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Iran-Krieg: Gegenseitige Angriffe gehen weiter - Israel will im Libanon vorrücken
Ungeachtet der Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump zu Gesprächen mit dem Iran sind die gegenseitigen Angriffe im Nahost-Krieg mit unverminderter Härte fortgesetzt worden. In der israelischen Küstenmetropole Tel Aviv traf am Dienstag ein iranisches Geschoss ein Gebäude. Die israelische Luftwaffe flog nach eigenen Angaben eine weitere Angriffswelle auf den Iran - und will im Kampf gegen die Hisbollah im Libanon nun das südliche Grenzgebiet bis zum Fluss Litani unter seine Kontrolle bringen. In Berlin bezeichnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Krieg gegen den Iran als "völkerrechtswidrig".
In Tel Aviv schlug nach Berichten mehrerer israelischer Medien Bestandteil von Streumunition mit hunderten Kilo schweren Sprengköpfen in einem dreistöckigen Gebäude ein. Auf Aufnahmen der Nachrichtenagentur AFP waren Trümmer auf den Straßen rund um das Gebäude zu sehen. Auch weitere Orte in der Stadt wurden getroffen, nach Angaben des israelischen Rettungsdiensts Magen David Adom wurden vier Menschen verletzt. Die Polizei erklärte, ihre Einsatzkräfte sowie Experten für Minenräumung seien an den Einschlagsorten unterwegs.
Das iranische Staatsfernsehen hatte zuvor einen erneuten Raketenangriff auf Israel bekanntgegeben - und erklärt, mehrere der Raketen hätten Israels Abwehrsysteme überwunden.
Im Iran wurden einem Bericht der Nachrichtenagentur Fars zufolge mehrere Einrichtungen der Energieinfrastruktur bei Angriffen durch die USA und Israel getroffen. Demnach wurden unter anderem in der zweitgrößten Stadt Isfahan ein Verwaltungsgebäude und eine Gasdruckregelstation "teilweise beschädigt". Zudem sei eine Erdgas-Pipeline im Kraftwerk Chorramschar im Südwesten des Irans an der Grenze zum Irak attackiert worden.
Der Iran ernannte unterdessen rund eine Woche nach dem Tod des mächtigen Sicherheitsratschefs Ali Lardischani einen Nachfolger. Nach Angaben des Staatsfernsehen steht nun Mohammad Bagher Solghadr dem Obersten Nationalen Sicherheitsrat vor. Er ist ein früherer Kommandeur der Revolutionsgarden und ein langjähriger Vertrauter Laridschanis.
Im Libanon attackierte Israel im Kampf gegen die vom Iran finanzierte Hisbollah-Miliz erneut mehrere Vororte der Hauptstadt Beirut - sowie erstmals die Ortschaft Bschamun in der von Drusen bevölkerten Region Aley. Dort wurden laut dem libanesischen Gesundheitsministerium zwei Menschen getötet.
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz kündigte an, die Armee wolle im Südlibanon die Kontrolle über das Gebiet bis zum Fluss Litani übernehmen. Die aus dem Südlibanon vertriebenen hunderttausenden Bewohner dürften nicht in das libanesische Gebiet südlich des Flusses zurückkehren, bis die Sicherheit für die Bewohner im Norden Israels "garantiert" sei, sagte Katz beim Besuch eines Militärstützpunkts.
Der Fluss Litani spielt seit Jahren eine wichtige Rolle bei den israelischen Bemühungen, die libanesische Hisbollah-Miliz zurückzudrängen. Die Regierung in Beirut hatte im vergangenen Jahr die Armee angewiesen, bis Ende 2025 die militärische Infrastruktur der Hisbollah südlich des Litani zu zerstören und die pro-iranische Miliz anschließend auch im Rest des Landes zu entwaffnen.
Aus Israels Sicht setzte die libanesische Armee dieses Vorhaben jedoch nur unzureichend um. Bereits Ende des vergangenen Jahres verstärkte die israelische Armee ihre Angriffe auf die Hisbollah. Nach Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar eskalierte der Konflikt zwischen Israel und der vom Iran finanzierten Miliz dann wieder massiv.
Die libanesische Regierung wies unterdessen den iranischen Botschafter im Land aus - wegen des Vorwurfs, er übe Einfluss auf die Hisbollah aus. Der libanesische Regierungschef Nawaf Salam hatte Teheran zuvor vorgeworfen, die pro-iranische Hisbollah-Miliz im Libanon zu befehligen.
In Deutschland äußerte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterdessen scharfe Kritik am Krieg Israels und der USA gegen den Iran. "Dieser Krieg ist völkerrechtswidrig - daran gibt es wenig Zweifel", sagte Steinmeier in seiner Festrede zum 75. Jahrestag der Wiedergründung des Auswärtigen Amts in Berlin. Steinmeier sprach zudem von einem "politisch verhängnisvollen Fehler". Mit seinen Äußerungen schlug er einen deutlich schärferen Ton an als die Bundesregierung.
Die USA und Israel hatten Ende Februar mit Luftangriffen auf den Iran begonnen. Bereits am ersten Tag des Iran-Krieges wurden der oberste Führer Ayatollah Ali Chamenei und weitere Mitglieder der iranischen Führung getötet. Teheran reagiert seither mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, auf mehrere Golfstaaten sowie US-Einrichtungen in der Region.
Mehrfach vom Iran attackiert wurde das gegenüber am Persischen Golf gelegene Katar. Das katarische Außenministerium beklagte vor diesem Hintergrund am Dienstag den "Zusammenbruch der Sicherheitsarchitektur in der Golfregion". Beim UN-Menschenrechtsrat in Genf beantragte Bahrain für Mittwoch eine Sondersitzung zu den iranischen Angriffen auf die Golfstaaten und ihren Folgen für Zivilisten.
A.Gasser--BTB