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Studie ergibt sehr hohe Zustimmung zur liberalen Demokratie
Die grundsätzliche Zustimmung zur liberalen Demokratie ist in Deutschland einer Studie zufolge sehr hoch - trotz deutlicher Kritik am praktischen Funktionieren politischer Institutionen. Wie der am Montag veröffentlichte "Demokratiemonitor 2026" der Bertelsmann Stiftung zeigt, befürwortet mit 82 Prozent eine breite Mehrheit der Befragten überdurchschnittlich stark demokratische Werte. Zugleich klafft in vielen Bereichen eine spürbare Lücke zwischen Anspruch und wahrgenommener Umsetzung in konkrete Politik, besonders bei den Parteien.
Die Forscher des "Demokratiemonitors" untersuchten für die Studie acht unterschiedliche Demokratiemodule. In allen zeigt sich demnach eine deutliche Lücke zwischen dem Anspruch an die Demokratie (Legitimität) und deren wahrgenommener Umsetzung im Alltag. Während die Zustimmungsquoten zur Legitimität in den acht untersuchten Demokratiemodulen zwischen 77 und 91 Prozent liegen, bewerten nur zwischen 15 und 65 Prozent der Befragten auch ihr Funktionieren überdurchschnittlich positiv.
Am geringsten fällt die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Modul Wahlen aus: Mehr als neun von zehn aller Befragten (91 Prozent) stimmen den Werten und Regeln demokratischer Wahlen zu, und immerhin fast zwei Drittel (65 Prozent) bewerten auch ihr praktisches Funktionieren überdurchschnittlich positiv.
Sehr viel größer ist die Diskrepanz bei den Parteien: Mehr als drei Viertel der Deutschen (77 Prozent) befürworten zwar die Werte und Funktionen demokratischer Parteien. Gleichzeitig sind aber lediglich 17 Prozent der Befragten auch mit dem praktischen Funktionieren der Parteien zufrieden.
Ein zentrales Ergebnis des Längsschnittvergleichs ist, dass sich die Legitimitätswerte seit 2019 – einem Zeitraum, in dem auch die massiven Belastungen der Coronakrise und des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine lagen – in sechs von acht Modulen um zwei bis fünf Prozentpunkte verbessert haben. Diese Entwicklung unterstreiche, dass die institutionellen Grundlagen der Demokratie in Deutschland fest in der politischen Kultur verankert seien und selbst durch globale Krisen und ihre Auswirkungen auf Deutschland bislang nicht erschüttert würden, erklärten die Studien-Autoren.
Geringe Zufriedenheitswerte mit ihrem Funktionieren allein seien "noch keine Krise der Demokratie", erklärte Robert Vehrkamp, Leiter und Mitautor der Studie. "Zu einem Problem werden geringe Zufriedenheitswerte erst dann, wenn sie auch die Legitimität der Demokratie als solcher beschädigen." Das sei aber nach den Ergebnissen der Studie in Deutschland "noch nicht einmal ansatzweise der Fall".
Dass die geringe Zufriedenheit mit der praktischen Arbeit von Institutionen bisher nicht zu einer Beschädigung der grundsätzlichen Akzeptanz der Demokratie geführt hat, werten die Studienautoren deshalb als starkes Zeichen für demokratische Resilienz. "Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland ist nicht bereit, das Kind der Demokratie mit dem Bade ihres verbesserungsfähigen Funktionierens auszuschütten", erläuterte Studien-Ko-Autor Michael Koß. "Vielen scheint also bewusst zu sein, wie voraussetzungsvoll Demokratie eigentlich ist."
Der "Demokratiemonitor 2026" basiert auf insgesamt sechs repräsentativen Längsschnittbefragungen von jeweils mehr als 5000 Befragten zwischen 2019 und 2025. In acht Demokratiemodulen wurden jeweils 72 Kriterien zur Akzeptanz und zum Funktionieren der Demokratie in Deutschland abgefragt. Die Ergebnisse der Studie sind laut Bertelsmann Stiftung repräsentativ für die deutsche Wohnbevölkerung ab 18 Jahren.
J.Bergmann--BTB