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Neue Regeln bei WM: "Nicht alles werden wir im Alltag sehen"
Schiedsrichter-Lehrwart Lutz Wagner rechnet nicht mit der Übernahme aller neuen Regeln der Fußball-WM in die Bundesliga. "Nicht alles davon werden wir im Alltag sehen", sagte der ehemalige Referee der Sportschau: "Die FIFA hat gerade beim Video-Assistenten einen Großteil dieser Dinge im optionalen Bereich belassen. Da müssen dann die Verbände wie der DFB oder die UEFA entscheiden, ob sie das übernehmen oder nicht. Der DFB wird das im Anschluss an die WM umgehend festlegen."
Optional sind beispielsweise die Rote Karte für die Hand vor dem Mund im Streit, die Kontrolle der Eckbälle durch den VAR, die umstrittene Auslegung von Zweikämpfen beim Schutz der Torhüter und die Trinkpausen. Trinkpausen sollten "weiter flexibel" gehandhabt werden, abhängig vom Wetter, erklärte Wagner. Für die Torhüter dürfe es keine Sonderregelung - wie beim zurückgenommenen deutschen Tor gegen Paraguay - geben: "Klar ist: Ein reines Hochspringen, ein reines Berühren kann nicht dazu führen, dass wir sagen: Jetzt pfeifen wir beim Torhüter anders, weil dem Schiedsrichter dann die Grundlage fehlt."
Auch bei der neuen Regel der "Spielerverwechslung", die bei der WM etwa im Fall des Schweizers Breel Embolo zu einer Neubewertung des Vergehens führte, rechnet Wagner nicht mit einer 100-prozentigen Umsetzung im Ligabetrieb: "Ich könnte mir vorstellen, dass die UEFA bei der Ursprungsidee bleibt. Damit würde sich die Verwechslung nur auf die Spieler und nicht wie bei der WM auf das Vergehen beziehen. Erste Bestrebungen seitens der UEFA sind erkennbar und würden dann auch vom DFB übernommen."
Positiv bewertet der Ex-Schiedsrichter die Regeln zur Reduzierung des Zeitspiels - bei Einwürfen oder bei Auswechslungen. "Das hat wirklich gefruchtet", sagte er: "Die Schwierigkeit wird sein: Bei der WM geht das wunderbar, aber im Anschluss muss es dann aber auch bis an die Basis umgesetzt werden. Doch was soll der Schiedsrichter in der Kreisliga noch alles tun?"
Das sei "eine große Gefahr", meinte Wagner: "Der Fußball muss für den Fan verständlich sein. Der, der den Fußball an der Basis spielt, muss wissen: Er spielt den gleichen Fußball wie in der Bundesliga oder bei der WM. Man muss die Änderungen und die Abweichungen so gering wie möglich halten, um dem Fan den Fußball so einheitlich wie möglich zu präsentieren."
H.Seidel--BTB