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Auch Kane trifft: Bayern stürmen das Bernabéu
Der FC Bayern hat erstmals seit einem Vierteljahrhundert die Festung Bernabéu gestürmt und darf in der Champions League weiter vom großen Wurf träumen. Der überragende Rückhalt Manuel Neuer sowie das Traumduo Harry Kane und Luis Díaz bescherten den Münchnern ein 2:1 (1:0) im Viertelfinal-Hinspiel bei Rekordsieger Real Madrid. Damit hat die Mannschaft von Vincent Kompany für das entscheidende Duell am kommenden Mittwoch (15. April) alle Trümpfe in der Hand.
Der "Clásico de Campeones" sah ein Festival der vergebenen Chancen, ehe Díaz (41.) seinen fünften Treffer im laufenden Wettbewerb erzielte. Torgarant Kane, dessen Einsatz bis zuletzt offen schien, leitete den Treffer mit ein. Nur rund 20 Sekunden nach dem Wiederanpfiff erhöhte er mit seinem elften Saisontor (46.) in der Königsklasse.
Superstar Kylian Mbappé (74.) verkürzte zwar noch, doch am Ende stand der erste Bayern-Sieg bei Real seit dem 1:0 im Halbfinal-Rückspiel 2001. Damals gewannen Stefan Effenberg, Oliver Kahn und Co. auch den Henkelpott. Weiterer Vorteil FCB: Im Rückspiel muss Madrid auf den gelbgesperrten Mittelfeldmann Aurélien Tchouaméni verzichten.
Die Schlüssel-Personalie für Kompany in seinem 100. Bayern-Spiel: Kane konnte nach überstandener Knöchelblessur spielen, der Engländer sei "dermaßen gut drauf", berichtete sein Coach und meinte: "Das sind die Momente für Harry!"
Aber auch die für Antonio Rüdigers Real, wie den Bayern schmerzlich in Erinnerung gerufen wurde: Bevor es losging, flimmerte Joselus Siegtor im Halbfinal-Rückspiel 2024 über die Leinwände. Dazu erklang die Vereinshymne "Hala Madrid", unter dem geschlossenen Stadiondach wurde es erstmals laut.
Die Gäste begannen unbeeindruckt, schnell stand Kane im Fokus: Nach Joshua Kimmichs Hereingabe legte er klug ab auf Dayot Upamecano, doch der traf freistehend den Ball nicht richtig (9.). Da half auch eine Torwahrscheinlichkeit von 63 Prozent nichts.
Dann passierte, wovor Max Eberl gewarnt hatte: Real mag "teilnahmslos" wirken, sagte der Sportvorstand, doch "auf einmal sind sie da". Wie Mbappé nach einem missglückten Abschlag von Neuer, der seinen Fehler selbst ausbügelte (16.). Wie Vinicius Junior, der ebenfalls an Neuer scheiterte (18.).
Die Prominenz auf der VIP-Tribüne, darunter Ex-Bayern-Trainer Thomas Tuchel oder UEFA-Boss Aleksander Ceferin, sah zu, wie sich ein offener Schlagabtausch entwickelte. Nach einem zu kurzen Rückpass von Real-Teenager Thiago Pitarch vergab Serge Gnabry eine Riesenchance (28.), fast im Gegenzug rettete Neuer abermals gegen den enteilten Mbappé (29.).
Gefährlich für die Münchner wurde es meist dann, wenn Madrid schnell umschalten konnte. Das gelang auch deshalb, weil die Bayern ihr gefürchtetes Pressing nicht wie sonst durchdrückten.
Die Führung resultierte aus einem verunglückten Rückpass von Vinicius, der am Arm von Michael Olise hängen blieb - dieser war "angelegt", wie Schiedsrichter-Experte Lutz Wagner bei Prime Video erklärte, die Szene daher nicht strafbar. Kane und Gnabry bereiteten für Díaz vor.
Eine Balleroberung des aufmerksamen Aleksandar Pavlovic leitete das 2:0 ein. Über Olise gelangte der Ball zu Kane, der aus 18 Metern überlegt einschob. Den Bayern gab das Tor noch mehr Selbstvertrauen und die Passsicherheit, die vorher fehlte.
Ein böser Upamecano-Patzer ermöglichte Vinicius frei vor Neuer die große Anschlusschance (61.), der abgedrängte Brasilianer traf das Außennetz. Das Stadion wurde unruhiger, es gab Pfiffe gegen Real, doch das gab sich nicht auf - Mbappé fand erneut seinen Meister in Neuer (65.), traf aber kurz darauf doch. Neuer rettete in der turbulenten Schlussphase erneut gegen Vinicius (83.).
G.Schulte--BTB