Berliner Tageblatt - Kritik an Luxemburger Verkehrsplanung: Weniger Grün trotz Versprechen

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Kritik an Luxemburger Verkehrsplanung: Weniger Grün trotz Versprechen
Kritik an Luxemburger Verkehrsplanung: Weniger Grün trotz Versprechen

Kritik an Luxemburger Verkehrsplanung: Weniger Grün trotz Versprechen

Die luxemburgische Tageszeitung „vum Lëtzebuerger Vollek“ übt scharfe Kritik an der aktuellen Verkehrsplanung der Stadt Luxemburg. Sie wirft den Verantwortlichen vor, dass die geplanten Maßnahmen zur Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und des Radfahrens nicht zu mehr Grün führen, sondern im Gegenteil zu einem Verlust von Bäumen und Parkplätzen. Die Zeitung bezweifelt die Effektivität der Umverteilung des Straßenraums.

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Die städtische Verkehrsplanung in Luxemburg steht im Fokus einer scharfen Kritik der marxistisch orientierten Tageszeitung „vum Lëtzebuerger Vollek“. In einem aktuellen Beitrag hinterfragt das Blatt die Wirksamkeit der Maßnahmen zur Bewältigung des erwarteten Verkehrszuwachses und weist darauf hin, dass die Detailvorschläge nicht zu mehr Grün führen, sondern diesen sogar reduzieren. Die Zeitung kritisiert das fortwährende Spiel mit der Umverteilung des begrenzten Straßenraums in der Stadt, wobei sie den Boulevard de la Mérouille als ein Beispiel für gescheiterte Projekte anführt, das seit 70 Jahren immer wieder thematisiert, aber nie realisiert wurde.

Ein zentraler Punkt der Kritik ist die Ausweitung der Straßenbahnlinien. Die Zeitung argumentiert, dass dieser Ausbau weiteren Raum für andere Verkehrsmittel kosten würde, ohne dass dadurch proportional mehr Wege von mehr Menschen an derselben Stelle bewältigt werden könnten. Gleichzeitig soll das Wachstum der Arbeitsplätze in der Stadt weiter voranschreiten, wobei die Zahl der neuen Jobs die Kapazitäten der zusätzlichen Einwohner übersteigen wird. Dies fühge zwangsläufig zu mehr Verkehr. Die städtischen Behörden haben sich dennoch auf eine Zielvorgabe geeinigt: Bis 2025 sollen 51 Prozent aller Wege in Luxemburg per Straßenbahn, Bus, Eisenbahn, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden.

Um dieses Ziel zu erreichen, sind bis 2035 auf einer Strecke von 17,8 Kilometern 18 Projekte geplant. Die Zeitung hebt hervor, dass dies nicht nur das Verschwinden von 975 Parkplätzen bedeutet, sondern auch den Verlust von 66 Bäumen. Lediglich neun neue Bäume sollen auf diesen Strecken gepflanzt werden. Diese Neupflanzungen würden sich ausschließlich auf die Avenue Guillaume konzentrieren, wo sie sechs zu entfernende Bäume ersetzen könnten. Die Zeitung stellt fest, dass nun nicht nur die Straßenbahn, sondern auch der Fahrradverkehr als Begründung für das Fällen von Bäumen dient.

Besonders absurd findet die Redaktion den Widerspruch zwischen den visuellen Darstellungen und der Realität. In den offiziellen Grafiken werde stets mehr Platz für Grün durch den Wegfall von Parkplätzen versprochen, was auf den ersten Blick positiv wirke. Die detaillierten Planungen jedoch widersprächen dieser Aussage. Die Zeitung listet einen detaillierten Zeitplan für die Fertigstellung der Strecken auf: Im Jahr 2026 und 2027 sollen folgende Abschnitte fertiggestellt werden: Boulevard F.D. Roosevelt und Avenue Marie-Thérèse, Boulevard Marcel Cahen, Rue de Merl, Allée P. de Mansfeld, Boulevard de Verdun, Boulevard Grande-Duchesse Joséphine-Charlotte, Rue de Trèves und Rue Cents sowie die Avenue J.-P. Pescatore.

Für die Jahre 2028 und 2029 sind der Boulevard Pierre Dupong (kombinierbar mit einem SERCO-Projekt), die Rue de Cessange und die Rue Tubis (im Zusammenhang mit der Straßenbahn durch die Route d’Esch) vorgesehen. Ab 2030 sollen Projekte wie die Avenue du Dix Septembre, die Rue Maurice Barrès, die Avenue Guillaume und die Rue des Aubépines realisiert werden. Auch hier steht die Schaffung von Platz für die Straßenbahn im Vordergrund, oft auf Kosten anderer Verkehrsmittel.

Die Zeitung weist zudem darauf hin, dass ab 2030 sechs weitere Projekte neu analysiert werden müssen, da dabei Probleme anerkannt wurden. Dazu gehören die Avenue de la Liberté und die Avenue de la Gare, die als Gesamtkonzept des Quartier Gare neu untersucht werden sollen. Die Rue de Clausen und die Rue de Neudorf stehen unter Beobachtung, da Anwohner dort keine alternativen Parkmöglichkeiten haben; hier soll nach Fertigstellung der Brücke vom Cents zum Weimershof geprüft werden, ob ein Bedarf besteht. Die Rue de Rollingergrund sei keine Priorität, solange das Projekt PAP Faïencerie nicht abgeschlossen ist. Auch die Route de Longwy habe keine Priorität, da sie nur eine alternative Achse zur Hauptroute darstelle.

Zusätzlich müssen im Val Ste Croix und in der Rue des Trévires großräumige Analysen zur Installation von Modalfiltern durchgeführt werden. Die Zeitung warnt davor, dass dies zu einer weiteren Belastung des Boulevard de la Fraternité führen könnte, da die Rocade de Bonnevoie auf der anderen Seite bereits in den Spitzenzeiten überlastet sei.

Kritisch äußert sich die Redaktion auch über den politischen Prozess. Sie beschreibt eine übliche Vorgangsweise, bei der Studienbüros Aufträge erfüllen, ohne dass die Anrainer das große Ganze diskutieren dürfen. Stattdessen werde nur über Details wie die Position von Bänken oder deren Farbe gesprochen. Die Zeitung befürchtet, dass Ideen zur Erweiterung der Verkehrsfläche unterirdisch oder durch Seilbahnen von der politischen Elite abgelehnt würden. Letztlich werde der Verkehr weiter zunehmen, während man mit der Umverteilung des vorhandenen Straßenraums spiele, ohne zu einer wirklichen Lösung zu kommen.

E.Schubert--BTB