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"Hype mitgenommen": Silber-Helden spüren WM-Vorfreude
Die Bilder flimmerten über den Hallenwürfel, Johannes Golla und Co. schauten gebannt nach oben - für einen Moment war die EM wieder da. "Das Video hat einige Erinnerungen zurückgebracht", berichtete der Kapitän von Deutschlands Handballern nach dem ersten Auftritt seit dem Gewinn von EM-Silber. In der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle feierten die Fans die DHB-Auswahl für die magischen Wochen von Dänemark - und gaben einen Vorgeschmack auf das, was in 300 Tagen bei der WM im eigenen Land warten könnte.
"Das Beste war tatsächlich, die Bälle ins Publikum zu schleudern – das hat Spaß gemacht. Die Halle war ausverkauft - und so ein bisschen haben wir den Hype jetzt auch mitgenommen", sagte Linksaußen Lukas Mertens, ehe er sich nach dem furiosen 41:38 (21:18) gegen Afrikameister Ägypten wieder den mit Stiften bewaffneten Autogrammjägern zuwandte. "Was hier noch an Kindern steht, wir haben schon einiges richtig gemacht. Das hat man heute auf dem Feld und auch außerhalb des Feldes gesehen."
Mit einer Flasche Champagner, einem Musikact ("Gute Laune") und reichlich warmen Worten würdigte der Verband noch einmal die Leistung des DHB-Teams von vor eineinhalb Monaten. Das Team brennt darauf, bei der Heim-WM 2027 weitere Sternstunden folgen zu lassen. "Wir haben 2024 erlebt, wie wir mit einer unerfahrenen Mannschaft von unseren Fans getragen wurden", sagte Golla mit Blick auf den vierten Platz bei der Heim-EM vor zwei Jahren: "Jetzt sind wir schon einen Schritt weiter - und deswegen ist die Hoffnung groß, dass wir gemeinsam mit dem Land und vollen Hallen hinter uns auch ein gutes Turnier spielen können."
Schon am Sonntag (15.30 Uhr/ProSieben und Dyn) will die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason im zweiten Duell mit den hochveranlagten Ägyptern weiteres Selbstvertrauen sammeln. "Mit Ägypten haben wir eine sehr gute Mannschaft - und dann wartet Dänemark. Das ist natürlich gut für uns", sagte Spielmacher Juri Knorr mit Blick auf die kommenden Aufgaben gegen hochkarätige Gegner. Die Dänen, der Olympiasieger und amtierende Welt- und Europameister, warten im nächsten Länderspielfenster am 17. Mai in Köln.
Den ersten Härtetest gegen den physisch starken Afrikameister bestand die DHB-Auswahl offensiv mit Bravour, defensiv war der Auftritt aber allenfalls ausreichend. "Erstmal überwiegt, dass wir gewonnen haben – das zählt, egal wie. 41 Tore sprechen für sich. Wir haben einen überragenden Angriff gespielt, aber es hat heute in der Abwehr ein bisschen gehakt", analysierte Mertens. Das sah auch Gislason so: "41 Tore sind sehr gut, 38 zu kassieren, sind viel zu viel."
Allein 20 Gegentore waren es in der zweiten Hälfte, als die Ägypter kurz vor Schluss noch einmal bis auf einen Treffer herankamen. Nicht zuletzt dem zeitweise wie entfesselt spielenden Mittelmann Knorr (9 Tore) war es zu verdanken, dass das 79-Tore-Spektakel nicht doch noch in die Richtung der Nordafrikaner kippte.
"Ich mag diesen Spielstil. Ich gewinne lieber so als 21:20", sagte Knorr grinsend. Golla forderte, "zwei, drei Dinge" anzupassen und die "richtigen Lehren" zu ziehen. Bevor auch er die nächsten Autogrammwünsche erfüllte, ergänzte er jedoch: "Wir müssen uns für einen Länderspielsieg nicht entschuldigen."
C.Kovalenko--BTB