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Militärkreise: Huthi-Miliz übernimmt Kontrolle von jemenitischer Hafenstadt Mocha
Die pro-iranische Huthi-Miliz im Jemen hat jemenitischen Militärkreisen zufolge die Kontrolle über die strategisch wichtige Hafenstadt Mocha am Roten Meer übernommen. Nach der Einnahme von Mocha bewegten sich die Huthi-Kämpfer nun weiter auf die Meerenge Bab al-Mandab zu, hieß es aus diesen Kreisen am Donnerstag. Jemens Präsidialrat rief die internationale Gemeinschaft auf, beim Schutz der Küste zu helfen.
Augenzeugen schilderten der Nachrichtenagentur AFP, sie hätten gesehen, wie Huthi-Milizionäre unter dem Ruf "Tod für Amerika, Tod für Israel!" in Mocha einmarschiert seien. Es handelt sich um einen bedeutenden Vorstoß der Miliz in Richtung Bab al-Mandab. Die Meerenge liegt rund 70 Kilometer südlich von Mocha.
Die Meerenge von Bab al-Mandab zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsstraßen der Welt und verbindet das Rote Meer mit dem Indischen Ozean. Seit der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus durch Teheran im Zuge des Iran-Kriegs hat Bab al-Mandab zusätzlich an Bedeutung gewonnen. In der vergangenen Woche hatte die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz eine groß angelegte Offensive begonnen, die auf die Küstengebiete entlang der Meerenge abzielt.
Ebenfalls aus jemenitischen Militärkreisen hieß es am Donnerstag, die Huthis hätten die Insel Sukar im Süden des Roten Meeres eingenommen. Dabei seien Raketen eingesetzt und Kämpfer in Booten auf die Insel transportiert worden.
Mocha war bisher unter der Kontrolle der regierungstreuen sogenannten Nationalen Widerstandskräfte des Jemen gewesen. Deren Anführer Tarek Saleh sagte am Donnerstag, er habe seine Kommandozentrale "an einen sicheren Ort" verlegt, um eine Neuaufstellung zu ermöglichen. Die Regierungstruppen hätten "in den vergangenen Tagen angesichts einer von Iran geplanten und unterstützten Offensive der Huthis einen hohen Preis gezahlt".
Der Vorsitzende des von Saudi-Arabien unterstützten Präsiddialrates des Jemen forderte arabische und internationale Staaten zur Hilfe auf. "Der Schutz der jemenitischen Küsten und die Wiederherstellung der staatlichen Kontrolle über das Staatsgebiet, die Häfen und die Gewässer liegen im gemeinsamen Interesse des Jemen, Ägyptens, der arabischen Welt und der internationalen Gemeinschaft", erklärte Raschad al-Alimi bei einem Treffen mit dem ägyptischen Botschafter.
Die Huthis kontrollieren weite Teile des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa sowie Gebiete an der Grenze zu den saudiarabischen Provinzen am Roten Meer. Allerdings kontrollierten sie bisher noch keine Gebiete, von denen aus sich Bab al-Mandab direkt überblicken lässt.
Die Miliz hatte Ende Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt und seither nach eigenen Angaben saudiarabische Öltanker im Roten Meer sowie Ölanlagen in dem Königreich angegriffen. Die Kontrolle über die Küste zu haben, würde den Huthis die Möglichkeit geben, ihren Druck auf die internationale Schifffahrt weiter zu erhöhen, sagte Andreas Krieg, Sicherheitsexperte am King’s College London.
Der Vormarsch der Huthi-Miliz in Mocha sowie in den nahegelegenen Gebieten Chocha und Hajs führte zur Flucht zahlreicher Menschen nach Aden, wo die international anerkannte Regierung des Jemen ihren Sitz hat.
Der 46-jährige Mohamed, der mitten in der Nacht aus Mocha floh, sagte AFP, in der Hafenstadt herrsche eine "apokalyptische" Stimmung. Mudschahid Tahami, der ebenfalls auf dem Weg nach Aden war, berichtete, einige Familien seien auf ihrer Flucht Opfer von "Plünderungen durch Banden" geworden.
Nach einer langen Zeit der Ruhe war der Krieg im Jemen in der vergangenen Woche wieder aufgeflammt. Seitdem wurden einer AFP-Zählung zufolge mehr als 500 Menschen getötet. Zudem wurden fast 20.000 Menschen vertrieben, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitteilte.
Eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition hatte ab 2015 die jemenitische Regierung im Kampf gegen die Huthis unterstützt. Seit einer von der UNO vermittelten Waffenruhe im Jahr 2022 kamen die Kämpfe zwischen Saudi-Arabien und der Miliz weitgehend zum Erliegen. Nach den Gefechten in der jüngsten Zeit ist diese Feuerpause praktisch hinfällig.
Am Mittwoch erklärte die Koalition, die Huthis hätten ballistische Raketen und Drohnen auf mehrere Städte im Süden Saudi-Arabiens abgefeuert.
Die den Huthis nahestehende Nachrichtenagentur Saba meldete am Donnerstag, die saudiarabische Armee habe dutzende Angriffe auf Ziele im Jemen geflogen. Die Luftwaffe des "Feindes" habe in den vergangenen Stunden "etwa 40 Angriffe" in den Provinzen Tais, Hodeida, Al-Dschauf und Marib ausgeführt.
Kurze Zeit später berichtete der Huthi-Sender Al-Massirah, Saudi-Arabien habe "zehn Luftangriffe auf den Bezirk Dhubab im Westen von Tais" geflogen. Ein Huthi-Sprecher gab 64 saudiarabische Angriffe auf den Jemen binnen 24 Stunden bekannt.
J.Fankhauser--BTB