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Klimaaktivistin Neubauer geht auf Distanz zu Aktionsformen der Letzten Generation
Die Aktivistin Luisa Neubauer von der Initiative Fridays for Future hat sich skeptisch zu manchen Aktionsformen der Klimaschutzgruppe Letzte Generation geäußert. "Politischer Wandel kommt nicht kategorisch schneller, indem man zu radikaleren Maßnahmen greift", sagte Neubauer dem Nachrichtenportal watson.de. Rund fünf Jahre nach dem ersten Schulstreik der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg zog sie eine positive Bilanz der Arbeit von Fridays for Future.
Zur Letzten Generation sagte Neubauer, manchmal könne es sinnvoller sein, Andersdenkende zu überzeugen als "noch eine Straßenblockade". Zwar verstehe sie, "dass die Leute wütend sind angesichts der Klima-Ignoranz von weiten Teilen der Regierung", sagte Neubauer weiter. Es müsse aber auch mitbedacht werden, "dass gewisse Aktionen Menschen und politische Entscheidungsträger im schlimmsten Fall auch abschrecken können". Zwar könne "disruptiver Ungehorsam" auch berechtigt sein, doch sei es "nicht immer wirksamer, wenn man doller draufhaut".
Zu den zurückliegenden fünf Jahren seit der Gründung von Fridays for Future sagte Neubauer: "Ein ganz großes Ziel, das wir erreicht haben, ist, dass auch ohne, dass wir täglich auf der Straße stehen, übers Klima gesprochen wird." Wichtig seien jetzt aber auch "die Einhaltung jährlicher Emissionsziele oder die konkrete Umsetzung von Energie- und Verkehrswenden". Es gehe darum, dass sich auch tatsächlich etwas verändere.
Scharf kritisierte Neubauer die Streitigkeiten in der Ampel-Koalition über den Klimaschutz. "Anstatt sich in den Aufholmodus zu begeben, hat man das Kindertheater eingeleitet", kritisierte die Klimaschützerin gegenüber watson.de. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) warf sie dabei Untätigkeit vor. Zudem bestehe die Gefahr, dass Vertrauen von Menschen verspielt werde.
Für den 15. September plant Fridays for Future im Rahmen eines weltweiten Aktionstages erneut Klimastreiks in zahlreichen deutschen Städten. Dabei will sich die Initiative vor allem gegen verbreitetes Greenwashing wenden. "Grüne Märchen und Klimareden anstatt echter Emissionsminderungen sind die beliebten Methoden. Ganz vorne mit dabei ist der selbsternannte Klimakanzler Olaf Scholz", heißt es in dem Aufruf der Initiative. Angesichts immer weiter steigender Temperaturen müsse "Schluss sein damit, grün zu sprechen und fossil zu handeln".
Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Parteien lobten die Verdienste von Fridays for Future in den vergangenen Jahren. "Wir brauchen den Druck, die Forderungen, auch die Kritik von Fridays for Future, und diese sind sehr wichtig für uns und für die ganze Gesellschaft", sagte die Grünen-Klimaexpertin Lisa Badum der "Rheinischen Post". Fridays for Future habe den Klimaschutz als wahlentscheidendes Thema gestärkt, betonte sie.
Auch der klimapolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Olaf in der Beek, sagte der Zeitung, die Aktivistinnen und Aktivisten hätten es geschafft, eine breite Debatte in der Gesellschaft anzustoßen, die auch in der Politik wahrgenommen werde. "Das Thema Klimaschutz ist viel mehr in den Fokus gerückt. Das ist gut und wichtig", sagte der FDP-Politiker. Nina Scheer, klimaschutzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, sagte, Klimaschutzpolitik habe sich stärker als zuvor "in das öffentliche Bewusstsein eingebrannt – auch verkörpert über die junge Generation und den Verweis auf ihre Zukunft".
Auch der Klimaforscher Mojib Latif lobte, die Bewegung habe es geschafft, den Klimaschutz in der öffentlichen Debatte stärker zu verankern. So habe Fridays for Future "einen großen Anteil" daran gehabt, dass grüne Parteien bei der Europawahl erhebliche Zugewinne erreicht hätten. Seitdem spiele das Thema bei allen Parteien - außer bei der AfD - eine sehr wichtige Rolle.
L.Dubois--BTB