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UNO: Fast 20.000 Babys seit Beginn des Gazakriegs im Gazastreifen geboren
Fast 20.000 Babys sind nach UN-Angaben seit Beginn des Gazakriegs vor mehr als drei Monaten im Gazastreifen zur Welt gekommen. "Damit wird alle zehn Minuten ein Baby in diesen schrecklichen Krieg hineingeboren", sagte eine Sprecherin des UN-Kinderhilfswerks Unicef am Freitag nach einem Besuch in dem Palästinensergebiet. Die Situation von Schwangeren, Müttern und Neugeborenen sei "unvorstellbar", sie brauchten dringend "eine humanitäre Waffenruhe".
"Mutter zu werden sollte ein Grund zur Freude sein", sagte die Sprecherin Tess Ingram in einer Videoschalte mit Journalisten in Genf. Im Gazastreifen ein Baby zu bekommen bedeute, "ein weiteres Kind in die Hölle zu gebären". Die internationale Gemeinschaft müsse dringend handeln, um die Not zu lindern. "Zu sehen, wie Neugeborene leiden und Mütter verbluten, sollte uns allen nachts den Schlaf rauben", sagte Ingram.
Ingram berichtete von "herzzerreißenden" Begegnungen mit Schwangeren und jungen Müttern im Gazastreifen. Eine schwangere Frau habe ihr erzählt, dass sich das Baby in ihr nicht mehr bewegt habe, seit ihr Haus vor einem Monat bei einem Angriff getroffen worden sei und ihr Mann tagelang unter den Trümmern gelegen habe. "Sie ist sich sicher, dass das Baby tot ist", sagte Ingram. "Sie wartet immer noch auf medizinische Versorgung."
Ingram erzählte auch von einer Krankenschwester, die in acht Wochen sechs Babys toter Mütter mit einem Notkaiserschnitt auf die Welt gebracht habe. Katastrophal sei auch die Situation im Emiratischen Krankenhaus in der südlichen Stadt Rafah, das mittlerweile die große Mehrheit aller schwangeren Frauen im Gazastreifen versorge. "Aufgrund der Überfüllung und begrenzter Ressourcen sehen sich die Mitarbeiter gezwungen, Mütter innerhalb von drei Stunden nach einem Kaiserschnitt zu entlassen", berichtete Ingram.
Alle Schwangeren und jungen Mütter im Gazastreifen litten unter einem Mangel an medizinischer Versorgung, unzureichender Ernährung und mangelndem Schutz "vor, während und nach der Geburt", sagte Ingram. Die Folge seien Fehlgeburten, Totgeburten, vorzeitige Wehen, Todesfälle vor und nach der Entbindung sowie Traumatisierungen.
Auch die Lebensbedingungen stillender Frauen seien "unmenschlich", sagte Ingram und verwies auf Notunterkünfte und die schlechte Versorgungslage. Dies setze "rund 135.000 Kinder unter zwei Jahren dem Risiko schwerer Unterernährung aus".
Der Krieg zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas dauert schon seit mehr als drei Monaten an. Die von den USA und der EU als Terrororganisation eingestufte Hamas hatte Israel am 7. Oktober in einem beispiellosen Großangriff überfallen und 1140 Menschen getötet sowie rund 250 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.
Als Reaktion auf den Überfall erklärte Israel der Hamas den Krieg und startete einen massiven Militäreinsatz im Gazastreifen. Nach Angaben des Hamas-Gesundheitsministeriums, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden dort seither mehr als 24.750 Menschen getötet, in der Mehrheit Frauen, Kinder und Jugendliche.
O.Lorenz--BTB