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Heimliche Aufnahmen: EU-Datenschutzbehörde warnt vor Smart Glasses
Die EU-Datenschutzbehörde hat vor heimlichen Film- und Tonaufnahmen mit sogenannten Smart Glasses gewarnt. Sie habe "ernsthafte Privatsphären- und Datenschutzbedenken", erklärte EDPB-Chefin Anu Talus am Dienstag. Grund für die Bedenken sei, dass die Geräte "wie gewöhnliche Brillen aussehen, aber Kameras und Mikrofone haben und mit dem Internet verbunden" seien. Es müsse eine "klare Warnung" an andere geben, wenn Nutzer mit ihrer Brille ihre Umgebung filmen oder aufnehmen.
"Selbst in der Öffentlichkeit sollte für Umstehende klar erkennbar sein, dass jemand sie filmt oder fotografiert", betonte Talus. An der Brille solle dafür ein Licht blinken oder ein Warnsignal ertönen, außerdem könnte eine Benachrichtigung an Smartphones in der Nähe verschickt werden.
Die Behörde verweist auf die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Dem Gesetz nach müssen alle Menschen informiert werden oder sogar einwilligen, wenn ihre persönlichen Daten verarbeitet werden. Jeder hat außerdem das Recht, zu widersprechen. Die Einhaltung der Datenschutzregeln sei mit Blick auf die Brillen eine "große Herausforderung", urteilte die Behörde.
Die Datenschützer warnen außerdem, langfristig könnten Hersteller die Brillen mithilfe Künstlicher Intelligenz mit Gesichts- und Stimmerkennung ausstatten. Eine solche Brille stelle die Gesellschaft vor "nie dagewesene Fragen" mit Blick auf die Freiheit in der Öffentlichkeit: Wer ständig davon ausgehen müsse, gefilmt zu werden, verhalte sich unter Umständen anders.
Smart Glasses werden von verschiedenen Brillenherstellern in Kooperation mit Technologiekonzernen wie Meta oder Google angeboten. Neben Fotos, Videos und Tonaufnahmen sind oft auch Livestreams möglich. Allein eine High-Tech-Brille des Facebook-Mutterkonzerns Meta und des Herstellers Ray-Ban verkaufte sich 2025 weltweit sieben Millionen Mal.
Meta betont, dass seine Brillen mit einer LED-Leuchte ausgestattet sind, die beim Filmen und Fotografieren blinke und sich nicht ausschalten lasse. Kritiker argumentieren aber, dass sich die Lampe einfach abkleben lasse. Im Internet gibt es eine ganze Reihe von Abdeckungen, die Nutzer einfach bestellen können.
In zahlreichen Ländern gibt es Berichte von Frauen und Mädchen, die heimlich auf der Straße gefilmt wurden. Die norwegische Regierung kündigte in der vergangenen Woche an, die Brillen an bestimmten Orten verbieten zu wollen. Das Verbot soll für Parks, Strände, Museen, Einkaufszentren, Schulen, Kindertagesstätten, Gesundheitseinrichtungen, Fitnessstudios und öffentliche Veranstaltungen gelten.
In der EU sind die Behörden der 27 Länder für die Durchsetzung der Datenschutzregeln zuständig, in Deutschland die Bundesnetzagentur. Die Warnung der europäischen Behörde ist nicht direkt bindend. Wenn es flächendeckende Verstöße gibt, könnte die EU-Kommission aber auch neue Regeln vorschlagen.
H.Seidel--BTB