hauptstadt gewesen, erklärte der ukrainische Staatschef. Der russische Präsident Wladimir Putin wolle, "dass der Krieg weiter geht", Russland betreibe mit seinen Angriffen "puren Terrorismus".
Später sagte Selenskyj, die massive Attacke zeige die Notwendigkeit für mehr Unterstützung für die Ukraine. "Unsere Familien hatten eine sehr schwere Nacht. Es war einer der schwersten Angriffe seit Beginn des Krieges", sagte Selenskyj bei einem Treffen mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney auf dem G7-Gipfel in Kanada. "Das ist eine große Tragödie für uns, und wir brauchen die Unterstützung unserer Verbündeten."
Laut Selenskyj wurden in der Ukraine auch andere Regionen angegriffen. Die örtlichen Behörden meldeten jeweils einen Toten aus der südukrainischen Hafenstadt Odessa, der südlichen Region Cherson und der nördlichen Region Sumy.
Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte hingegen, die russische Armee habe in der Nacht Militär- und Industriestandorte in den Regionen Kiew und Saporischschja beschossen. Außerdem habe sie zwischen Montagabend und Dienstagmorgen 198 ukrainische Drohnen "abgefangen und zerstört".
Der Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, Andrij Jermak, warf der "zivilisierten Welt" vor, nicht angemessen auf Russlands "Krieg gegen Zivilisten" zu reagieren. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha warf Putin vor, er habe die Angriffe "bewusst mitten während des G7-Gipfels" befohlen, um die dort versammelten führenden Industrienationen "schwach" aussehen zu lassen.
Bemühungen um eine Waffenruhe in der Ukraine sind bislang gescheitert. Bei den jüngsten Gesprächen mit einer ukrainischen Delegation in Istanbul hatte Moskau entsprechende Forderungen zurückgewiesen und die Ukraine stattdessen aufgefordert, große Landesteile an Russland abzutreten und ihre Pläne für einen Nato-Beitritt zu begraben.
Selenskyj hatte am Rande des G7-Gipfels mit Trump über den Ukraine-Krieg und den Kauf militärischer Ausrüstung aus den USA sprechen wollen. Der US-Präsident verließ das Treffen am Montag jedoch vorzeitig - nach Angaben des Weißen Hauses wegen des massiven militärischen Konflikts zwischen Israel und dem Iran.
Zur Forderung nach schärferen Sanktionen gegen Russland hatte er zuvor gesagt: "Sanktionen kosten uns viel Geld." Der US-Präsident will in dieser Frage lieber die Europäer "vorangehen" lassen.
S.Keller--BTB