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Selenskyj macht "gezielte" russische Angriffe für Brand in Höhlenkloster verantwortlich
Schock und Wut nach neuer russischer Angriffswelle auf die Ukraine: Bei massivem russischen Beschuss auf mehrere Regionen der Ukraine sind in der Nacht zu Montag den Behörden zufolge mindestens elf Menschen getötet worden. Auf dem Gelände des berühmten Höhlenklosters in Kiew geriet die Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Brand. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj machte "gezielte" russische Drohnenangriffe dafür verantwortlich. Der Angriff wurde international scharf verurteilt.
Aus Kiew meldeten Reporter der Nachrichtenagentur AFP in der Nacht zu Montag heftigen Raketenbeschuss. Einwohner rannten demnach auf der Suche nach Schutz durch die Straßen der Hauptstadt, während am Himmel Geschosse abgefangen wurden und brennende Trümmerteile auf die Stadt herabfielen.
Bei dem nächtlichen Angriff geriet in Kiew auch die Weltkulturerbe-Kathedrale im Bereich des Höhlenklosters in Brand und wurde schwer beschädigt. Die Stätte wird auch von der russisch-orthodoxen Kirche verehrt.
Der im Kloster lebende Mönch Makariyj sagte AFP, er sei aus dem Bett "gesprungen", nachdem er um fünf Uhr morgens von einem lauten "Dröhnen" geweckt worden sei. Beim Verlassen seines Zimmers sei der Komplex von "Feuer und Rauch" erfasst gewesen. "Sie wollen uns nicht nur physisch vernichten, sondern vor allem unser Gedächtnis auslöschen", sagte er mit Blick auf Russland.
Auch die Kiewer Museumsmitarbeiterin Natalia Korol zeigte sich angesichts des Angriffs auf das Kloster "empört". Das Kloster werde schließlich auch von Russen verehrt, sagte die 52-Jährige."
Später sahen AFP-Reporter, wie Rettungskräfte am Kloster Trümmer beseitigten, während die Kirchenglocken die Melodie der ukrainischen Nationalhymne läuteten. Im Inneren des Gebäudes sahen AFP-Reporter, wie Wasser durch einige Löcher im verkohlten Dach sickerte. Demnach waren die Ikonen der Kathedrale unversehrt.
Selenskyj zufolge "wurde bestätigt, dass zwei russische Drohnen gezielt" den Bereich der ukrainischen Hauptstadt angegriffen hätten, in dem sich die Mariä-Entschlafens-Kathedrale befinde. Der Brand sei eines "eines der bislang schwersten Verbrechen Russlands gegen die christliche Kultur", erklärte Selenskyj in Onlinediensten. Der ukrainische Sicherheitsdienst teilte später mit, dass er die Trümmer einer der Drohnen ausstellen werde.
Die russischen Streitkräfte hatten sich zuvor zwar zu "massiven Angriffen" auf ukrainische Militärstandorte in Kiew, Charkiw und Dnipro bekannt. Der Komplex des Weltkulturerbes sei jedoch "von einer Rakete eines amerikanischen Patriot-Flugabwehrraketensystems getroffen" worden, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau.
Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe feuerte Russland in der Nacht 70 Raketen und 611 Drohnen auf die Ukraine ab, die größtenteils auf die Hauptstadt Kiew zielten. Dabei seien 50 Raketen und 582 Drohnen von der Luftwaffe abgefangen worden.
Bei den Angriffen auf Kiew wurden Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge fünf Menschen getötet, demnach wurden mehrere Stadtteile getroffen. In der Stadt Charkiw im Nordosten der Ukraine seien fünf Rettungskräfte getötet worden, gab Innenminister Ihor Klymenko bekannt. Ein Mensch wurde zudem in der südöstlichen Region Cherson getötet.
Die russischen Behörden meldeten derweil ukrainische Gegenangriffe. In der Stadt Tula rund 200 Kilometer südlich von Moskau wurden nach Angaben des Regionalgouverneurs Dmitri Miljaew drei Menschen bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet.
Moskau und Kiew hatten in den vergangenen Monaten die gegenseitigen Angriffe verstärkt. Bemühungen um eine Beendigung des seit mehr als vier Jahren andauernden Kriegs unter Vermittlung der USA stocken.
Laut Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) markiert der Angriff auf den Höhlenkloster-Komplex "einen neuen Tiefpunkt" bei Russlands Versuchen, die ukrainische Kultur zu zerstören. "Dieser verabscheuungswürdige Terrorakt wird unsere unerschütterliche Unterstützung für die Freiheit der Ukraine nur noch stärken."
Ähnlich äußert sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. "Nichts rechtfertigt diesen Angriff auf unser gemeinsames Erbe", erklärte er. Auch die Unesco verurteilte den Angriff.
Der Ukraine-Krieg ist auch Thema beim G7-Gipfel im französischen Evian. Als Reaktion auf den Angriff forderte Selenskyj mehr Druck auf Moskau seitens der G7-Staaten.
Bei einem Besuch im Kiewer Höhlenkloster sagte Selenskyj zudem, dass er dem russischen Staatschef Wladimir Putin seine Bereitschaft für ein direktes Treffen beim G7-Gipfel signalisiert habe. Die Europäer und die USA hätten einem solchen Format zugestimmt, sagte Selenskyj. Doch Moskau habe "einmal mehr gezeigt, dass es nicht bereit ist, darüber zu sprechen". Aus ukrainischen Präsidialamtskreisen hieß es, es habe aus Moskau "keine klare Antwort" auf den vor einiger Zeit übermittelten Vorschlag gegeben.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hofft dennoch darauf, dass der Verhandlungsprozess wieder in Gang kommt. "Ich sage mit der sehr gebotenen Vorsicht und Zurückhaltung: Erstmals kann sich hier langsam ein Fenster für die Diplomatie öffnen", sagte Merz vor seinem Abflug zum G7-Gipfel in Frankreich.
Ungeachtet der Angriffe Russlands der vergangenen Nacht habe sich die Dynamik im Ukraine-Krieg "doch deutlich zugunsten der Ukraine verändert", betonte Merz. Er kündigte an, dass die Europäer ihre Vorschläge für eine Wiederbelebung der Verhandlungen beim G7-Gipfel mit US-Präsident Donald Trump besprechen werden.
I.Meyer--BTB