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Zehntägige Waffenruhe zwischen Libanon und Israel in Kraft getreten
Zwischen den verfeindeten Nachbarländern Libanon und Israel ist eine zehntägige Waffenruhe in Kraft getreten, die auch die pro-iranische Hisbollah-Miliz einschließt. Die Feuerpause, die unter Vermittlung von US-Präsident Donald Trump zustande kam, begann um Mitternacht Ortszeit (23.00 Uhr MESZ). International wurde die Vereinbarung begrüßt. In den südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut waren um Mitternacht Freudenschüsse zu hören.
Trump schrieb am Donnerstag auf seiner Onlineplattform Truth Social, er habe "exzellente Gespräche" mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu geführt. Beide hätten einer Waffenruhe zugestimmt, um "Frieden zwischen ihren Ländern zu erreichen".
Netanjahu sprach von der Chance auf ein "historisches Friedensabkommen" mit dem Libanon. Er kündigte zugleich an, die israelischen Streitkräfte würden in einem zehn Kilometer breiten Streifen im Süden des Libanon an der Grenze zu Israel bleiben.
Der libanesische Regierungschef Nawaf Salam begrüßte die Waffenruhe ebenfalls. Der Hisbollah-Abgeordnete Ibrahim al-Mussawi sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Miliz werde sich unter Bedingungen an die Waffenruhe halten. "Wir von der Hisbollah werden uns vorsichtig an die Waffenruhe halten unter der Bedingung, dass es sich um eine umfassende Einstellung der Kampfhandlungen gegen uns handelt", sagte al-Mussawi. So dürfe Israel die Feuerpause nicht für "Morde" an Hisbollah-Vertretern nutzen.
In den südlichen Vororten von Beirut waren zum Start der Waffenruhe rund eine halbe Stunde lang Gewehrsalven und Raketenartillerie zu hören, wie AFP-Journalisten berichteten. Die Vororte sind eine Hochburg der Hisbollah-Miliz und waren seit Anfang März das Ziel intensiver israelischer Angriffe. Zahlreiche Bewohner, die wegen der Attacken geflohen waren, kehrten nun dorthin zurück.
Auch im Süden des Landes machten sich Vertriebene auf den Weg zurück in ihre Häuser. In Onlinenetzwerken veröffentlichte Videos zeigten lange Autoschlangen in mehreren Gebieten.
Die Waffenruhe wurde inmitten von Trumps Bemühungen vereinbart, ein Ende des von den USA und Israel begonnenen Iran-Kriegs zu erreichen. Nachdem Washington und Teheran vergangene Woche eine zweiwöchige Waffenruhe vereinbart hatten, pochte der Iran darauf, dass diese auch für den Libanon gelten müsse. Israel lehnte dies zunächst ab und setzte seine Angriffe auf Hisbollah-Ziele fort.
Zuletzt verstärkten sich aber die Bemühungen für eine Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon. Am Dienstag führten in Washington erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten diplomatische Vertreter Israels und des Libanon direkte Gespräche.
Am Mittwoch kündigte Trump dann Gespräche zwischen den "Anführern" Israels und des Libanon an. Der libanesische Präsident Aoun lehnte aber nach Angaben aus libanesischen Regierungskreisen einen "direkten Kontakt" mit Netanjahu ab. Israel und der Libanon unterhalten bisher keine offiziellen diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand.
Trump lud Netanjahu und Aoun nun zu einem Treffen ins Weiße Haus in Washington ein. Dann sollten "die ersten bedeutenden Gespräche zwischen Israel und dem Libanon seit 1983" stattfinden, schrieb der US-Präsident auf Truth Social. "Beide Seiten wollen Frieden sehen, und ich denke, das wird schnell passieren." Später sagte Trump, er rechne mit dem Treffen in "vier oder fünf Tagen".
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Damals feuerte die schiitische Hisbollah-Miliz als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze. Bei israelischen Angriffen wurden nach libanesischen Angaben bisher fast 2200 Menschen getötet.
Die Nachricht von der Waffenruhe stieß international auf ein positives Echo. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) erklärte, die Feuerpause könne "den Menschen auf beiden Seiten der Grenze eine wichtige Atempause verschaffen". Die französische Präsidentschaft sprach von einer "exzellenten Nachricht". Nun müsse aber vor Ort sichergestellt werden, dass die Waffenruhe auch eingehalten werde. Auch UN-Generalsekretär António Guterres appellierte an die Konfliktparteien, die Vereinbarung zu respektieren.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßte die Waffenruhe. Es müsse jetzt ein "Weg hin zu dauerhaftem Frieden" gefunden werden. Der Iran äußerte sich ebenfalls positiv über die Feuerpause.
Israel hatte vor Inkrafttreten der Waffenruhe am Donnerstag noch Ziele im Libanon angegriffen. So wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums bei einem Angriff auf die südlibanesische Stadt Ghasieh mindestens sieben Menschen getötet und 33 weitere verletzt.
W.Lapointe--BTB